Tilapia (Oreochromis spp.)

Unter Tilapia sollte man sich nicht etwa eine einzige Fischart vorstellen, sondern besser rund tausend, denn so viele Arten werden zurzeit ungefähr unter dem Namen Tilapia zusammengefasst. Die Tilapia-Fische gehören zur Familie der Buntbarsche, die in ihrer ganzen Artenvielfalt in den Gewässern der tropischen und subtropischen Gebiete von Afrika, Madagaskar, Südamerika und Asien beheimatet sind. Wirtschaftliche Bedeutung haben aber nur einige afrikanische Arten wie der Tilapia nigra, der Mosambik-Tilapia (Tilapia mossambica), der Tilapia melanopleura und vor allen Dingen der Nil-Tilapia (Tilapia niloticus).

Wie der Fisch aussieht und lebt

Ursprünglich stammt der Tilapia wohl aus Afrika, konkreter aus dem Nildelta. Afrika ist auch heute noch Verbreitungsschwerpunkt der Tilapia-Fische, dort sollen bis zu 700 verschiedene Arten vorkommen. Gemeinsam ist allen Arten eine Vorliebe für Wassertemperaturen zwischen 20 bis 30 Grad Celsius und fast alle sind Pflanzenfresser. Tilapia`s wachsen sehr schnell, sind ausgezeichnete Futterverwerter, schon nach einem halben Jahr geschlechtsreif und brüten mehrmals im Jahr. Dabei legen die Weibchen pro Kilogramm ihres eigenen Körpergewichts etwa 1500 Eier in das von den Männchen gemachte Nest. Die Fische können ein Gewicht von bis zu 6 Kilogramm bei einer Länge von ungefähr 1 Meter erreichen. Je nach Herkunft variiert die Körperform von hechtähnlich bis scheibenförmig. So hat zum Beispiel der Mosambik-Tilapia im Vergleich zum Nil-Tilapia eine hellere Körperfarbe, dunkle Längsstreifen entlang der Seitenlinie und deutlich unterscheidbare Rückenflossen. Der Nil-Tilapia hingegen ist durch seine kompakte rundliche Form zu identifizieren. Damit sind jedoch nur zwei Stammformen beschrieben, da Tilapia-Arten sich auch untereinander kreuzen und von Züchtern auch ständig dazu angeregt werden, Die Erscheinungsbilder heute also ausgesprochen vielfältig.

Tilapia – Der Fisch des Jahrtausends?

Dem Tilapiabarsch wird vieles zugetraut. Die einen bezeichnen ihn als den "Zukunftsfisch", andere gar als den "Fisch des kommenden Jahrtausends". Schon in der Vergangenheit hat der Fisch erstaunliches geleistet. Nach biblischer Überlieferung hat Jesus mit 5 Broten und zwei Fischen 5.000 Menschen sattbekommen. Diese "Speisung der Fünftausend" fand am See Genezareth in Nordisrael statt. Nachweislich ist dort der Tilapia noch heute eine der wichtigsten Fischarten und war es auch schon vor 2.000 Jahren. Daher wird es sich bei den zwei Fischen recht sicher um den Tilapia gehandelt haben – so findet sich also schon in der Bibel ein allegorischer Verweis auf die erstaunliche Eignung des Fisches, viele Menschen zu ernähren.

Der Fisch kann in Afrika und Asien in einfachen Teichen jeglicher Größe heranwachsen – und tut dieses auch. Aus Asien ist bekannt, dass Tilapia früher schlicht mit dem Kot der anderen Haustiere gefüttert wurden und dabei prächtig gediehen.

Ein Buntbarsch gegen Hunger und Unterernährung

Tilapia, speziell der Tilapia niloticus,  ist eine Problemlösung. Der Fisch ist einfach zum Nachzüchten, vermehrungsfreudig, robust, schnellwüchsig, anpassungsfähig. Er stellt keine Ansprüche an das Futter und seine Wasserwelt, verbreitet sich mit großem Erfolg und seine Haltung erfordert keine Spezialkenntnisse. All diese Eigenschaften verleihen dem Fisch die Fähigkeit, die schnell wachsende Bevölkerung in unterentwickelten Ländern mit hochwertigen, zugleich billigen und rasch nachwachsenden Nahrungsmitteln zu versorgen. Tatsächlich hat sich in Gebieten, in denen Zucht eingeführt wurde, der Gesundheitszustand der Bevölkerung merklich gebessert. Typische Probleme, hervorgerufen durch Mangelernährung, konnten durch den regelmäßigen Tilapiaverzehr gemildert werden. Weltweit gibt es mannigfaltige Projekte, deren Ziel es ist durch die Anlage von Tilapia-Teichen, die lokale Ernährungssituation zu verbessern. Ein besonders pfiffiges Ernährungsprojekt in Ghana schlägt gar zwei Fliegen mit einer Klappe oder korrekterweise keine Fliegen, sondern Malariamücken. Wie das funktioniert? Wie schon erwähnt, frisst der Tilapia fast alles, unter anderem Moskitolarven. Legt man also entsprechende Teiche an, ernährt sich der Fisch von den Moskito-Larven und wo es weniger Larven gibt, gibt es auch weniger Malaria.

Ein Buntbarsch für den Export

Der Tilapia in europäischen Tiefkühltruhen wird in den seltensten Fällen aus Afrika kommen, sondern zumeist aus Asien. Taiwan war das erste Land, dass den "Wuguo", so nennt man diesen robusten Buntbarsch dort, in exportfähiger Qualität produzierte. Um 1946 wurden die Tilapien auf der Insel eingeführt, verbreiteten sich rasant und sind heute eine der häufigsten Fischarten im Land. Forschungsorganisationen begannen bald, die verschiedensten Arten zu kreuzen, so dass mittlerweile in Taiwan 8 Sorten gezüchtet werden, die allerdings alle unter dem Namen "Taiwan-Tilapia" vermarktet werden und mittlerweile ein verbreitetes Produkt auf den Fischmärkten der ganzen Welt sind. Die Leichtigkeit, mit der Fisch gezüchtet werden kann, hatte gegen Ende der 70er Jahre ein Überangebot zur Folge. Tilapia wurde zum "Arme Leute Fisch", unter anderem, weil sich der Eindruck festgesetzt hatte, dass der Fisch mit Fäkalien ernährt wird. Tatsächlich hatte Tilapia zumeist einen leicht modrigen Geschmack, nicht verwunderlich bei im Schlamm wühlenden Pflanzen-, beziehungsweise eher Allesfressern. Es wurde gegengesteuert: zum einen durch Verbesserung der Zuchttechniken, zum anderen durch Veränderung der Verarbeitungstechnologien. Heute liefern automatische Füttermaschinen nahrhaftes Futter und keine Abfälle. Ozonsterilisierung und Schockfrostung erlauben die Bewahrung der Textur des Fisches in der Verpackung. Taiwan wurde das erste Land, das gefrorenen Tilapia und Tilapia-Filet exportierte. Allerdings ging fast die gesamte Produktion von ungefähr 90.000 Tonnen zunächst nach Übersee. Der Erfolg führte dazu, dass auch China groß in die Tilapia-Produktion einstieg und mit einer Produktion von über 1 Millionen Tonnen weltweit der größte Lieferant geworden ist. Tilapia aus China ist billiger als der Taiwanesische – die Produktionskosten sind niedriger – und das schmeckt man zumeist auch. In Taiwan versucht man nun, Tilapia für die Oberklasse zu produzieren, d.h. den hohen Qualitätsanforderungen der EU zu genügen. Um das zu gewährleisten, wurde die T2A-Allianz gegründet, deren Ziel der Aufbau eines transparenten und zurückverfolgbaren Zuchtprotokolls für jeden Fisch ist, denn internationale Regelungen existieren nicht für die Tilapia-Aufzucht. Im Jahr 2003 wurde der Taiwan-Tilapia dann gemeinsam mit der Mango und der Schmetterlingsorchidee als taiwanesisches "Flagschiff-Exportprodukt" gelistet. Die Bemühungen war erfolgreich - tatsächlich ist Taiwan ist der größte Exporteur für den europäischen Markt.

Tilapia in der Küche

Der Bekanntheitsgrad und die Beliebtheit des Fisches halten sich in Europa noch in Grenzen. Eine Zahl zum Vergleich: die USA verbraucht rund 45.000 Tonnen, Deutschland hingegen nur 5 Tonnen. Sicher wird sich das bald ändern, immerhin ist der Fisch in den Tiefkühltruhen der Discounter angekommen – als tiefgefrorenes Tilapiafilet.

Wie der Fisch schmeckt …

Tilapia gilt hierzulande in der Küche als guter Speisefisch mittlerer Qualität. Das Fischfleisch ist weiß, von fester, dabei jedoch sehr zarter Konsistenz und schmeckt leicht süßlich-nussig. Wie so häufig bei Pflanzenfressern ist Tilapia-Fleisch sehr fettarm. Ein weiteres Plus für die Filets – sie enthalten kaum Gräten.

…ist abhängig von der Aufzuchtqualität

Jedoch gibt es wohl erhebliche Qualitätsschwankungen beim Tilapia, wenig verwunderlich, ist doch Geschmack und Güte des Fischfleisches immer abhängig von den Aufzuchtbedingungen und für diese gibt es kaum festgesetzte Rahmenbedingungen.  So kann es passieren, dass Tilapia, der wie der Karpfen im Teichschlamm sein Futter sucht -  modrig schmeckt. Das ist dann ein Indiz für zu wenig Frischwasser oder auch zu hohe Besatzdichte. Die Empfehlung lautet hier wiederum – wie bei anderen Zuchtfischen auch – es einfach mal mit dem Bio-Tilapia zu versuchen. Auch der Einkaufsführer des WWF hält den Bio-Tilapia für eine ausgesprochen "Gute Wahl". Denn bei den Bio-Filets ist zumeist die gesamte Produktionskette auf Einhaltung von Umweltstandards und halbwegs artgerechte Aufzuchtbedingungen kontrolliert. Dann kostet das Filet vielleicht etwas mehr als beim Discounter, aber dafür hat man ein leckeres Stück Fisch auf dem Teller – denn eigentlich ist der leicht "minderwertige" Ruf des Fisches geschmacklich nicht begründet.

Tilapia zubereiten?

Tilapia-Filet ist vielfältig einsetzbar: es kann sowohl gebraten als gedünstet oder gekocht und sogar gegrillt werden. Besonders mag es der afrikanische Buntbarsch allerdings, wenn er im eigenen Saft gegart wird. Tilapia ist nicht nur vielseitig, sondern auch schnell zubereitet. Viel Vorbereitung ist nicht nötig, eigentlich muss der Fisch vor der Verarbeitung nur schonend aufgetaut, vorsichtig unter kaltem Wasser abgespült und dann wieder gut abgetrocknet werden. Fast am besten schmecken die Filets "naturell", nur um einem Spritzer Zitrone und eine Prise Pfeffer bereichert – wobei sich über Geschmack natürlich trefflich streiten lässt. Sehr gut verträgt der Fisch aber auch vielfältige Geschmacksbeigaben, von Knoblauch über Fenchel bis hin zu Salbei.

Tipp – Ein exotischer Fisch für die exotische Küche

Seinen großen Auftritt hat Tilapia jedoch bei diversen exotischen Gerichten; das verdankt der Fisch seiner süßlichen Note. Soll es also mal ein afrikanisches oder asiatisches Fischgericht geben, ist Tilapia als Basis eine gute Wahl, schließlich hat der Fisch in diesen Gebieten auch sein zuhause.

Und zum Schluss – Handtasche aus Tilapia-Leder

Tilapia kann nicht nur gegessen werden, auch die Haut des Fisches lässt sich nutzen – zur Lederproduktion. Aus Tilapiahaut kann qualitativ hochwertiges Fischleder gegerbt werden –das man sich ähnlich wie Schlangenleder vorstellen kann. Produkte aus Tilapia-Leder lassen sich bei www.tilapiamode.com bewundern und auch bestellen.


Quellen und Weiterführendes

  • Christian Teubner & Autorengemeinschaft. Seafood: Kochbuch und Lexikon von Fisch und Meeresfrüchten. München: Teubner Edition, 1998.
  • Sterba, Günther. Süßwasserfische der Welt. Stuttgart: Ulmer, 1987.

Weiterführende Links