Chinesischer Zuchtkarpfen

Der Karpfen ist ursprünglich ein asiatischer Fisch.  Dem "Urahn der Gattung Fisch", dem Karpfen der Art Cyprinus Carpio, gemeinhin auch Schuppenkarpfen genannt, ist in diesem Lexikon ein eigenständiger Eintrag gewidmet. Doch schon vor unserer Zeitrechnung wurde die Karpfenstammform in China in Teichen gezüchtet, im Verlauf der Jahrhunderte entstanden dadurch unterschiedlichste Karpfentypen.

Die Karpfenzucht hat in China nicht nur eine lange Tradition, der Karpfen ist auch eine Säule der chinesischen Küche. Für keinen anderen Fisch kennt man im Land der Mitte so vielfältige Zubereitungsformen wie für die diversen chinesischen Karpfen. (seafood)

Angemerkt sei noch, dass die hier vorgestellten Karpfen zwar kulinarisch und umgangssprachlich zu den "Carpio's" gehören, nicht jedoch in der wissenschaftlichen Notation. (seafood)

Kleines Lexikon der Chinesischen Karpfen

Graskarpfen, Weißer Amur (Ctenopharyngodon idella)

Der Graskarpfen gehört zu den in China gezüchteten Karpfen. Er ist nicht so nahe mit dem einheimischen Karpfen verwandt, wie es sein Name suggeriert und kann sich normalerweise bei uns nicht natürlich fortpflanzen. Trotzdem wird der Fisch mittlerweile weltweit in der Süßwasserfischzucht gezogen. Seinen Namen verdankt er seiner Nahrung: Graskarpfen ernähren sich überwiegend von Wasserpflanzen und bevorzugen hierbei Jungpflanzen, die sie richtiggehend abgrasen.

Der Graskarpfen verfügt über einen langgestreckten Körper, mit auffallend großen, silbern-dunkeln umrandeten Schuppen und einer stumpfen Schnauze, die zwischen den Nasenlöchern eingedrückt ist. Dem Maul fehlen die eigentlich karpfentypischen Bartfäden.

Bei einer Größe von 1,20 Meter kann der Fisch ein Gewicht von bis zu 40 Kg erreichen. Ein so großer Fisch frisst auch viel und da er gerade das junge Gras regelrecht abweidet, zerstört der in den 60er Jahre eingeschleppte Fisch die Laichgründe für viele andere Fischarten. In Europa hat sich der Graskarpfen ausgesprochen gut eingelebt und ist weit verbreitet, vor allem in Baggerseen und langsam fließenden Gewässern sowie in Kraftwerkseen.

…und kulinarisch

So richtig hat sich der Graskarpfen als Speisefisch noch nicht etabliert. Dabei hat der Fisch ein wohlschmeckendes Fleisch, allerdings auch reichlich Gräten. Daher sind kleinere Exemplare wohl am besten für die Zubereitung von Farcen geeignet. Größere Exemplare lassen sich auch hervorragend filetieren und dann zum Beispiel in einer Kräutersauce anrichten, auch geräuchert soll der Fisch eine Delikatesse sein, zumindest wird das von Anglern empfohlen (seafood)

Silberkarpfen, Algen-Amur (Hypophthalmichthys molitrix)

Silberkarpfen, auch Silberfisch, Silberamur oder Tolstolob genannt, stammt sicher ursprünglich auch aus China, jedoch ist das ursprüngliche Verbreitungsgebiet kaum noch festzustellen, da der Fisch seit dem 10. Jahrhundert in China künstlich eingesetzt wurde. Der langgestreckte Körper des Fisches hat einen großen Kopf mit eingedellter Schnauze, keine Bartfäden, große Schuppen und seine Färbung liegt zwischen grün bis hin zu grün-schwarz. Es ist anzunehmen dass die ruhigen und tiefen Seen und langsam strömenden Flüsse Chinas und des Amurs sein Heimat sind. Der Silberkarpfen gehört bei uns zu den eingeschleppten Arten. Man versprach sich vom dem Planktonfresser ein Abweiden unerwünschter Unterwasserpflanzen. Das tut der Fisch auch, jedoch verschlechtern seine gewaltigen Ausscheidungen sehr schnell die Wasserqualität von kleineren Teichen. Der Silberkarpfen kann bis zu einem Meter lang und bis zu 35 kg schwer werden. Bei Erschrecken springen die Fische bis zu 2 Meter aus dem Wasser und verschrecken damit dann auch die eventuell Badenden. Eigentlich erlaubt das Klima Mitteleuropas keine natürliche Fortpflanzung, da der Fisch sich erst ab 20 Grad so richtig wohl fühlt, jedoch gibt genügende Zuchtbetriebe und Kraftwerksseen, so dass der Fisch sich trotzdem fortpflanzt und immer wieder in großen, langsam fließenden Flüssen und angeschlossenen Seen anzutreffen ist. Da eingeschleppte Fische auch schnell zu einer Bedrohung für das einheimische Ökosystem werden können, ist zum Beispiel in Bayern der Besatz mit Silberkarpfen genehmigungspflichtig.

…und kulinarisch

Langsam wird der Algen-Amur auch von europäischen Fischliebhabern entdeckt. Sein Fleisch ist blütenweiß und von angenehmem Geschmack. In Asien wird der Fisch gerne und häufig frittiert verzehrt. Ein beliebtes und traditionelles Silberkarpfengericht aus der Sichuan-Küche ist Geschmorter Silberkarpfen mit Knoblauch. (anglertreff), (seafood)

Marmorkarpfen, gefleckter Silberkarpfen (Aristichthys nobilis; Hypophthalmichthys nobilis)

Der Marmorkarpfen und Silberkarpfen lassen sich schwer von einander unterscheiden - aber wie es der Name schon verrät, Hauptunterschied ist die dunkelblaue Marmorierung des Marmorkarpfens. Weitere Unterscheidungsmerkmale zum Silberkarpfen sind der nicht ganz durchgängige Bauchkiel an der Bauchunterseite sowie die weniger tief liegende Augen. Insgesamt wirkt der Marmorkarpfen massiger als der Silberkarpfen. (Thüringen). Der Marmorkarpfen hat einen seitlich abgeflachten und leicht hochrückigen Körper. Die Hauptfarbe des Körpers ist silbergrau mit den schon erwähnten Marmorierungen in den Schuppen. Der Fisch kann bis zu einem Meter lang und zu 50 kg schwer werden, wird zumeist aber bei einem Gewicht von ungefähr 25 kg abgefischt.

Die Herkunftsgebiete des Fisches sind Ostasien und China. In unsere Breitengrade wurde der Fisch in den 60er und 70er Jahren eingeschlappt - wie auch der Silberkarpfen zur Bekämpfung des Algenwachstums in den Teichen. Das tut der Fisch hervorragend, mit seinem Kiemenreusenapparat filtert er Plankton aus dem Wasser und verdrängt dabei andere (einheimische) Fische. Daher ist es heute zumeist genehmigungspflichtig, wenn man diesen Karpfen in Fischteiche einsetzen will. (oefg) Obwohl der Marmorkarpfen sich eigentlich bei uns nicht fortpflanzen kann, scheint er doch zu tun, denn man findet den Exoten aus Ostchina auch in unseren Flüssen, jedoch wohl nicht mehr lange, denn mittlerweile ist es verboten, den Fisch in freien Gewässern auszusetzen - zu sehr stört er das ökologische Gleichgewicht. (würzburg)

…und kulinarisch

Ein Marmorkarpfen ist ein kulinarischer Genuss: von den drei Chinakarpfen wird er von Kennern am höchsten geschätzt. Der Fisch hat ein äußerst schmackhaftes Fleisch und gewinnt in Europa immer mehr Bedeutung, wenngleich er, gemessen an seiner Fleischqualität immer noch unterbewertet wird. Die Filets, in Butter gebraten, sind eine Delikatesse. Aber nicht nur die Filets scheinen ausgesprochen lecker zu sein, so berichtet die die Mitteldeutsche Zeitung anlässlich des Fischfestes am Kernersee sowohl über ein 30 kg schweres Prachtexemplar sowie über Fischchips sowie Fischbouletten aus Marmorkarpfen, die den Besuchern ausgezeichnet mundeten. Vielleicht erobert der Fisch ja in dieser kulinarischen Form Europa schneller als gedacht.!(mz)

Und zum Schluss - Auch Kois sind Karpfen

Koi-Karpfen - die sich in Deutschlands Gartenteichen großer Beliebtheit erfreuen - sind Farbmutationen aus ursprünglichen langgestreckten und vollbeschuppten Karpfenarten. In China waren Farbkarpfen wohl schon seit 2.500 bekannt. Durch Kreuzungen mit Leder-, Spiegel und Zeilkarpfen wurden später auch verschiedene Beschuppungsformen übertragen. In Japan wird ein großer Kult um diesen Fisch betrieben, die heute gezüchteten Varianten kommen auch größtenteils daher, sicher ist aber, dass die Kois nicht aus Japan stammen. Immerhin ihren Namen haben sie im Land der "Morgenröte" bekommen: das Wort "Koi" ist abgeleitet von "Nishikikoi", dass so ungefähr mit "Brotkarpfen" zu übersetzen ist. Mittlerweile sind übrigens mindestens 16 Hauptvarianten und über 100 Unterformen bekannt - eine wahre Farbenpracht und der Teichzüchter hat die Qual der Wahl. Sogar einen "deutschen Karpfen" gibt es schon als Koi - auf japanisch nennt man ihn "Doitsugoi". Gerüchteweise werden Koi-Karpfen sogar gegessen - natürlich nur diejenigen bei denen die Zeichnung nicht optimal geraten ist, denn wirklich gelungene, seltene Koi-Exemplare können schon mal mehrere Tausend Euro kosten. (carphunter)


Quellen und Weiterführendes

  • (seafood) Christian Teubner & Autorengemeinschaft. Seafood: Kochbuch und Lexikon von Fisch und Meeresfrüchten. München: Teubner Edition, 1998.

Weiterführende Links

  • (anglertreff) www.angeltreff.org: Silberkarpfen (Hypophthalmichthys molitrix) - Zur Quelle.
  • (thüringen) www.thueringen.de: Marmorkarpfen (Hypophthalmichthys nobilis) - Zur Quelle.
  • (oefg) Österreichische Fischereigesellschaft 1880 - Zur Quelle.
  • (würzburg) www.wuerzburg.de: Von Aal bis Zander - Zur Quelle.
  • (mz) www.mz-web.de: Marmorkarpfen-Riese lässt Besucher ganz schön staunen - Zur Quelle.
  • (carphunters) www.carphunters.at: Karpfenarten - Zur Quelle.