Kochbanane, Gemüsebanane (Musa x paradisica)

Mit dem Wort Banane verbindet jedermann die goldgelbe "Chiquita-Banane". Immer häufiger findet sich in den Supermärkten jedoch ein Verwandter der Obstbanane, weniger hübsch anzusehen und nicht sehr süß - die Kochbanane, auch Mehlbanane, Gemüsebanane, oder Pferdebananen genannt. Die Engländer und Franzosen unterscheiden sprachlich deutlicher zwischen Kochbanane und Obstbanane als es hierzulande der Fall ist: die Obstbananen wird "Banana" (engl.) beziehungsweise "banane" (fr.) genannt, die Kochbanane hingegen heißt in beiden Sprachen - natürlich verschieden betont - "platains".

Die Familie Kochbanane

Die Familie der Bananengewächse trägt den botanischen Namen Musaceae und besteht aus nur zwei Gattungen, Musa und Ensete genannt, wobei letztere wenig interessant ist, da sie keine Arten mit essbaren Früchten hervorbringt. Die Gattung Musa hingegen wird in 5 Sektionen unterteilt, von denen Australimusa und Eumusa die beiden wichtigsten sind. Zu den "Australimusa-Bananen" gehören u. a. die im pazifischen Raum heimischen Textilbananen mit dem lateinischen Namen "Musa textilis" aus der in großem Maßstab Fasern, nämlich der "Manila-Hanf" gewonnen wird, sowie die Fe`i - Banane, bei der es sich um eine Kochbanane handelt. Alle Obstbananen, auch viele Kochbananen, gehören zur Gattung "Eumusa" die sich durch hohe Temperatur- und Feuchtigkeitsansprüche auszeichnet, wie sie vorwiegend im tropischen Tiefland vorliegen. Nur ganz wenige Bananen-Sorten gedeihen auch in den Subtropen. So kommt es, dass sich der weltweite Bananenanbau hauptsächlich auf den "Bananengürtel", das ist eine Zone beiderseits des Äquators bis zum jeweils 30. Breitengrad, erstreckt.

Anbau und Bedeutung der Kochbanane

Weltweit gibt es ungefähr 1000 Bananensorten, von denen viele nur lokal Bedeutung haben. Die Zahl der für den kommerziellen Anbau geeigneten Sorten ist relativ klein. Insgesamt werden global rund 85 Millionen Tonnen Bananen erzeugt: ungefähr 55 Millionen davon sind die Obstbananen, denen ein eigener Eintrag im Lexikon gewidmet ist; jedoch entfallen immerhin 30 Millionen Tonnen der Bananenproduktion auf die Kochbanane. Das ist nicht verwunderlich, wenn man weiß, dass diese Frucht der Bananenstaude in Afrika und einigen südamerikanischen Gebieten den Rang eines Grundnahrungsmittels hat. (Liebster)

Was ist die Kochbanane

Es gibt verschiedenste Sorten Kochbananen: von klein bis sehr groß; sowohl kantig als spitz zulaufend. Die reife Kochbanane ist zumeist noch grün, kann sich aber dann cremegelb bis schwarz verfärben. Schwarze Kochbananen sind am leckersten und in dieser Farbe sind sie zumeist auch im Supermarkt anzutreffen. Die Botanik der Kochbanane, also Anbau und Wachstumsbedingungen unterscheidet sich nicht wesentlich von der der Obstbanane, daher sei auf dazu auf den Obstbananen-Artikel verwiesen; gleiches gilt für die gesundheitliche Bedeutung.

Wie schon bei der süßen Banane gibt es auch bei der Kochbanane eine große Sortenvielfalt. Relativ bekannt sind bei uns die Vertreter aus der Gruppe der "Roten Kochbananen" wie zum Beispiel die Sorten "Red Jamaica" und "Red platain". Weltweit bekannte Sorten sind die "French Plantain" sowie die "Horn-Platain", beide gehören zur Platain-Untergruppen. Eine große Rolle im Bananenhandel spielt die in Südostasien, Ostafrika und Grenada angebaute Kochbananen-Sorte "Bluggoe". Aus Thailand kommen die weltweit vertriebenen Bananen-Sorten "Pisang awak" und die süße Kochbanane "Klue teparod". Letzere schmeckt roh unangenehm schwammig-faserig, gekocht jedoch angenehm süßlich.

Die Kochbanane in der (schwarzafrikanischen) Küche

Vor kurzem noch relativ unbekannt, gehört die Kochbanane jetzt zu den Gemüsen, die immer häufiger als Zutat in Kochbüchern angefordert wird. Ursache hierfür ist ein zunehmendes Interesse an der afrikanischen Küche, nachdem "Thai-Küche" "Chinesische Küche" und viele weitere "exotische Küchen" Anregungen für die europäischen Kochtöpfe lieferten, kommt die bislang fast unbekannte schwarzafrikanische Küche zu der Ehre von den Gourmetköchen und Kochbuchautoren gleichermaßen entdeckt zu werden.

Vieles kann gekocht werden mit dieser stärkehaltigen Bananenart, aber roh ist sie zumeist ungenießbar, da die Stärke noch nicht in Zucker umgewandelt wurde. Kochbananen können mit oder ohne Schale, im letzteren Fall vielleicht eingeschlagen in ein Bananenblatt - gekocht, gedämpft, frittiert, gegrillt oder gebraten werden.

Sie können sowohl im Ganzen, in Stücke geschnitten oder gerieben zubereitet werden. Aus getrockneten

Kochbananenscheiben wird traditionell auch Mehl hergestellt, das sich unter Zugabe von Weizenmehl, oder auch Maniok, zu Kuchen und Gebäck verarbeiten lässt.

Großer Beliebtheit erfreuen sich in Afrika auch Chips und Fritten aus Kochbanane - man merkt schon, hier wird ein Nahrungsmittel beschrieben, dem auf dem afrikanischen Kontinent ein ähnlicher Rang, wie bei uns der Kartoffel zukommt. Sehr beliebt und bekannt sind in den Anbauländern die aus getrockneten Kochbananen hergestellten "Bananenfeigen", die ein ausgesprochen schmackhaftes Bananenaroma mit hohem gesundheitlichem Wert verbinden, denn sie wirken beruhigend bei Magen- und Darmstörungen. Wie es einem Grundnahrungsmittel zukommt werden die Kochbananen zudem mitsamt ihrer Schale zu Bier, Likör und Wein verarbeitet. Sehr bekannt in Afrika ist "Mongozo", ein aus der Gemüsebanane gefertigtes Bier mit 5% Alkoholgehalt. Bei Hochzeiten hat das "Mongozo-Bier" Kultcharakter. (Bendel), (Liebster)

Exkurs: Die Bananenblätter

In Afrikas Küchen wird nicht nur die Frucht der Bananenstaude verwendet, auch die Blätter der Pflanze werden vielfältig genutzt. Zum einen für sehr dekorative Garnituren, sie lassen sich jedoch auch zu leckerem exotischem Gemüse verarbeiten. In ihren Anbauländern werden die Bananenblätter zumeist gegrillt oder gebraten. Schafft man es hierzulande, Bananenblätter zu kaufen, könnte man sie auch wie Wirsingkohl zubereiten.

Tipps zum Einkauf

Kochbananen werden eigentlich das ganze Jahr über im gutsortierten Lebensmittelhandel in kleineren Mengen angebauten. Unreif haben sie eine eher grüne Farbe. Sind sie gereift ist die Schale schwarz. Das sieht zwar nicht sehr appetitlich aus, tut aber dem Aroma, welches einzigartig mehlig, fruchtig und süßlich ist, keinen Abbruch.

Zum Schluss - Kochbanane zur Fussball-WM 2010

In einem Jahr startet die Fussballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Diese Gelegenheit sollte der international orientierte und fußballbegeisterte Koch unbedingt ergreifen und zur Liveübertragung anstatt Bratwurst, Pommes, Tapas & Co unbedingt auch Kochbananen-Chips und Kochbananen-Fritten anbieten. Vielleicht dazu noch ein Morongo-Bier - so wird die Fußball WM auch ein Highlight für den Gaumen. Angenehmer Nebeneffekt dabei: Kochbananen-Fritten sind deutlich gesünder als ihre Vettern aus Kartoffeln.



Literaturverzeichnis

  • Bendel, Lothar. Das große Lexikon der Früchte und Gemüse. Köln: Lizenzausgabe Anaconda Verlag GmbH, 2008.
  • Liebster, Günther. Obst Warenkunde. Weil der Stadt: Walter Hädecke Verlag, 2002.
  • Rösch, Ruth. "Steckbrief Exoten und Zitrusfrüchte." Bonn: AID Infodienst Verbraucherschutz, 2002.