Mungobohnen (Vigna Radiata/ Vigna Mungo)

In Deutschland kennt man die schwarzen und goldgelben oder grünen Bohnenkerne als Mungobohne, als Urdubohne, als Jerusalem-Bohne und bezeichnet sie manchmal fälschlicherweise als grüne Sojabohne und sehr fantasievoll als Lunjabohne.

In der Botanik nennt man sie Vigna radialis oder Vigna radiata es gilt aber auch leicht veraltet Phaseolus radiatus, Phaseolus roxburghii, Vigna mungo oder Phaseolus mungo beziehungsweise Phaseolus mungo L. var. Radiatus. Etwas aus der Reihe fällt hier Azukia mungo. Zwar wissenschaftlich nicht trennscharf, dafür gebräuchlich ist die Unterscheidung in Vigna mungo wenn die schwarzen und olivgrünen Bohnensamen gemeint sind und in Vigna radiata, wenn die Rede von den goldgelben oder grünen Bohnenkernen ist. Angebaut wird die Mungo Bohne in Asien, in Afrika und in den USA. In ganz Ostasien ist die aus der Wickenfamilie stammende proteinreiche Bohne ein geschätztes Nahrungsmittel, besonders zur Fastenzeit. In fast jeder Sprache trägt die Mungobohne einen anderen Namen. Auf Bengali heißt sie Mash kalai, auf Burmesisch Mat pe, auf Chinesisch Hei lü dou, auf Tamil Ulundu, auf Thailändisch ถั่วดำ Thuaa dahm und auf Indisch Katjang idjoe oder Moong Daal, auf Hindi : उरद Urd, उर्द , मूंग und auf Japanisch Ke tsuru azuki. Auf Swahili spricht man hingegen von Mchooko mweusi. Die Engländer sprechen von black gram oder golden oder green gram, beziehungsweise von mung bean, je nachdem welche Zustandsform des Bohnenkernes gerade gemeint ist. In Spanien sagt man Fríjol mungo, Judía mung, oder Poroto mung, in Frankreich Haricot Mungo. Die Italiener reden von Fagiolo mungo und Mungo nero, die Portugiesen von Feijão-da-China und Feijão-urida.

Mungobohnen sind (keine) Sojasprossen

Alle kennen und lieben sie – die knackigen, aromatischen Sojasprossen am Salat und in asiatischen Gerichten. Was die wenigsten wissen: Zumeist handelt es sich bei den Sojasprossen im Supermarkt nicht um die Keimlinge der Sojabohne sondern um Mungobohnen-Sprossen. Zwar sind beide Bohnensorten eng verwandt, aber der Mungobohnen-Keim schmeckt deutlich frischer und aromatischer als der der Sojabohne– und daher wird den Mungo-Sprösslingen auch der Vorzug gegeben. Verwendet werden für die Keimung hauptsächlich die grünen Bohnenkerne, daher tragen Mungobohnenkeime auch fälschlicherweise den Namen "Grüne Sojabohne".

Die Pflanze Vigna Radiata

Wie etliche andere Bohnensorten auch, ist die Mungo Bohne botanisch gerade von der Gattung Phaseolus in die Gattung Vigna umgezogen, was bedeutet, dass das Schmetterlingsblütler-Gewächs nun zu den Augenbohnen zählt (Vigna). Es gibt nicht nur eine Vigna radiata sondern es soll bis zu 200 verschiedene Arten geben. Die Pflanze Vigna Radiata ist einjährig, wächst buschig aufrecht oder halb kriechen bis zu einer Höhe von 30 bis 150 Zentimetern. Ihre Pflanzenstängel haben eine steife braune Behaarung. Die Blätter bestehen aus dreiteiligen Blattspreiten und haben fünf bis 21 Zentimeter lange Stiele. Die Blätter selbst erreichen eine Länge von 6 – 15 Zentimetern und eine werden 3 bis 10 Zentimeter breit. Es gibt schildförmige Nebenblätter, die knapp eineinhalb Zentimeter lang werden. Pro Fruchtstand entwickeln sich zumeist nur zwei Früchte, die eine zylinderförmige Form haben, rau und dunkelbraun behaart wird. Mit zunehmender Reife wechselt die Schote die Farbe von grün über braun hin zu schwarz. In jeder Schale befinden sich sechs bis zwanzig Samen. Je nach Sorte fällt die Form verschieden aus – von rund über quadratisch bis länglich ist alles drin. Auch die Samenfarben schwanken von gelb über grün bis schwarz und sowohl abhängig von der Bohnenart als auch in Abhängigkeit vom Reifegrad. Mungobohnen sind tropische oder auch subtropische Kulturen, die für optimales Wachstum Temperaturen zwischen 30 und 35 Grad und Lehmboden benötigen. Verwendet wird von der Mungobohne in der Regel nur der Bohnenkern. Nur in Asien nutzt man auch die Hülse. Je nach Reifegrad und Bearbeitungsstufe ist der Bohnenkern bräunlich-schwarz, grün oder goldgelb. Als Herkunftsgebiet der Bohnenart vermuten Wissenschaftler China, dort wird die Pflanze seit mehr als 2.000 Jahren in verschiedenen Variationen angebaut. Wilde Mungobohnen wurden vor kurzem im chinesischen Yun Nan, in der Provinz Gunag Xi entdeckt. Heute wird das traditionelle asiatische Nahrungsmittel, dessen Vitamin, Kalzium, Eisen, Phosphor-Werte höher als die von unbehandeltem Reis sind, überall in Ostasien angebaut. Mungobohnen gelten als Nahrungsmittel und als Medizin gleichermaßen. Zwar kommt ein großer Teil der Weltproduktion aus den chinesischen Provinzen He Nan, Shan Dong, Shan Xi, He Bei, Ein Hui, Si Chuan, Shaan Xi Hu Bei und Liao Ning, angebaut wird aber auch in Thailand, auf den Philippinen, in Indonesien, Burma, Bangladesch und Indien. In Indien und Bangladesh können die Bohnen sogar zweimal im Jahr geerntet werden: einmal im November, das ist die Rabi-Saison und einmal im Juni in der Kharif Saison.

Fit und gesund mit eiweißreichen Hülsenfrüchten

In der traditionellen chinesischen Medizin werden den Mungobohnen eine Vielzahl positiver Wirkungen zugeschrieben. Egal ob süß oder kalt, warm oder deftig genossen stärken sie Herz und Magen, wirken abschwellend und entgiftend, so Kai Ben Cao Bao. Ben Cao Zhen Qiu stellte fest, dass sie auch bei der Akne-Behandlung hilfreich sind, entgiftend und desinfizierend wirken. Nicht nur die beiden Chinesen, auch fast alle klassischen asiatischen Bücher loben die entgiftende Wirkung und heben die stärkende Kraft der Bohnenkerne hervor. Sie soll sogar der Antriebskraft auf die Sprünge helfen.

Die moderne Pharmakologie scheint das Wissen der alten Chinesen zu stützen. Experimente wiesen direkte antibakterielle Wirkung des Bohnensaftes nach. Auch die Entwicklung von Staphylokokken wird gehemmt. Ursächlich dafür sind Tannine, Flavnoide und Phytosterole, die in der Hülsenfrucht enthalten sind. Auch auf die Blutfettwerte wirkt der Bohnenverzehr positiv, zumindest funktionierte das bei Kaninchen. Auch hier sind vermutlich die Phytosterole verantwortlich. Andere Experimente lassen vermuten, dass der reichliche Verzehr von Mungobohnen der Entstehung von Lungen- und Leberkrebs vorbeugt, was wohl an den Morphinen und Sodiumnitriten liegt. Besonders gut erforscht ist die entgiftende (oder eher vor Vergiftung schützende) Wirkung der Bohnen, was daran liegt, dass sich das Bohneneiweiß, wenn es flüssig oder als Pulver eingenommen wird, wie ein schützender Film über die Magenschleimhaut legt und demzufolge eine Menge Giftstoffe nicht mehr in den Blutkreislauf gelangen können.

Gelbe, grüne und schwarze Bohnen

Die verschiedenen Handelsbezeichnungen für verschiedene Zustandsformen von Vigna Radiata sorgen immer wieder für Verwirrung. Eine Übersicht:

Die schwarze Mungobohne

Schwarze Mungobohnen werden auch Urid-Bohnen oder Urad dal und Black gram oder Black mung beans (engl.) genannt und sollten nicht mit den schwarzen Linsen verwechselt werden. Die schwarzen Mungos sind in Indien sehr beliebt und werden entweder im ganz oder aufgespalten verwendet. Man nutzt sie für verschiedenste kulinarische Zubereitungen wie Currys und Papad, aber auch für klassisch indische Dhals. In Indien wird auch gerne die ganze Schote als Gemüse verkocht. Die schwarzen Mungobohnen sind reich an Eiweiß (24 %), Calcium (154 mg), Phosphor (385 mg) und Eisen (9,1 mg) - jeweils auf 100 g. Kaufen kann man die Bohnen in Asia-Geschäften. Das Herkunftsland ist oft Thailand.

Die gelbe Mungobohne

Die gelben Mungobohnen heißen auch Mung Dal oder Moong Dal. Hierzulande findet man sie als Geschälte halbe Mungobohnen oder als halbe Mungobohnen, was schon darauf verweist, dass es sich bei den gelben Mungos schlicht um geschälte und gespaltene Samen handelt. Die sehr eiweißreichen gelben Mungos heißen in der Ayurveda-Lehre auch die "Königin der Hülsenfrüchte" und gehören in den alten Texten des Charak Samhita zu den acht Lebensmitteln, die täglich verzehrt werden sollten. Sie lassen sich hervorragend zu jeder Art von indischem Dal verarbeiten. Diese Bohnenart findet man eher am ehesten in Bio-Märkten, aber auch in Asia-Geschäften. Das Herkunftsland ist oft Indien.

Grüne Mungobohnen und die Sojasprossen

Grüne Mungobohnen werden am häufigsten angeboten, man findet sie sowohl in Bio-Märkten, in Asia-Märkten und bei vielen Internet-Versendern. Aus den Samen der grünen Mungobohnen werden die beliebten Sprossen gezogen. Das kann man auch zu Hause ganz einfach machen. Am besten kauft man Bio-Bohnen. Diese wäscht man gründlich und legt sie ein paar Stunden in Wasser ein, am besten über Nacht. Dann kommen die Bohnen in ein professionelles Keimgefäß (das Wasser muss abfließen können). An einem schattigen warmen Ort zeigen sich schnell die ersten Keimlinge. Diese können nun in den Wok oder zu einer fast unüberschaubaren Vielfalt nicht nur asiatischer Gerichte verwendet werden. Hat man zu viel geerntet, können die Sprossen eingefroren werden. Beim Auftauen werden sie dann zwar lappig, aber das macht bei gekochten Gerichten nicht viel aus.

Mungobohnen in der Küche

Küchentechnisch verwendet man hierzulande hauptsächlich die frischen Mungebohnensprossen aus der grünen Bohne – und das zumeist noch unter der Bezeichnung Sojasprossen. Sie finden als klassisches Wokgemüse Verwendung, und gehören an eine Vielzahl asiatischer Gerichte. Dabei lassen sich die exotischen Hülsenfrüchte ausgesprochen vielfältig zubereiten. Die ganze frische Bohne beziehungsweise ihre Kerne werden am häufigsten in der chinesischen und südostasiatischen Küche verwandt. Dort verzehrt man sie auch gern mit Schale als Gemüse. Man kennt in China sogar ein Dessert aus der Bohne, die "grüne Bohnesuppe". Ein weitere Süßspeise ist das "Zuckerwasser (tang shul)", das entweder warm oder kalt serviert wird und als Durstlöscher gilt. In Honkong wird aus geschälten Mungobohnen und Mungobohnenbrei sogar Eis mit Pops (Ice-Pops) hergestestellt, das als Dessert sehr beliebt ist. Während der Drachenbootfestivals in China werden gekochte und geschälte Bohnen gerne als Füllung für die traditionellen Klebreis-Knödel verwandt. Auf den Philippinen verkocht man die ganze Bohne zusammen mit Fleisch, Knoblauch, Zwiebeln und Lorbeerblättern. Einen Mungo-Teig verwendet man in Indien zur Herstellung von Andhra Pradesh, das ist eine Art Fladenbrot. Pongal ist ein weiteres Rezept der indischen Küche, das mit Reis und Mungobohnen ohne Haust hergestellt wird. Dort verzehrt man die Bohne auch gerne als Snack "Dal Motte". Die indonesische Küche kennt einen breiartigen Mungobohnennachtisch aus Bohnen, Zucker, Kokosmilch und Ingwer, der "Es Kacang Hijau" heißt. Der Verwendung der eiweißreichen Bohne sind also kaum Grenzen gesetzt, sie kann aber sogar noch mehr.

Glas- und Fadennudeln - Getrocknet und gemahlen

In Asien hat man es gelernt, sich die in den Bohnenkernen enthaltene Stärke zunutze zu machen. Die getrockneten und gemahlenen Samen dienen zur Glasnudel- beziehungsweise Fadennudelherstellung. Diese Nudeln sind zwar recht geschmacksneutral, eignen sich jedoch vorzüglich um das Aroma anderer Speisen aufzunehmen. In ganz Asien wandern diese zarten Nudeln in den Kochtopf, entweder kurzzeitig in Wasser eingeweicht und dann kleingeschnitten oder gerne auch frittiert. In Vietnam wird auch die durchscheinende Hülle der Frühlingsrollen aus Mungobohnenmehl gemacht.

Mungobohnen zubereiten

Frische Mungobohnen erhält man hierzulande kaum, und wenn dann als Konserve im Glas. Zubereitet werden sie dann ganz einfach, ähnlich wie Erbsen aus der Dose. Getrocknete ganze Mungobohnen, egal welcher Farbe, müssen zunächst einmal einige Stunden eingeweicht werden – dabei gewinnen sie durch Aufsaugen von Wasser deutlich an Größe. Das Einweichwasser darf nicht zum Kochen verwendet werden. Die Kochzeit beträgt ungefähr eine halbe Stunde. Hat man halbe Bohnen gekauft, können diese gleich gekocht werden – auch ungefähr eine halbe Stunde. Mungo-Sprossen brauchen eine ganz andere Behandlung. Zunächst sollten sie vor dem Verzehr gründlich abgespült (Ehec lässt grüßen) und dann blanchiert werden, denn sie enthalten Stoffe (Phasine), die gesundheitlich bedenklich sind.

Und zum Schluss – Handystrahlung beeinträchtigt Keimung

Kurioserweise gibt es eine ganze Reihe wissenschaftlicher Studien aus dem asiatischen Raum, die sich mit den Gefahren der Handystrahlung befassen – und dabei ist das Testobjekt –aus welchem Grunde auch immer – ausgerechnet der Mungobohnenkeim. Eine Studie (siehe Quellen) untersuchte die Wirkungen der Handystrahlung auf die Wurzelbildung von Mungobohnen und eine andere (siehe Quellen) die Wirkung von Handystrahlungsfeldern auf die Keimung und das Wachstum von Mungobohnen. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Handystrahlen die Keimung immerhin hinauszögerten.


Quellen und noch mehr rund um dieMungobohnen

  • Bendel, Lothar: Das große Lexikon der Früchte und Gemüse. Köln: Anaconda Verlag, 2008.
  • Pini, Udo: Das Gourmethandbuch. China: Tandem Verlag GmbH, 2007/2008.
  • Ausführlich Küche und Botanik - (zur Quelle)  (Link vom 29.02.2012)
  • Zu den Pflanzennamen - (zur Quelle) (engl.) (Link vom 29.02.2012)
  • Ausführlich zur Mungobohne und zu den Sojasprossen - (zur Quelle) (Link vom 29.02.2012)
  • Informativ für den Küchengebrauch - (zur Quelle) (Link vom 29.02.2012)
  • Zu den schwarzen Mungobohnen - (zur Quelle) (engl.) (Link vom 29.02.2012)
  • Sehr umfangreich zur Geschichte, Gesundheit und asiatischer Küche - (zur Quelle) (engl.) (Link vom 29.02.2012)
  • Ausführlich zu Anbau und Pflanzung - (Zur Quelle) (engl.) (Link vom 29.02.2012)
  • Studie zur Wurzelbildung - (zur Quelle) (engl.) (Link vom 29.02.2012)
  • Studie zu Keimung und Wachstum - (zur Quelle) (engl.) (Link vom 29.02.2012)

Redaktion: Ernestine Müller