Radieschen (Raphanus sativus var. sativus)

Das Radieschen wird auch Kleiner Rettich, Monatsräte oder Radies genannt. In anderen Sprachen heißt es petit radies oder radies roses (frz.), Radix (lat.), Ravanello (ital.), Redkvicka (tschech.), Small radish (engl.), редис (russ.) und auf griechisch ρεπανάκι.

Die kleine Knolle, die aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) stammt und oft fälschlicherweise den Wurzelgewächsen zugerechnet wird, ist in der Küche nicht besonders hoch geschätzt. Das mag daran liegen, dass sich nicht allzu viele Gerichte aus dem Minirettich zaubern lassen, aber schade ist es allemal, denn die Wirkstoffe sind gesund und angenehm herzhaft-scharf aufgrund der im Radies enthaltenden Senföle. Die häufige Verwechselung mit den Wurzelgewächsen mag ihren Grund darin haben, dass das Wort Radieschen, und auch die veraltete Bezeichnung Radies sich vom lateinischen Radix für Wurzel ableitet. Dabei ist die rote Knolle eigentlich ein oberirdisches Sprossknollengewächs. Eine andere fälschliche Annahme besagt, dass Radieschen stamme vom Rettich ab, wobei zumeist der weißhäutige Rettich gemeint ist. Aber auch das stimmt nicht, denn das Radieschen ist die Variante einer eigenständigen Rettichart, der des Schwarzen Rettichs.

Herkunft und Redensarten

So ganz geklärt ist die Herkunft der kleinen scharfen Knolle nicht. Man nimmt an, dass das Radieschen aus China und Japan stammt und seit dem 16. Jahrhundert in Europa bekannt ist – damals noch in weißer und länglicher Form. Die heutigen roten und runden Radieschen sind erst Ende des 18. Jahrhunderts durch französische und italienische Nachzüchtungen entstanden. Heute werden Radieschen – in verschiedenen Sorten – in Europa und den USA ganzjährige angebaut. Besonders liebt man das Gemüse übrigens in Frankreich, wobei das Verhältnis ein zwiespältiges sein muss: Zum einen hat man dort den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch in Europa, zum anderen verwendet man gern die Redewendung „Dumm wie ein Radieschen“. Aber immer noch besser auf diese spezielle Art dumm zu sein, als sich die „Radieschen von unten anzusehen“ wie man in Deutschland sagt.

Wie das Radieschen aussieht und wie es angebaut wird

Radieschen sind meist kleine, runde Knöllchen, mit leuchtend roter ins violette-pink schimmernder Außenhaut und weißem Innenleben. Ein gutes Radieschen hat eine pralle Haut, dann ist es saftig und wohlschmeckend aromatisch. Schon schwammig wirkende Radieschen sind innen oft hohl und holzig, dabei im Geschmack oft aromalos. Man kann zudem davon ausgehen, dass hier dem Wachstum mit Kunstdünger nachgeholfen wurde. Es gibt nicht nur das „rote, kugelrunde „ Radieschen, sondern verschiedene Variationen, von länglich bis oval und von gelb, rosafarben über rot weiß bis hin zu violett.

Radieschensorten

Zum einen kann man Radieschensorten nach Art der Anbaubedingungen unterscheiden. So schmecken Frühjahrsradieschen, die meist aus dem Gewächshaus kommen, eher mild, zart und saftig. Beliebte Frühjahrssorten sind Cyros, Neckarperle und Saxa. Sie werden jedoch schnell schwammig und haben dann einen pelzigen Geschmack. Sommerradieschen, die im Freiland wachsen durften, sind hingegen knackig und würzig-scharf. Bekannte Sorten für den Sommeranbau sind Raxe, Sora und Parat. Im gut sortierten Samenfachhandel findet man jedoch eine noch größere Vielfalt, so beispielsweise drei rote runde Sorten wie Würzburger, Parat und Cherry Bell, aber auch eine halbrote-weiße Sorte mit dem Namen Papageno sowie den Radieschen-Klassiker in weißer länglicher Form in der Sorte Eiszapfen. Auch Radieschensamen für gelbe Knollen lassen sich mittlerweile erwerben – wenngleich diese Sorte es noch nicht  in die Supermärkte geschafft haben.

Bio-Radieschen oder konventionelle Ware

In jedem Bio-Markt sind Bio-Radieschen im Angebot – zumeist rund dreimal so teuer wie die konventionelle Ware. Trotzdem sollte der Verbraucher hier nicht an falscher Stelle sparen, denn konventionell angebaute Radieschen gehören durch den hohen Einsatz von Düngemitteln zu den am stärksten mit Nitrat belasteten Lebensmitteln. Daher sollte in diesem Fall der Bio-Knolle der Vorrang gegeben werden.

Simpel - Radieschen Anbau

Man muss sich gar nicht bis in den Bio-Supermarkt bewegen, um ein unbelastetes Radieschen vernaschen zu können. Die knollenartigen Kreuzblütengewächse lassen sich nämlich ganz einfach selbst im kleinsten Gärtchen anbauen. Optimale Anbaubedingungen sind feuchte, sonnige Standorte mit Halbschatten mit tiefgründigem, lockerem, nahrhaften Lehmboden. Zu heiß mögen es die oberirdischen Sprossengewächse nicht – dann schießen sie ins Kraut, anstatt die Knolle auszubilden. Aussäen kann man von Februar/März bis in den August hinein, und da die Ernte schon drei bis sechs Wochen später möglich ist, ist es ein fast ein halbes Jahr lang möglich, eigene Radieschen zu ernten. Im Falle der Radieschen sollte man die Saatgutanleitung befolgen und nicht zu dicht säen, denn dann bilden sich tatsächlich nur Blätter und keine Knollen. Zudem gehören die scharfen Knöllchen nicht zwei Jahre hintereinander an dieselbe Stelle, machen dass aber dadurch wett, dass sie hervorragend für Mischkulturen geeignet sind, beispielsweise mit dem langsam wachsenden Kopfsalat. Das größte Problem beim Radieschenanbau sind wohl die Raupen des Kohlweißlings, die in Windeseile eine gesamte Kultur kahl fressen können. Da hilft zumeist nur noch Insektizid – ob dem Gärtner diese Radieschen dann noch schmecken, muss er für sich entscheiden. Entdeckt man viele kleine Löcher in den Blättern, stammen diese meistens von Erdflöhen – für diese Plage gilt oben Gesagtes gleichermaßen.

Was das Radieschen alles kann – Vom Wert der Knolle

Der große gesundheitliche Wert des (Bio)-Radieschen hat es bisher kaum in die öffentliche Wahrnehmung geschafft. Dabei wirken Radieschen (und die Samen) sogar antibakteriell und schwach antibiotisch. Die antibakterielle Wirkung geht von den Senfölen (Allyl-Senföl) aus, die erst auf der Zunge, dann am Gaumen und später im Magen und Darm ihre Wirkung entfalten. Zudem werden dem Radieschen sowohl aufhellende Eigenschaften (ob das wohl von der roten Farbe kommt?) als auch krebshemmende Eigenschaften nachgesagt. Radieschen sind im übrigens das kalorienärmste Wurzelgemüse.

Radieschen in der Küche

In der deutschen Küche beschränkt sich die Verwendung des Radieschens – leider – zumeist auf die Garnitur. Dabei macht sich das Radies auch sehr gut im Nizza-Salat und in anderen Rohkostkompositionen. Da sich die appetitliche rot-violette Farbe jedoch in Salatsauce schnell auflöst und sich dabei das weiße Fruchtfleisch in ein unappetitliches Grau-Rosa verwandelt, sollten Radieschen erst kurz vor dem Verzehr in den Salat. Zwar lassen Radieschen sich auch dünsten und zu Gemüse verarbeiten, aber die entstehende Hitze raubt der Knolle sowohl wertvolle Inhaltstoffe als auch das Rot der Außenhaut. Vielfältiger als die Knolle können die Radieschenblätter verwandt werden, die sowohl in Salat, Suppen, Gemüse und Sauen verarbeiten lassen. Vor der Verarbeitung sollte man die Blätter jedoch gründlich waschen, da sie meist sowohl mit Sand als auch mit Düngemitteln behaftet sind. Sehr lecker ist Radieschencremesüppchen aus Geflügelbrühe, Creme fraiche, Mehlschwitze, Muskat und gehackten Radieschenblättern. Garniert wird diese Suppe dann natürlich mit feinen Radieschenstreifen. Recht neu in der Küche ist der Verwendung von Radieschensprossen, die man sehr leicht zu Hause selber ziehen kann. Verwendet werden sie, wie andere Sprossen auch – beispielsweise in ein wenig Öl scharf angebraten – dann haben die Sprossen einen frischen, leicht nach Radieschen duftenden Geschmack. Bei so viel Radieschen in der Küche gilt aber wohl immer noch eines: am leckersten ist das Radieschen knackig frisch pur mit Butter und Salz eventuell auf Vollkornbrot genossen. Eine denkbare Variation dazu: Radieschen auf Eis serviert mit Salz, Pfeffer und einer Essigvinaigrette. Eine ganz moderne Variation zum Thema Radieschen ist das „geröstete Radieschen“, eine Zubereitung, bei der sowohl Knolle als Blatt in ungewohntem Aroma daherkommen. Und noch ausgefallener: Es gibt sogar „süße (karamelisierte) Radieschen“. Da sage noch einer, dem Radieschen fehle es an Vielfalt in der Küche!

Aufbewahrung

Radieschen bewahrt man am besten kühl und leicht feucht auf, dann lassen sie sich bis zu acht Tage lagern. Bevor sie in den Kühlschrank kommen, sollten die Blätter entfernt werden, um Wasserverluste zu vermeiden. Noch länger kann man die Sprossenknollen aufbewahren, wenn man sie mit den angeschnittenen Blättern nach unten in ein Wasserglas setzt. Welke Radieschen kann man auch wieder aufpeppen – einfach nur kurze Zeit in eiskaltes Wasser legen. Sogar einfrieren lässt das Radieschen sich, sollte aber in einem geschlossenen Gefäß aufgetaut werden. Und ganz lassen sich Verluste im Aussehen nach dem Auftauen nicht vermeiden.

Radieschensortenlatein – French Breakfast Radish

Tatsächlich haben Radieschen in anderen Küchen eine viel längere Tradition als in der Deutschen. Und so geheimnisvoll wie sie wie der Name vermuten lässt, sind die French Breakfast Radish (Französische Frühstücksradieschen) eigentlich nicht – dahinter verbirgt sich zunächst einmal nur eine bestimmte Radieschensorte – etwas länglich, mit weißer Spitze und ansonsten rot. Den Namen verdankt diese Sorte den Frühstücksgewohnheiten der Amerikaner im ausgehenden 18. Jahrhundert, die die French Breakfast Radish gerne zusammen mit Schinken, Kartoffeln, Rührei, Graham Brot, Kaffee und Schokolade zum Frühstück verspeisten.

Und zum Schluss – Radieschen – Literatur

Das knuffige rote Radieschen hat es sogar auf den Buchmarkt geschafft und ist der Star einer Kinderbuchserie, der Radieschen Bücher. Auch junge neue österreichische Literatur traut sich an das Radieschen heran und publiziert gleich „Radieschen Literatur“.



Quellen und noch mehr zum Radieschen


Redaktion: Ernestine Müller