Süßkartoffel, Batate (ipomoea batatas)

Die Herkunft der Süßkartoffel ist nicht genau bekannt, ihre Heimat ist auf jeden Fall der tropische Bereich Südamerikas. Schon seit vielen Jahrhunderten ist sie in einigen tropischen Gebieten ein Grundnahrungsmittel.

Schriftlich erwähnt wird die Batate in Europa erstmals im Jahre 1519, in einem Bericht des Weltreisendes Pigafetta (1480 – 1534). Schon zuvor war das Knollenwindengewächs (Convolvulaceae) nach Spanien gekommen, und hatte sich von dort aus, über die Kanaren, bis nach England verbreitet. Die Süßkartoffel erreichte Europa sogar noch vor der echten Kartoffel. Die große Ähnlichkeit in Herkunft und Aussehen der beiden unter der Erde wachsenden Knollengewächse hat übrigens zu den Namensähnlichkeiten beigetragen.

Die Batate ist auch als weiße Knolle oder Knollenwinde bekannt, in anderen Sprachen heißt sie: sweet potato (englisch), potato (spanish ), auf französisch Patate, Artichaut des Indes oder patate douce; auf spanisch batata, boniato oder camote, auf italienisch patata Americana oder patata dolce und auf niederländisch zoete aardappel.

Süßkartoffel oder Batate

Batate, Potato, Irish Potato und batata hispanorum

Der Name „Batate“, der sich auch im deutschen Raum als Bezeichnung für die Frucht eingebürgert hat, ist ursprünglich ein Ausdruck der karibischen Eingeborenen. Sogar die englische Bezeichnung für „Kartoffel“ – „potato“ ist von diesem südamerikanischen Ausdruck abgeleitet.

Ursache dieser Verwechslung, war die Tatsache, dass die Engländer die „batate“ früher als die „Kartoffel“ kennenlernten. Schuld daran trug wieder mal KOLUMBUS. Bei seiner zweiten Reise im Jahre 1493 beobachtete er auf der heute Puerto Rico genannten Insel, wie die Eingeborenen eine Knollenpflanze kultivierten, die sie „Batate“ nannten. KOLUMBUS ständig auf der Suche nach lagerungsfähigem, gesundem Schiffsproviant, ordnete an, dass all seine Fregatten in Zukunft Bataten mit sich führen sollten. Er ließ die Pflanzen auch gleich anbauen, im warmen Klima Spaniens, bei Huelva, Palos und Bayona. Schon im Jahre 1505 begann dort ein lokaler Handel mit der süßen Kartoffel. Bald führten alle christlichen Schiffskapitäne, die sich auf den Weltmeeren ihren Entdeckungsreisen, aber auch dem Sklavenhandel und der Piraterie widmeten, die Süßkartoffel als unentbehrlichen Proviant mit sich, denn die Frucht bot gleich zweierlei: zum einen sehr viele Kalorien und zum anderen war sie ein hervorragend geeignet, um dem gefürchteten Skorbut vorzubeugen. Aber nicht nur die Kapitäne schätzten die Knolle, als Delikatesse wurde sie bis nach England verschifft, und das lange, bevor man dort die eigentliche Kartoffel (Solanum tuberosum) kannte. Diese Kartoffel, die sie deutlich weniger schätzten, nannten die Engländer dann auch flugs „The Irish Potato“. Am Hofe von Elisabeth der Ersten haftete der Süßkartoffel, auch „batate hispanorum“(spanische Kartoffel) genannt, gar der Ruf an, ein Aphrodisiakum zu sein, was der „Irischen Kartoffel“ gewiss niemand nachsagen mochte.

Die Süßkartoffelpflanze

Die Bezeichnung ist Programm, diese Pflanze ist einige der wenigen, deren Wurzelfürchte von Natur einen süßlichen Geschmack aufweisen. Die Batate gehört zu den Windengewächsen (Convolvulaceae) und besitzt hübsche, trichterförmige Blüten. Ausgewachsene Pflanzen erreichen einige Meter Länge und liegen entweder auf der Erde auf, oder winden sich an anderen Gewächsen empor. Die gesamte Blattmasse bedeckt den Boden wie ein grüner Teppich, und lässt kaum Unkraut aufkommen, eine im Ackerbau recht wertvolle Eigenschaft!

Tropengewächs

Die Pflanze verträgt grundsätzlich keinen Frost, sondern benötigt zum Gedeihen richtig viel Wärme, nämlich eine durchschnittliche Tagestemperatur von 22 Grad Celsius, ganz anders als unsere Kartoffel, die mit viel geringeren Temperaturen auskommt. Schon bei 12 Grad Celsius stellt die Süßkartoffel ihr Wachstum ein, allerdings auch bei über 35 Grad. Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Kartoffeln: während bei der Kartoffel die eigentliche Knolle aus einem verdickten Stengelsproß entsteht, ist die Süßkartoffelknolle eine verdickte Wurzel. Aus diesem Grunde erfolgt die Vermehrung auch nicht durch das Auslegen von Knollen (wie es bei der Kartoffel der Fall ist), sondern durch Auspflanzen von Stengelteilen, grünen Trieben oder aus der Knolle gesprossenen Trieben.

Der Anbau

Zur Gewinnung von Pflanzgut werden rankende Stengel in ungefähr 30 Zentimeter lange Stücke zerschnitten und die Blätter entfernt. Diese Stücke werden dann einfach in die feuchte Erde gesteckt und bilden – wenn sie feucht gehalten werden – innerhalb kürzester Zeit kräftige Wurzeln. Danach überleben sie auch langanhaltende Trockenheit.

Die Batatenknolle

Die Knollen der Pflanze sind sehr länglich (sie können bis zu 3 Meter lang wachsen), spindelförmig, aber auch walzenförmig. Die Schale kann ein Farbspektrum von weiß- gelblich über rot-, braun-, orange-, bis hin zu purpurfarben annehmen. Es gibt auch gefleckte Knollen. Das Knollenfleisch ist wiederum verschiedenfarbig, ähnlich wie schon die Schale. Das Gewicht einzelner Früchte liegt zwischen 100 Gramm bis hin zu 5 Kilogramm. Die relativ glatte Schale weist immer einige Vertiefungen auf.

Die Süßkartoffel in der Küche

Süßkartoffeln haben, wie es ihr Name schon verrät, ein süßlich-mehliges Aroma, das aber auch bis hin zu kastanien-kürbisartigem Aroma variieren kann. Grundsätzlich kann man sagen: Je heller das Fruchtfleisch aussieht, umso trockener ist es – je dunkler, desto weicher, süßer und saftiger. Auch die Schalenfarbe verrät einiges über den Geschmack: braunschalige Bataten schmecken nach dem Kochen trockener als rotschalige, haben dafür aber eine lockerere Konsistenz.

Tipp: der süße Geschmack der Knolle kommt immer erst beim Kochen zum Tragen; je wärmer es die Knolle beim Wachsen hatte, desto süßer schmeckt sie.

Daumenregel Bataten-Arten

Es gibt eine große Vielfalt an Bataten-Arten, die man grob nach Knollenqualität einteilen kann:

  • Knollen mit überwiegend gelb gefärbtem Fruchtfleisch sind nach dem Kochen wenig süß, dafür trocken und mehlig.
  • Knollen mit weißem, gelben oder auch kräftig orangefarbenen Fruchtfleisch haben weicheres und süßeres Fleisch, die Konsistenz ist nach dem Kochen recht wässrig und erinnert etwas an Gelatine.
  • dann gibt es noch die große Gruppe der Industrie- und Futterbataten, hier wird ständig nach optimierten Sorten gesucht.

Weiße Bataten (auch: weiße Kartoffel)

Die „weiße Batate“ ist eine Züchtung aus Italien. Es handelt sich dabei um eine hellbraune Bataten-Sorte mit weißem, sehr mehligem Fruchtfleisch.

Kalorienhaltig und gesund

Alle Süßkartoffelarten sind sehr stärke-, zucker- und eiweißreich und gehören zu den Knollengewächsen mit relativ hohem Kalorienwert, dieser liegt bei circa 123 kcal/516 kJ je 100 Gramm. Dazu kommen hohe Gehalte an Kalium, Vitamin E (4mg/100g) und bei allen gelbfleischigen Sorten (die zumeist eine rote Schale haben) eine hoher Gehalt an Karotin bzw. Vitamin A.

Batate – ein chinesisches Grundnahrungsmittel

Bataten-Knollen sind in einigen tropischen Ländern, beispielsweise in China und Indonesien ein echtes Hauptnahrungsmittel. China ist mit jährlich 10 Millionen Tonnen der größte Süßkartoffelproduzent weltweit. Da, wo die Knollenfrucht ein Grundnahrungsmittel ist, wird sie auf die verschiedensten Arten zubereitet. Bataten werden in (fast) allen denkbaren Zubereitungen verzehrt: gekocht, gebraten, gegrillt,  entwässert, geröstet, geraspelt oder fein geschnitten, in ganzen Scheiben wie auch als Suppe, als Hauptgericht sowie als Beilage. Es gibt Bataten-Brei genauso wie auch Bataten-Chips. Im Gegensatz zur Maniokwurzel, ebenfalls eine in tropischen Ländern in großer Menge verzehrte Knollenfrucht, ist die Süßkartoffel frei von Giften und kann viel zuverlässiger gelagert werden. Lässt man Bataten gut ausreifen und die Außenschicht der Schale dabei verkorken, kann man sie viele Monate aufbewahren.

Batatenblätter als Gemüse und Viehfutter

In den tropischen Anbauländer wird nicht nur die Knolle verzehrt, es werden auch die Blätter genutzt – sie ergeben ein leckeres, eiweißreiches, spinatähnliches Gemüse – beliebt vor allem auf dem afrikanischen Kontinent. Andere Völker, andere Sitten: in Lateinamerika und Asien macht man sich den hohen Eiweißgehalt für das Vieh zunutze; so werden die abgeernteten Stängel häufig verfüttert, auch nach der Ernte werden Schweine über die Felder getrieben, um sich von liegengebliebenen Knollen und Grünzeug zu mästen.

Süßkartoffeln in der europäischen Küche

Hierzulande werden die Bataten zumeist wie Kartoffeln zubereitet, also geschält und dann gekocht, gebraten oder in Folie im Ofen gebacken. Besonders gut eignet sich die „süße“ Kartoffel als Beilage zu Fisch, Wild und Fleisch. Für den einheimischen Gaumen gefällig sind Aufläufe aus Süßkartoffelbrei, den man einfach nach Belieben würzt und mit etwas Sahne verfeinert und sodann im Ofen überbackt oder auch ein Omelette mit Süßkartoffeln. Zudem lässt sich die Knollenfrucht hervorragend zu Suppen, Saucen, Kartoffelpüree oder gar zu Nudeln verarbeiten, man kann sogar Brot daraus backen. Auch Süßspeisen, Marmelade sowie Torten sind machbar – die Grenzen der Verarbeitung setzt hier nur die Fantasie des Koches.

Süßkartoffeln zur Grillparty

Richtig delikat wird die Knolle, wenn man sie zunächst einsticht, dann mit Öl bestreicht, in Alufolie einwickelt und sie auf dem Grill oder in heißer Asche gart - es funktioniert jedoch auch im Backofen. Die gegarte Kartoffel wird nun längs aufgeschnitten, dann drückt man die Pulpe (dicke Fruchtfasern) auf, gibt Salz und Butter auf die Hälfte und löffelt das Ganze aus – einfach köstlich.

Süßkartoffeln kaufen und lagern

Vor gar nicht allzu langer Zeit, galt die Süßkartoffel noch als recht exotisches Gemüse. Mittlerweile hat sie jedoch scheinbar auch die „deutsche“ Küche erobert, denn sie ist heute das ganze Jahr über in (fast) jedem wohlsortierten Supermarkt erhältlich. Falls man sie dort einmal nicht findet, dann ganz sicher in asiatischen oder afrikanischen Lebensmittelgeschäften.

Lagern sollte man die Knollen sorgsam, vor allem dunkel, trocken und recht kühl, jedoch nie unter 5 Grad Celsius. Die Süßkartoffel verdirbt sehr viel schnelle als die „echte“ Kartoffel.

Und zum Schluss – Bataten-Steuer

Süßkartoffeln haben einen Stärkegehalt von über 5 GHT. Daher hat die EU beschlossen, dass sie nicht als Lebensmittel gelten, und Bataten von der für Lebensmittel geltenden niedrigen Besteuerung ausgenommen.

Süßkartoffel oder Batate


Quellen

  • Daßler, Ernst; Heitmann, Gisela: Obst und Gemüse Eine Warenkunde. Berlin und Hamburg: Paul Parey Verlag, 1991.
  • Bendel, Lothar: Das große Lexikon der Früchte und Gemüse. Köln: Anaconda Verlag, 2008.
  • Franke, Gunther (Hrsg.): Nutzpflanzen der Tropen und Subtropen. Bd.3 Spezieller Pflanzenanbau. Stuttgart: Verlag Eugen Ulmer
  • Brücher, Heinz: Die sieben Säulen der Welternährung Herkunft, Nutzung und Zukunft unserer wichtigsten Nährpflanzen. Frankfurt am Main: Waldemar Kramer Verlag, 1982.