Zuckerschote / Zuckererbse (pisum sativum var.saccharatum)

Die Zuckererbse ist die teuerste, jedoch wohlschmeckendste Erbsensorte. Die zarten, unreifen Hülsen und Samen schmecken angenehm süß, daher auch der Name. Auch Bezeichnungen wie Kaiserschote/ Kaisererbse; Königserbse; Süßschärfe sprechen für den delikaten Geschmack. Die Schweizer nennen das grüne Gemüse auch Kiefelerbse oder Kefe, die Engländer haben sich für ein schlichtes „pea pod“ entschieden und die Franzosen nennen sie „Pois mange-tout“, also „die Erbse, die man im Ganzen isst“- womit sie das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zu anderen Erbsenarten benennen.

Zuckerschoten

Der lateinische Name der Zuckererbse

Der botanische Name der Erbse „Pisum sativum“ stammt aus dem Lateinischen. Da Erbsenanbau in Südeuropa schon seit dem Neolithikum betrieben wird, handelt es sich bei dem Wort „Pisum“ um ein Lehnwort dessen Herkunft im Dunkeln liegt und das später mit dem germanischen Wort „Erbse“ übersetzt wurde. „Sativus“ bedeutet einfach nur „angepflanzt“, ebenfalls ein Verweis auf die lange Geschichte der Erbse als Nutzpflanze. Erbsen gehörten schon zu den Grundnahrungsmitteln der frühen Ackerbauern. Aber dabei hat sich sicher nicht um die Zuckererbse gehandelt, sondern eher um eine ihrer Erbsenverwandten.

Kleine Chronik der Erbsenarten

Sicher sehr wichtig für die Ackerbauern der Frühzeit war die Futter- oder Acker-Erbse (Pisum sativum arvense), die durch ihre rosa-purpurfarbenen Blüten besticht. Die nächste Gruppe sind die Speiseerbsen (Pisum sativum ssp. sativum) bei denen es wiederum drei Unterarten gibt: die Palerbsen (Pisum sativum var. sativum), die früh im Jahr gesät werden können und die recht kälteseniblen Markerbsen (Pisum sativum var. medullare), die ab April in den Boden kommen; als dritte treten die hier besprochenen Zuckererbsen (Pisum sativum var. Saccharatum) auf, die – ihr lateinisch Beiname verrät es schon – die süßesten unter den Erbsenarten sind.

Zuckererbsenarten

Zuckererbse ist nicht gleich Zuckererbse. Es werden (mindestens) drei Variationen unterschieden: Zum ersten ist die „Gemeine Zuckererbse“ zu nennen, deren Hülse keine Pergamentschicht aufweisen, was den Genuss besonders zart macht. Zum zweiten gibt es die Zuckerschwerterbse, bei dieser Sorte füllen die Samen die Schote nicht ganz aus, man hat also mehr Schote als Erbse. Die dritte Sorte ist die Zuckerbrecherbse, sie besticht mit besonders dicken Hülsenwänden.

Historisches zur süßen Schote

Man nimmt an, dass sich die Zuckererbse aus der Wilderbse (Pisum elatius) entwickelt hat. Nach Europa kam das süße Gemüse erst wohl erst im 16. Jahrhundert – aus Wilna in Litauen. Zumindest berichtet das ein Herr Lobel im Jahre 1926, der wiederum in einem Standardwerk, dem „Handbuch des allgemeinen Gemüseanbaus“ von Becker-Dillingen, zu diesem Sachverhalt zitiert wird – konkreteres ist über diese sehr eindeutige Herkunftsangabe leider nicht in Erfahrung zu bringen.

Die Zuckererbse in der Küche

Zuckererbsen kommen vor ihrer Reife auf den Teller, geerntet wird die Schote, wenn die in ihr enthaltenden Erbsen noch ganz klein und fein sind. Gegessen wird dann die gesamte Hülse inklusive der Samen in einem – auch roh schon sehr lecker.

Beste Qualität kommt aus frisch aus dem Garten

Zuckererbsen guter Qualität wird man im Supermarkt kaum erhalten, die Erbse sorgt dafür, dass sie nur frisch geerntet wirklich lecker ist. Zwar haben Zuckerschoten nicht die pergamentartige Innenschicht, die die Hüllen der anderen Erbsensorten ungenießbar macht, aber sofern sie geerntet werden, wird die Schale durch Nachreifung schlaff, mehlig und geschmacklos. Allerhöchsten zwei Tage kann das Gemüse gut gekühlt aufbewahrt werden – aber selbst dann sind deutliche Geschmackseinbußen hinzunehmen. Schon sechs bis acht Stunden nach der Ernte verlängert sich die Kochzeit um 5 bis 10 Minuten, parallel dazu verblasst der Gaumenkitzel erheblich.

Gesundes Gemüse

Die süßen Schoten gehören wie alle Hülsenfrüchte zu den sehr proteinreichen Gemüsen. Bedeutsam ist zudem der hohe Vitamin C Gehalt, sowie der hohe Gehalt an Vitaminen der B-Gruppe. Das Gemüse enthält Phosphor, Magnesium und Eisen in recht hoher Dosis.

Zubereitung – Weniger ist mehr

Zuckerschoten dürfen keinesfalls gekocht werden, das verdirbt das Gemüse vollständig! Für das Erbsengemüse sollte man am besten ganz flache Schoten wählen, in denen sich die Erbsenkörner gerade erst gebildet haben. Vor der Zubereitung müssen der Stielansatz und die Spitze der Schote abgeschnitten werden. Bei großen Schoten müssen die Fäden abgezogen werden, das ist etwas mühsam, empfiehlt sich aber auch bei den kleineren – das Ergebnis ist einfach feiner.

Nur Dünsten

Am besten gelingen die Schoten behutsam in ein wenig Butter gedünstet, dazu eine Prise Salz und einen Hauch Zucker. Eventuell wird noch mit einem Schluck Weißwein gewürzt. Der Feinschmeckergaumen wird erfreut, wenn das Gemüse zusätzlich mit ein paar frischen, grob zerkleinerten Kerbel-, Minz- oder Kopfsalatblättchen und saurer Sahne versetzt wird.

Mal ausprobieren – Kefelsalat

Eine typisch schweizerische Zubereitung für Zuckererbsen ist der Kefelsalat. Dabei werden die Schoten kurz gedünstet und sodann wie ein Salat mit Essig, Öl und Gewürzen angerichtet, ergänzt eventuell noch um etwas Radieschen und Möhre.

Und zum Schluss – Heinrich Heine und Musik zur Zuckerschote

Man mag es kaum glauben, die Zuckererbse gibt es auch schon als Musik-CD. Die Gruppe Liedstöckel (http://www.liedstoeckel.de/14510.html?*session*id*key*=*session*id*val*) hat eine CD mit dem süßen Titel „Zuckererbsen für jedermann“ herausgebracht, auf der nicht etwa sanfte Songs zum Mitswingen, sondern politische Lieder zu finden sind. So ist dann auch der Titelsong „Zuckererbsen für jedermann“ eine Neuvertonung von Heines Versepos „Deutschland – ein Wintermärchen“, das lange Zeit auf dem Index verbotener politischer Schriften stand.

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Quellen