Getreidesorten im Überblick

Unter dem Sammelbegriff „Getreide“ oder auch „Körnerfrüchte“ fasst man heute diejenigen Gräsersorten (Gramineae, Poaceae) zusammen, deren Körner dem Menschen und seinen Haustieren zur Ernährung dienen. Man kann Getreide nach wirtschaftlicher Bedeutung der Sorten ordnen, denn diese ist erheblich. So dienen die wichtigsten Körnerfruchtsorten, das wären Weizen (Triticum), Reis (Oryza) und Mais (Zea mays) weltweit als Grundnahrungsmittel. Auch Roggen (Secale cereale), Gerste (Hordeum vulgare), Hafer (Avena) und Dinkel (Triticum spelta) spielen zunehmend eine größere Rolle, was jedem auffällt, wenn er mal die Keks- aber auch Brotregale der Supermärkte begutachtet, denn zumindest dort findet man die beiden letztere Getreidesorten in vielfältiger Form verbacken, immer häufiger. Zwar bekannt, aber deutlich weniger häufig verspeist als früher, scheint die Hirse, oder korrekterweise, scheinen es die Hirsen zu sein, denn es gibt von gleich vier verschiedene Sorten (und noch etliche Untersorten): die Kolbenhirse (Pennisetum), die Rispenhirsen (Panicum und Setaria) sowie die Mohrenhirse (Sorghum).

Bisher sind folgende Getreidesorten im Küchenlexikon erfasst:

Amaranth gehört zu den Scheingetreiden und ist vor allem wegen der in ihm enthaltenen Aminosäure Lysin ein wertvolles Nahrungsmittel. Neben Europa ist es vor allem in Asien und Lateinamerika bekannt und beliebt.

Der gesunde Buchweizen ist in Europa seit dem Mittelalter bekannt, in Asien verwendet man ihn schon seit Jahrtausenden. Er kann zu verschiedenen Produkte und Gerichten wie Pfannkuchen verarbeitet werden.

Das Urkorn Dinkel ist ein Vorläufer des Weizens und wird wegen seines nussigen Aromas besonders in Schwaben geschätzt. Aus dem Getreide werden auch Produkte wie Mehl und Nudeln hergestellt.

Die Gerste gehört zu den frühesten von Menschenhand angebauten Getreiden, die schon zur Steinzeit verwendet wurde. In heutiger Zeit wird es hauptsächlich zum Bierbrauen genutzt.

Der Hafer wird seit dem Mittelalter kultiviert und gilt als die hochwertigste Getreideart. Er ist vor allem in Form von Haferflocken oder Haferbrei (in England als "porridge" bekannt) weit verbreitet.

Das nährstoffreiche Getreide Hirse ist nicht nur als Hirsebrei aus dem Märchen bekannt, sondern erobert auch immer mehr die deutsche und internationale Küche als Beilage und für Suppen und Grütze.

Mais ist das größte und ertragreichste Getreide, das zu vielen Produkten wie Popcorn, Polenta und Tortillas verarbeitet wird. Maiskolben als ganzes werden meist gegrillt, die Maiskörner passen zu vielen Hauptgerichten und Salaten.

Das gesunde Scheingetreide Quinoa oder Reismelde stammt aus Südamerika und kann gut als Beilage oder Brei serviert werden. Es gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt.

Reis

Reis gehört zu den sieben wichtigsten Getreidesorten der Welt und ist für mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung tägliche Nahrung. Mit über 7.000 Sorten gehört er außerdem zu den sortenreichsten Grundnahrungsmitteln.

Weizen ist das wichtigste Getreide weltweit, das zu einer Vielzahl von Produkten wie Kleie, Schrot, Stärke, Mehl, Backwaren und Nudeln sowie zu Kamut und Bulgur verarbeitet wird.

Weitere Körnerfrüchte

Es gibt noch weitere Körnerpflanzen, die ähnlich wie die Getreidepflanzen genutzt werden, jedoch botanisch nicht in die Familie Gräser gehören. Dazu gehören der Körneramaranth (Amaranthus) aus der Familie der Fuchschwanzgewächse, auch Inkaweizen genannt, wie auch der Buchweizen (Fagopyrum esculentum) dessen Körner eigentlich Nüsse sind, sowie die Ölfrucht Raps (Brassica napus), die aus der Familie der Kreuzblütengewächse stammt. Eine weitere Körnerfrucht, die weltweit genutzt wird und sich zudem zunehmender Beliebtheit erfreut, ist die Reismelde (Chenopodium quinoa).

Wirtschaftliche Bedeutung von Getreide

Der Anteil der Getreidesorten an der gesamten weltweit aufgenommenen Nahrungsmenge, gemessen in Joule oder in der Eiweißmenge, liegt bei fast 50 Prozent. Dabei geht der Direktverzehr von Getreide immer mehr zurück, dafür wird es aber umso häufiger für die Ernährung von Tieren eingesetzt, die ja dann zumeist auch wieder als Kalorienlieferant für die menschliche Ernährung genutzt werden. Trotz des Rückgang des Direktverzehrs werden immer noch 50 Prozent der gesamten Ernte, ohne Umweg über das Tierfutter, verzehrt, wobei es deutliche regionale, oder sollte man eher sagen, global-politische Gewichtungen, im Verzehr gibt. Denn in Industrieländern ernährt man sich nur noch zu 20 Prozent direkt von Getreide, in Entwicklungsländern hingegen zu 72 Prozent.

Schlechte Ernte 2010 - Getreide wird teurer

Getreide ist im Oktober 2010 bis zu 60 Prozent teurer als im Vorjahr, meldet Reuters. Ursache dafür sind schlechte Ernten, beispielsweise die Dürre in Russland, dem drittgrößten Getreideexporteur weltweit. Aber nicht nur Missernten beeinflussen die Getreidepreise. Großen Einfluss auf die Weltmarktpreise haben mittlerweile auch Index- und Pensionsfonds, die Agrarrohstoffe als Anlageklasse entdeckt haben, wie die Frankfurter Rundschau berichtet. Langfristig ist mit weiter steigenden Preisen zu rechnen, aus vielerlei Gründen, wie beispielsweise der ständig wachsenden Erdbevölkerung, steigendem Lebensstandard in den Entwicklungsentwicklungsländern, der Nutzung von Getreide zur Spritgewinnung, steigendem Fleischkonsum, und schon erwähnter Spekulationen. Für den Verbraucher in Deutschland ist davon im Moment wenig zu spüren, da der Einzelhandel aufgrund (ruinöser) Preiskämpfe die gestiegenen Großhandels-Getreidepreise nur in geringem Maß weitergibt.


Quellen und Literatur

  • Bericht der Weltbank zur Entwicklung der Getreidepreise -  zur Quelle
  • Brücher, Heinz: Die sieben Säulen der Welternährung Herkunft, Nutzung und Zukunft unserer wichtigsten Nährpflanzen. Frankfurt am Main: Waldemar Kramer Verlag, 1982.
  • Franke, Gunther (Hrsg.): Nutzpflanzen der Tropen und Subtropen. Bd.2 Spezieller Pflanzenanbau. Stuttgart: Verlag Eugen Ulmer.