Anis (Pimpinella anisum)


Anis – duftend und süß

Wer verspürt bei dem Wort Anis nicht sogleich den eigentümlichen Duft in der Nase und den süßlichen Geschmack auf der Zunge. Anis ist als Gewürz bekannt – gebraucht vor allem in den kulinarischen Spezialitäten zur Weihnachtszeit wie dem Weihnachtsgebäck und im bekannten und beliebten Lebkuchengewürz.

Anis ist im Volksmund unter vielen verschiedenen Namen bekannt. So nennt man es auch Brotsamen, süßer Kümmel oder runder Fenchel. Botanisch gehört die Pflanze zu den Doldenblütlern. Die Pflanze zeichnet sich durch einen harteh, behaarteh Stengel, petersilienähnliche, größere Blätter, weiß blühende Dolden und kleine, grünliche, ei- oder birnenförmige Früchte aus, die dem Fenchel ähnlich sehen, aber etwas kleiner sind. Der Geschmack und Geruch ist angenehm würzig, aromatisch-frisch, erinnert an Lakritze und Fenchel. Sternanis schmeckt und riecht wie der echte Anis, hat aber botanisch nichts mit ihm zu tun.

Wie auch Kreuzkümmel und Fenchel, ebenfalls Doldenblütler, kommt Anis im gesamten Mittelmeerraum vor. In den Tälern des türkischen Taurusgebirges erstrecken sich Anisfelder über viele Kilometer. Ursprünglich stammt der Anis vermutlich aus Vorderasien. Schon vor 3500 Jahren verwendeten die Chinesen ihn als Tee und Gewürz. Damit gehört Anis zu den ältesten Gewürzen der Welt und blickt auf eine lange Geschichte zurück. Die Römer verfeinerten Wein, Oliven und Brot mit dem Gewürz und im Mittelalter glaubte man, dass Anis die Potenz steigern würde. Auch heute noch sagt man ihm eine aphrodisierende Wirkung nach. Hippokrates sagte, dass Anis in keinem Garten fehlen dürfe.

Der typische Anisgeschmack, süßlich-scharf und an Lakritz erinnernd, kommt von seinen bräunlichen, hell gerippten Samen. Diese gibt es ganz oder gemahlen zu kaufen. In der Küche wird der Anis als Gewürz vielfältig gebraucht: Zum Würzen von Gebäck und Brot, Karotten oder Kürbis und fernöstlichen Fleisch- und Fischgerichten. Vor allem braucht man Anis bei der Herstellung von alkoholischen Getränken – von griechischen Ouzo, über türkischen Raki und bulgarischen Mastika, bis hin zum französischen Pernod.

Fein gemahlener Anis verliert schnell seine Würzkraft und sollte daher lieber frisch aus den Körnern gemahlen werden. Optimal aufbewahrt wird Anis in luftdichten Gefäßen.

Übrigens macht Anis schwer verdauliche Gerichte wie Sauerkraut und Krautsalat besser verdaulich und es korrigiert zu starken Salzgeschmack, zum Beispiel bei zu salzig eingelegten Gerichten.

Schon Pythagoras war von den Heilkräften des Anises überzeugt, und auch in den Schriften des Hippokrates findet Anis häufig Erwähnung. Anis scheint ein Wundermittel zu sein: er wirkt hustenstillend, entzündungshemmend und verdauungsfördernd, kann aber auch gegen Übergewicht, Übelkeit, Wechseljahresbeschwerden und Schlafstörungen eingesetzt werden. Auch in der Homöopathie zum Beispiel gegen Appetitlosigkeit und Durchfall sowie als Beruhigungsmittel angewendet. Wegen seiner antiseptischen Wirkung wird Anis sogar in Zahnpasta verwendet.

Man muss jedoch festhalten, dass gegen Blähungen der Kümmel und gegen Husten Fenchel wirksamer ist; jedoch schmeckt er am besten von allen drei Gewürzen, weshalb es ratsam ist, alle drei zu gleichen Teilen zu mischen (diese Mischung ist auch im Handel schon fertig erhältlich).


  • Rezept – Bauernbrot
    Bauernbrot nach diesem Rezept hat eine würzige Anisnote und schmeckt wunderbar mit deftigen Belägen.

Quellen und Weiterführendes

  • Buchman, Dian Dincin. Medizin aus der Natur : Kräuter, die ältesten und modernsten Hausmittel. München: Wilhelm Heyne Verlag, 1983.
  • Buss, Katharina; Der Nutzgarten im Blumentopf. Düsseldorf: ECON Taschenbuch Verlag GmbH, 1985.
  • Döring, Ilse: Kräutergarten und Gewürzküche. Otto Maier Verlag Ravensburg, 1982.
  • Gööck, Roland: Gewürze und Kräuter von A-Z. Frankfurt am Main: Fischer, 1974.
  • Linde, Günter und Erna: Von Anis bis Zimt: Kleine Gewürzfibel. Leipzig : Verlag für die Frau, 1978.
  • Pahlow, Mannfried: Das große Buch der Heilpflanzen. München: Gräfe und Unzer, 2001.
  • Renaud, Victor: Gemüse und Kräuter von A bis Z. Stuttgart: Ulmer, 2007.
  • Schunka, Antje: Raffiniert würzen leicht gemacht : die köstlichsten Kräuter und Gewürze. München: Gräfe und Unzer.
  • Schwarz, Aljoscha A. und Ronald P. Schweppe: Gewürzheilkunde: Die Geheimnisse von Anis, Galgant, Vanille und Co. Landsberg am Lech: mvg verlag, 1996.
  • Thauer, Brunhilde: Kräutergarten auf der Fensterbank. München: Wilhelm Heyne Verlag, 1983.

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