Anis - Namen und Synonyme


Der lateinische Name: Pimpinella anisum

Zumeist wird der Anis heute im Wissenschaft-Latein als "Pimpinella anisum" bezeichnet. Es finden sich jedoch etliche lateinische Synonyme, wie zum Beispiel "Anisum vulgare", "Anisum vulgaris", aber auch "Carum anisum", "Selinum Anisum".1 In der Pharmakologie heißt der Anis "Fructus Anisi".2 Das sind aber noch nicht alle Bezeichnungen, welche die Wissenschaft aufzubieten hat. Dazu gehören auch "Anisum officinarum", "Apium anisum", "Sison anisum" und schließlich ergänzt "Tragium anisum" den Reigen der Namen für den Anis.

Im römischen Latein hieß der Anis schlicht "Anesum". Aus diesem Wort wurde das "Anisum" des wissenschaftlichen Lateins. Die Pflanze hat ihren Namen vom altgriechischen Wort für Anis "anison [ἄνισον]" oder auch von "anneson [ἄννησον]" erhalten. Das eigentliche Ursprungswort ist jedoch das griechische Wort für Dill, der "aneton [ἄνητον]" genannt wurde. Die antiken Griechen unterschieden am Anfang nicht genau zwischen Anis und Dill. Erst als sie den Unterschied bemerkten wurde aus dem Wort "aneton", das anfangs beide Pflanzen bezeichnete, das Wort "anison" für den Anis.

"Anisum" ist im Prinzip der Vorname der Anispflanze, denn mit dem zweiten Wort im lateinischen Namen wird in der Botanik eine Pflanze ganz konkret benannt. Das erste Wort eines Pflanzennamens ist sozusagen der Nachname einer der Pflanze, weil es immer eine botanische Oberordnung benennt, zu welcher die Pflanze gehört. Das gilt auch für das Wort "Pimpinella", dem Nachnamen des Anises. Es stammt vom lateinischen Wort "bipinella" ab und ist eine botanische Bezeichnung für Pflanzen mit doppelt gefiederten Blättern.

Süßer Kümmel – Deutsche Volksnamen

Es gibt eine Vielfalt deutscher Volksnamen für Anis. Zumeist spielen sie auf die geschmackliche Ähnlichkeit der Pflanze mit Kümmel und Fenchel an, wie beispielsweise "Süßer Kümmel", "Römischer Fenchel", "Runder Fenchel" und "Süßer Fenchel".

Der veraltete Name "Brotsame" verweist auf den Gebrauch von Anis als Brotgewürz. Anisbrot war schon bei den alten Griechen recht beliebt.

Die Bezeichnung "Taubenanis" erzählt eine andere, etwas merkwürdige Geschichte: Tauben lieben nämlich den Anissamen sehr, schmiert man auf  ihren Schnabel jedoch etwas Anisöl, so sterben sie davon. Gibt man aber ein paar Tropfen Anisöl in den Taubenschlag, kehren sie gern dorthin zurück.3

Der im deutschen Raum häufig gebrauchte Name "Anisbibernelle" ist eigentlich eine eingedeutschte Variation des lateinischen "Anisum pimpinella", denn sowohl "bibernelle" wie auch "Pimpinella" sind aus dem lateinischen Wort "bipinella" entstanden.

Natürlich sind auch verschiedenste Schreibweisen des Namens Anis überliefert – die deutsche Schriftsprache ist ja bekanntlich recht wandelbar -  wie zum Beispiel Änis, Arnis, Enis und Aniss.

"Sternanis" ist übrigens kein Synonym für "Anisum pimpinella". Es handelt sich hierbei um eine Pflanze, die zu einer ganz anderen botanischen Familie gehört. Allerdings riecht und schmeckt der Sternanis ähnlich wie der echte Anis.

Anis in anderen Sprachen

Anis gehört zu den wenigen Gewürzen, bei dem sich der Pflanzenname in fast allen europäischen und auch in einigen nichteuropäischen Sprachen vom lateinischen Wort "anisum" ableiten lässt. Im Englischen, im Französischen, im Spanischen heißt das Gewürz wie im Deutschen auch ganz einfach "Anis". Dasselbe gilt für Norwegen, Kroatien, Finnland und Russland, nur wird in letzterem Land kyrillisch geschrieben, daher dort "анис". Selbst auf Farsi heißt es "anisun [انیسون]", die lateinische Wurzel ist deutlich zu erkennen. Sprachen, in denen die Übersetzung für Anis einen anderen Wortstamm als den lateinischen hat, haben zumeist kein eignes Wort für das Gewürz gebildet. So heißt Anis auf portugiesisch auch "Erva-doce". Das bedeutet "süße Pflanze" und wird außer für Anis auch für den Fenchel gebraucht.2


Quellen

  • 1Arrowsmith, Nancy: Herbarium Magicum: Das Buch der heilenden Kräuter [Book]. - Berlin : Ullstein Buchverlage GmbH, 2007.
  • 2Katzer, Gernot: Gewürzseiten: Anis (Pimpinella anisum) [Online]. - Zur Quelle.
  • 3Hochstetter, Christian Ferdinand: Populäre Botanik: Oder, fassliche Anleitung zur Kenntniss der Gewächse [Book] / ed. www.books.google.com. - [s.l.] : Löflund und Sohn, 1831. - Original von Harvard University.