Pimpinella Anisum in der Botanik


Der Anis und seine botanische Familie

Anis ist eine relativ kleine Pflanze aus der Familie der Doldenblütengewächse, die im Wissenschafts-Latein heute "Apiaceae" heißt, zuvor jedoch den Namen "Umbelliferae" führte. Die Familie der Doldenblütler hat ungefähr 3000 Mitglieder, darunter viele Nutzpflanzen. Zu ihr gehören die Gewürze Dill, Kerbel, Fenchel, Petersilie, Kümmel und auch der Koriander. Eine bekannte Gemüsepflanze in dieser Familie ist die Karotte.

Aber eine Pflanze wird in der Botanik ja nicht nur durch ihre Familie bestimmt, sie hat auch einen Stammbaum. Die nächsthöhere Stufe, nach der Familie, ist in der Botanik die Ordnung. Im Falle von Anis heißt die Ordnung "Apiales". In dieser Ordnung sind außer den Doldenblütlern auch viele Efeugewächse, deren lateinischer Familienname ist "Araliaceae”, zu Hause. Auf die botanische Ordnung folgt in der Hierarchie der Pflanzenbotanik die Klasse und diese ist für den Anis zuerst einmal nur eine Unterklasse, welche lateinisch "Rosidae" genannt wird. Die eigentliche Klasse heißt Magnoliopsida, das sind alle Einfurchenpollen-Zweikeimblättrigen Pflanzen Eine Stufe ist jetzt noch zu erklimmen, die letzte Hierarchieebene in der Botanik ist die der Abteilung. Im Falle von Anis ist es, wie sollte es auch anders sein, die der Samenpflanzen, Spermatophyta genannt.

Jetzt hat der Anis sich im Rahmen des botanischen Systems vorgestellt. Spannender ist sicher, wo und wie er wächst.1

Herkunft und Verbreitung der Anispflanze

Über einen wilden Anis, der der Ahn unserer Kulturpflanzen sein könnte, weiß man heute nichts mehr. Es ist nicht einmal gesichert, wo der Anis zuerst kultiviert wurde. Indizien sprechen dafür, dass die Heimat der Pflanze am ehesten Griechenland und/oder die Inseln der Ägäis sein könnten.2 Andere Quellen geben Ägypten als Ursprungsland für die weitere Verbreitung nach Europa an – erstaunlicherweise mit einem Umweg über Indien und den Orient.3

Heute wird der Anis vor allem in Spanien, Italien, der Türkei und den Gebieten der früheren Sowjetunion angebaut. Man pflanzt ihn jedoch auch in Mittel- und Südamerika an. Der Anis aus Spanien genießt den Ruf der Würzigste und Edelste zu sein.

Folgt man den Bericht der "Ökonomischen Enzyklopädie" von Dr. Johann Georg Krünitz wurde, so ungefähr um 1770 herum, der Anisbau in Deutschland in fast landwirtschaftlichem Maßstab betrieben. Der "Anis wird vornehmlich um Gotha und Erfurt, und in ganz Thüringen, wie auch im Fränkischen und Bambergischen, in großer Menge gezeuget, und werden von hier viele 100 Centner verkauft und abgeführet."4

Tabernaemontanus berichtet in seinem 1625 erschienen Kräuterbuch ebenfalls über ausgedehnten Anisanbau in Deutschland: "Heutiges Tags aber wächst er bei uns überflüssig, so dann man ihn denn am Rheinstrom in grosser Menge zieht; sonderlich aber in den Strassburgischen und Speyrischen Feldern, also dass wir ihn auch andern Nationen mittheilen (in andere Nationen exportieren) können."5

Im 18. Jahrhundert muss das Interesse am Anis in Deutschland - wie auch im gesamten Gebiet nördlich der Alpen -  nachgelassen haben. Vielleicht weil der Ernteerfolg zu stark wetterabhängig war? Neuerdings soll es jedoch wieder Versuche geben, Anis in Deutschland anzupflanzen und zu ernten.6

Anis - Botanische Beschreibung der Pflanze

Die Anispflanze hat eine einjährige, lange, weiße und zarte Wurzel. Die Blattstängel, die aus der Wurzel wachsen, sind rund, hohl, gerippt und verzweigen sich in viele Stängel. Anis kann prinzipiell bis zu einem Meter hoch werden, wird aber meist nicht höher als 50 cm. Anisblätter sehen nicht immer gleich aus, ihre Gestalt ist abhängig von dem Ort, an dem die Pflanze wächst. Grundsätzlich sind sie jedoch sehr schmal, etwas gezackt oder zerkerbt und haben eine frische grüne Farbe. Anisblätter ähneln ein wenig den Blättern der Petersilie, sind aber größer und runder. Vor allem ist ihr Geruch lieblicher als der von Petersilienblättern.

Die Anispflanze bildet nicht nur in Abhängigkeit vom Wuchsort unterschiedliche Blätter, auch die Blätter an einer Pflanze sind nicht alle gleich. Diejenigen die zuerst aus der Wurzel kommen, sind herzförmig, die direkt am Stängel sitzen sind geteilt und haben die schon beschriebene Ähnlichkeit mit der Petersilie, sind jedoch blasser als diese. Die obersten Blätter hingegen, ähneln denen des Dills.

Der Stängel der Pflanze verzweigt sich zu abgeflachten Doppeldolden mit kleinen weißen oder rosafarbenen Blüten. Jede Blüte besteht aus 5 kleinen Blättern, die eine runde und zurückgebogene Form haben. Die Blüten bringen später längliche, behaarte Früchte hervor, die beim Öffnen zwei graugrüne, jeweils zehnfach gerippte Samen preisgeben. Die Anissamen haben einen lieblichen, würzhaften, etwas scharfen Geschmack. Das innere Mark des Samens ist fast olivfarben. Man nennt den Samen "grüner Anis", um ihn vom Zuckerwerk zu unterscheiden, welches die Anisfrucht enthält und in Frankreich oft "Anis à la Rein" oder "Petit Anis de Verdun" genannt wird.

Die ganze Pflanze verströmt ein charakteristisches süßlich, würziges Aroma. Etliche giftige Kräuter ähneln dem Anis im Aussehen sehr, jedoch sollte der Geruch den die Anispflanze verströmt, ihrer Verwechselung mit den giftigen Kräutern vorbeugen.4, 7

Anis - Das Wachstum und die Ernte der Pflanze

Anis wird heute weltweit in den gemäßigten Klimazonen angebaut. Manchmal verwildert er, überlebt dann jedoch nur kurze Zeit, da es sich um eine einjährige Pflanze mit empfindlichen Samen handelt. Den besten Ruf genießt der in Spanien angebaute Anis.

Gesät wird der Anissamen im Frühjahr auf lockerem, leichtem Boden. Die Blütezeit liegt zwischen Mai und September. Im Juni treibt die Pflanze erste Blüten. Die Früchte sind dann zwischen August und September reif. Geerntet wird an sonnigen, trockenen Tagen, sobald der erste Tau verdunstet ist. Anis hat zwei Erntephasen. Zuerst werden nur die reifen Mitteldolden geschnitten und zur Weiterverarbeitung vorbereitet. Die zweite Ernte erfolgt, wenn der Großteil der Früchte eine dunklere Farbe annimmt und die Stängel sich langsam aufhellen. Jetzt werden alle Blattstängel, im Prinzip also die ganze Pflanze, direkt über dem Boden abgeschnitten. Genauso gut können sie mit der Hand ausgerissen werden. Mechanische Ernteverfahren beschädigen die Pflanze zu stark.

Sowohl die Mitteldolden, als auch die zweite Ernte, werden sofort auf Tücher gelegt und einige Tage in der Sonne getrocknet. Ist das Wetter zu feucht, kann auch nur in der Mittagssonne getrocknet werden. Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Anis in Bündel zu binden und diese an einem trockenen, luftigen Ort aufzuhängen. Sobald die Stängel und die Dolden richtig getrocknet sind, wird gedroschen, um die Samen vom Kraut zu trennen. Richtig getrocknete Anisfrüchte sind grau oder hellbraun und glänzen ein wenig.

Die Spreu, die immer noch viele unvollkommene Körner enthält, wird für die Gewinnung von Anisöl genutzt. Früher wurde die Spreu auch gern an Pferde verfüttert. Auch zum Heizen nahm man die Pflanzenreste gerne, da sie eine starke Flamme ergeben. Vielleicht sollte heutzutage jemand den Versuch wagen, Anisöl als alternative Energiequelle zu erschließen?

Der geerntete Anissamen ist für nachfolgende Aussaaten nur drei Jahre haltbar. Beachtet werden muss, dass einmal geernteter Samen nur noch ein einziges Mal ausgesät werden kann. Die Samen, welche die zweite Aussaat erbringt, sind nur noch für den Verzehr, jedoch nicht mehr zu Saatzwecken geeignet.

Anis sollte immer im Wechsel mit anderen Pflanzen angebaut werden und nie länger als drei Jahre an demselben Standort.4, 7

Tipps für den Anisanbau im eigenen Garten

Es wurde schon erwähnt, dass der Anis gedeiht auch in Deutschland gedeiht. Es ist nicht einfach, ihn hier anzubauen und es lohnt vielleicht die Mühe nicht, in Anbetracht des geringen Preises für guten spanischen Anis. Diese Entscheidung sollte jedoch dem Gärtner überlassen bleiben. Weihnachtsplätzchen, gewürzt mit Anis aus dem eigenen Garten, sind sicher eine ganz besondere Versuchung.

Das größte Problem für den deutschen Gärtner ist das Wetter. Ist es zu kalt oder zu feucht, kann der Anissamen nicht ausreifen und die Pflanze beginnt zu faulen.

Das Wetter ist nicht zu beeinflussen, der Standort im Garten hingegen schon. Der Boden für die Aussaat muss schon im Herbst vorbereitet werden, in einer Frühjahrfurche geht der Samen nicht auf. Anis gedeiht am besten auf lockeren, gut durchlüfteten Boden, der mit Humus und Kalk angereichert ist. Die Pflanze benötigt einen warmen Standort, mit einer gewissen Luftfeuchtigkeit und muss vor Dürre, brennender Sonne und Nordwinden geschützt sein. Sehr gut bekommt dem Anis der Schutz einer Hecke. Es empfiehlt sich, Anis nur sehr dünn an die Ränder von Beeten zu säen, er gedeiht so besser. Die Anissamen benötigt vier bis sechs Wochen, um zu keimen.

Damit die Pflanze mehr Zeit zum Reifen hat, können die Samen zwischen Februar und Mai in Torftöpfen unter Glas ausgesät werden. Wenn die letzte Frostgefahr vorbei ist, können die Töpfe nach draußen verpflanzt werden.

Hat man im Garten ausgesät, muss der Samen ständig feucht gehalten werden. Erscheinen nach vier Wochen die ersten Pflanzen, müssen diese auf einen Abstand von 8 bis 10 cm verdünnt werden. Die Anispflanze hat keine Kraft gegen Unkraut, daher muss dieses regelmäßig gejätet werden.

Sehr empfehlenswert ist es, den Anis mit Möhrensamen vermischt auszusäen. Man könnte auch Mohn- oder Pastinakensamen dafür nehmen. Spielt das Wetter nämlich nicht mit, gibt es kalten Regen oder viel Nebel, hat man zwar keinen Anis, kann jedoch zumindest noch Möhren ernten. Da Anis kein starker Samen ist, müssen für diese Aussaat fünf Teile Anissamen mit einem Teil Möhrensamen gemischt werden. Ist das Wetter gut, bekommt man durch dieses Vorgehen beides, den Anis und die Möhre. Da die Mohrrübe nämlich erst viel später reift, stehen die Pflanzen in keiner Konkurrenz zueinander und vertragen sich sehr gut in einem Beet.

Das Vorgehen bei der Ernte und der Erntezeitpunkt sind im Garten genauso wie beim landwirtschaftlichen Anbau zu handhaben.

Jedoch ist nicht nur das Wetter ein bedrohlicher Faktor beim Anisanbau, die Pflanze hat zwei große Feinde: Das sind die Maden der Anismotte und die "Rote Lohe". Die "Rote Lohe" meint nichts weiter, als das Rotwerden und Faulen der Körner bei beginnender Reife, ausgelöst durch Pilze. Erscheint diese Krankheit, hilft nur noch sofortiges Ausreißen und Trocknen der Pflanzen, will man noch etwas retten. Gegen die Maden der Anismotte gibt es nur ein wirklich wirksames Mittel. Das ist das Aussäen von Saatgut, das schon drei Jahre gelagert hat, denn die Maden der Anismotte haben nur einen zweijährigen Lebenszyklus. Zwar geht dieser Samen nicht mehr so gut auf, jedoch hat man sicher keine Maden.

Der Anis verlangt dem Gärtner also etliches an Entscheidung ab und der Ernteerfolg ist, trotz aller Bemühungen, nie sicher. Folgt man im Garten jedoch den hier gegebenen Hinweisen, kann man auf jeden Fall Mohrrüben oder Pastinaken ernten. Vielleicht gedeiht der Anis dann im darauffolgenden Jahr.4, 7

Nutzung der Anispflanze

Die Anisfrucht

Genutzt werden die ganzen Früchte der Anispflanze, im allgemeinen Anissamen genannt. Das ist botanisch natürlich nicht ganz korrekt, stecken die Samen doch in der Frucht und werden auch nicht für Nutzungszwecke von dort entfernt. Die Anisfrucht wird als Gewürz in der Küche genutzt. Die Pflanze spielt jedoch auch eine bedeutende Rolle in der Heilkunde und in der Medizin. Sehr vielfältig wird Anis bei der Likörprodukion verwendet. Er ist in französischen Anisette, und Pastis, rumänischen Mistrà, italienischen Sambuca, griechischen Ouza, Allasch, türkischem Raki, deutschen Mannheimerwasser und zahlreichen anderen Getränken enthalten. Sogar Weißbier wird manchmal mit Anis gewürzt. Im Mittelalter waren Aniswein und Anisbier sehr beliebte Getränke, diese Tatsache erklärt sicher auch, warum Anisanbau zu dieser Zeit auch in Deutschland üblich gewesen ist.1, 7

Das Anisöl

Im Anisöl ist das Aroma der Pflanze höher konzentriert als in der Frucht. Gewonnen wird das ätherische Anisöl durch Wasser-Destillation der Samen oder des Spreus. Die Ausbeute liegt bei ungefähr zwei Prozent. Das Öl ist farblos und hell. Es riecht und schmeckt wie Anis. In Alkohol oder Äther ist Anisöl sehr gut löslich, in Wasser hingegen kaum. Verwendung findet das Öl der Anispflanze hauptsächlich bei der Likörproduktion, sowie in Medizin und Heilkunde.


Quellen

  • 1Katzer, Gernot: Gewürzseiten: Anis (Pimpinella anisum) [Online]. - Zur Quelle.
  • 2Küster, Hans Jörg: Wo der Pfeffer wächst - Ein Lexikon zur Kulturgeschichte der Gewürze [Book]. - München : C. H. Beckschen Verlagsbuchhandlung, 1987.
  • 3Schwarz, Aljoscha A. und Ronald P. Schweppe: Gewürzheilkunde: Die Geheimnisse von Anis, Galgant, Vanille und Co [Book]. - Landsberg am Lech : mvg verlag, 1996.
  • 4Krünitz, Dr. Johann Georg: Krünitz online - Oeconomischen Encyclopädie 1773 bis 1858 [Online]. - Zur Quelle.
  • 5Tabernaemontanus, Jacobus Theodorus: KRÄUTERBUCH VON Anno 1625 [Online]. - Zur Quelle.
  • 6Linde, Günter und Erna: Von Anis bis Zimt: Kleine Gewürzfibel [Book]. - Leipzig : Verlag für die Frau, 1978.
  • 7Arrowsmith, Nancy: Herbarium Magicum: Das Buch der heilenden Kräuter [Book]. - Berlin : Ullstein Buchverlage GmbH, 2007.