Geschichte des Knoblauchs


VORZEIT

Der Knoblauch gehört  - neben dem Getreide - zu den ersten Kulturpflanzen der Menschheit. Die Menschen mit dem Anbau als sie von Jägern und Sammlern zu Ackerbauern und Viehzüchtern wurden. Die älteste schriftliche Erwähnung stammt aus den Tontafelarchiven der babylonischen Könige. Daraus lässt sich schließen, dass die Knolle schon um 2000 v. Chr. nicht nur vom einfachen Volk verzehrt wurde. Sie wurde sogar tonnenweise für die königliche Tafel geliefert.1

ALTES ÄGYPTEN

Im alten Ägypten war Knoblauch sehr beliebt. Die Ägypter hinterließen im sogenannten Ebers-Codex, einem Papyrus aus der Zeit um 1550 vor Christus, erstes Wissen über die Heilkraft der Pflanze. Das Ausbleiben der Knoblauchlieferungen war für die Arbeiter, die an der Cheopspyramide bauten, der Grund für den ersten bezeugten Streik in der Geschichte.1

DIE JUDEN

Die Juden übernahmen den Knoblauch von den Ägyptern. Er wird schon von Mose (1600 v. Chr. 4. Buch Mose) erwähnt. Die jüdische Bevölkerung hielt dem "Knoblauchkult" durch alle Zeiten - in Gefangenschaft und während der Vertreibungen - die Treue und trug so zu seiner weltweiten Verbreitung bei. Der Talmud sagt über den Knoblauch: Er sättigt, vermehrt das Sperma, treibt Würmer aus und nach dem Verzehr strahle das ganze Gesicht.2

ANTIKES GRIECHENLAND

Scorodalmae hieß die berühmte Knoblauchsuppe in Griechenland, die jedoch von den höheren Schichten verachtet wurde. Hier zeigt sich zum ersten Mal die Ablehnung der Pflanze - wegen ihres Geruchs - bei wachsendem Wohlstand, die sich weiter durch die Zeiten zieht. Die Reichen haben seine Kräfte nicht so nötig, da ihnen auch weniger stark riechenden Mittel zur Verfügung standen. Erwähnung findet die Pflanze bei vielen Künstlern und den meisten Wissenschaftlern der Antike. Hippokratès (460-385 v. Chr.) und Hèrodotos (490-430 n. Chr.) preisen seine Heilwirkungen. Aristofanès, der große Komödienautor, geißelt mit scharfem Witz seine große Beliebtheit bei der Landbevölkerung und der berühmte Pythagoras (580-550 v. Chr.) hält den Knoblauch gar für den König der Gewürze.2

ROM

Die Römer übernahmen den Knoblauh von den Griechen und nannten ihn alliinae. Es gab regelrechte Knoblauchessen die "alliatum" hießen. Auch hier wurde er von den Reichen verachtet. Alle überlieferten Wissenschaftler widmeten der Pflanze Aufmerksamkeit: Plinius Sec., G. (23-79 n. Chr.) empfiehlt ihn gegen Schlangenbisse; Dioskurides (0-100 n. Chr.) beschreibt in seiner "Materia Medica" Heilwirkungen von gleich  vier verschiedene Arten der Gattung Allium. Galènos Klaudios (130-199 n. Chr.) dessen "Materia Medica" für die nächsten 900 Jahre die Grundlage der westlichen, aber auch arabischen Medizin wurde, fasst wesentliche Heilwirkungen zusammen und nennt den Knoblauch das Allheilmittel der Bauern. In Rom waren der Pflanze spezielle Gärten, allinare genannt, gewidmet. Vor den Gladiatorenkämpfen stärkten sich die Kämpfenden mit dem Verzehr von großen Mengen Knoblauchzehen.

EUROPA

Sicher war die Pflanze auch schon im Europa der Jungsteinzeit bekannt, jedoch wird angenommen, dass ihre Kultivierung erst von den Römern übernommen wurde. Möglich ist auch, dass die Knolle ihren Weg aus ihrer ursprünglichen Heimat, den Kaukasusgebieten, nach Westeuropa gefunden hat. Um seine Verbreitung haben sich im Mittelalter besonders die Benediktinerklöster verdient gemacht, in deren Gärten der Knoblauch angebaut wurde. In der "Capitulare de villis" von Karl dem Grossen (768-814) wird der Anbau des Knoblauchs angeordnet. Das zu dieser Zeit erschiene "Breviarium rerum fiscalium" beschreibt die Nutzung als Gewürz und Arznei. Die Klassiker der mittelalterliche Heilkunde Hildegard von Bingen (1098-1179) und Albertus Magnus (1200 - 1280) widmen der Pflanze breiten Raum in ihren Werken. Paracelsus (1493-1541) empfiehlt Anwendungen mit Knoblauch gegen die Pest.2

Nicht zu übersehen ist in Europa das Nord-Südgefälle im Knoblauchgebrauch. Während die Nordeuropäer heute noch vor seinem Geruch zurückschrecken, die Pflanze auch in der Vergangenheit weniger nutzten, feiert man in Spanien bis heute  Knoblaucherntefeste. In Frankreich ließ sich der König Henri IV. (1553-1610 n. Chr.) mit dem Öl bestreichen, um gegen Bösheit und Krankheiten geschützt zu sein. In der italiensichen Küche ist Knoblauch legendär. Die engste Beziehung zum Knoblauch hatte jedoch Osteuropa.

DIE SLAWEN

Archäologische Funde beweisen die Beliebtheit der Knolle bei den Slawen im Mittelalter. In späterer Zeit beschwerten sich zahlreiche westeuropäischen Diplomaten über den Knoblauchgeruch am Hof der russischen Zaren. Bis heute wird das "russische Penicillin" in Osteuropa als Heilmittel und Gewürz genutzt: es gibt unzählige Anwendungen und Rezepte. Bilder zufriedener alter Bauern, deren Heimat der Balkan ist, sind zum weltweiten Werbebild für den Knoblauch schlechthin geworden.


Quellen

  • 1Zeller, Alfred P.: Knoblauch ist gesund und schmeckt: Das ideale Heilmittel und Gewürz für die gesunde und schmackhafte Küche [Book]. - München und Zürich : Delphin Verlag, 1986.
  • 2Konvička Oldřich: Knoblauch (Allium sativum L.) [Book]. - [s.l.] : Konvička - Olomouc, Buchholz.