Pfeffer in der Geschichte


Historisch gesehen hat Pfeffer, obwohl er im Vergleich zum Salz, für die Ernährung des Menschen nicht nötig ist, eine überragende wirtschaftsprägende Rolle gespielt.

Die Heimat der Pfefferpflanze ist Indien, vor allem die südwestindische Malabar-Küste, wo der Pfeffer-Anbau die längste Tradition hat. Lange vor der Zeitenwende, wohl 2000 vor Christus, war Pfeffer in Indien bekannt, wurde kultiviert und als Gewürz gebraucht. Im vierten Jahrhundert vor Christus lernten die Krieger Alexander des Großen auf ihren Feldzügen den Pfeffer kennen und brauchten ihn mit nach Europa, wo er sehr schnell bekannt und ausgesprochen begehrt war.

Über Jahrhunderte hinweg etablierte sich ein reger Pfefferhandel, der zu der wichtigsten ständigen Verbindung zwischen Europa und Asien avancierte. Der Handel mit dem Gewürz lag jedoch in orientalischer Hand. Die zentralen Umschlagplätze für den sehr profitablen Gewürzhandel waren die südarabischen Küstenstriche und Alexandria in Ägypten, darauf folgten zunächst Rom, später Venedig und Genua. Im Mittelalter gelangten auch Augsburg und Nürnberg zu ihrer Bedeutung und ihrem Reichtum durch den Pfefferhandel. Warum war das exotische Gewürz so begehrt? Sicher, der Pfeffer ist ein Erlebnis für die Geschmacksnerven, aber den eigentliche Grund für die hohe Wertschätzung nennt wohl Gargantua:

"Über ein stinkend Fleisch macht man (…) gern ein (…) Pfeffer."

Pfeffer hat sowohl konservierende, als auch keimtötende Eigenschaften, in Zeiten ohne Kühlschrank ein bedeutender Vorzug. So wurde der Pfeffer schon in römischen Zeiten das meistgenutzte Gewürz. Er wird im bekanntesten römischen Kochbuch, dem Apicius-Kochbuch, für fast alle salzigen Speisen erwähnt. Im alten Rom standen riesige Pfefferspeicher, jedoch war das Gewürz der langen Transportwege wegen so kostbar, dass die Pfefferkörner einzeln gehandelt wurden.

Nach dem Zerfall des Römischen Reiches übernahmen die Venezianer und Genuesen den Handel mit dem Pfeffer. Der Gewürzhandel bescherte diesen Städten, zusammen mit dem Salzhandel, unermesslichen Reichtum.

Im Mittelalter blieb Pfeffer das wichtigste Gewürz, aber nur die Allerreichsten konnten ihn sich leisten, dann jedoch in großen Mengen. Bei der Hochzeit des Herzogs Karl des Kühnen von Burgund kamen 380 Pfund der Kostbarkeit auf die Tafeln. Die Augsburger und Nürnberger Kaufleute, die den Pfeffer auf Maultieren über die Alpen brachten, verkauften ihn mit 600-prozentigem Aufschlag. Aus dieser Zeit stammt die Bezeichnung "Pfeffersäcke" als Ausdruck für Kaufleute, deren Reichtum auf Wucher beruht.

Die hohen Preise erzeugten ein großes Interesse an Ersatzpfeffer. Es entstanden alle denkbaren Arten von Fälschungen, aber auch echte Pfeffersorten wie der "lange Pfeffer", der "Kueben-Pfeffer", und der "spanische Pfeffer", eigentlich Paprika, fanden als preiswerterer Pfefferersatz ihren Platz auf dem Markt.

Die europäischen Staaten hatten ein wachsendes Interesse den Pfefferhandel selbst in die Hand zu nehmen, um den Wucherpreisen der "Pfeffersäcke" zu entgehen, jedoch auch, um an dem kostbaren Gewürz zu verdienen. So begann man sich in Europa immer stärker für das Land "wo der Pfeffer wächst" - diese Redewendung entstand wohl um 1500 - zu interessieren, da, für uns heute kaum vorstellbar, man in Europa tatsächlich nicht wusste, woher der Pfeffer kam. Den Pfefferhandel in die Hand zu bekommen wurde daher zu einem der wichtigsten Beweggründe für Entdeckungsreisen. Zu dieser Zeit hatten der Venezianer Marco Polo und wenige andere Reisende erste, oft beschönigte Beschreibungen, der Herkunftsländer des Pfeffers geliefert.

Erst als die Portugiesen Südafrika umsegelt hatten, erhielt Europa Kunde von dem in Ostindien wachsenden Pfefferstrauch. Der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama war wohl der Erste, der ganze Schiffsladungen Pfeffer und anderer Gewürze direkt nach Portugal brachte. Unter Umgehung der arabischen Zwischenhändler kam es nun zu einer wilden Jagd nach der Herrschaft, bzw. dem Handelsmonopol über das dem begehrten Gewürz. Zuerst kam Lissabon zu Ruhm und Reichtum. Später gelangte der Gewürzhandel in die Hände der Holländer und Engländer, danach bereicherten sich Amsterdam und London an dem Luxusgut. Die Bedeutung der orientalischen Häfen sank beständig und Venedig, reich geworden durch Salz und Gewürze, wurde die wirtschaftlich wenig bedeutsame Lagunenstadt, als die wir sie heute kennen.

Der Pfefferhandel nahm in den letzten Jahrhunderten an Umfang deutlich zu. Die sicheren und einfacheren Transportwege, der Kolonialismus und Änderungen in den europäischen Küchenmoden Europas führten zu einem drastischen Preisverfall. Handel und Verdienst lag in den Händen der Europäer und die kaum bezahlte Arbeit mit dem anfälligen Gewürz wurde in Asien geleistet.

Schon im letzten Jahrhundert konnte sich jeder Mitteleuropäer Pfeffer leisten. Heute findet sich eine Pfeffermühle in fast jedem Haus und in jedem guten Restaurant sowieso. Pfeffer ist heute nur eines unter vielen anderen exotischen Gewürzen, oft ausgesprochen fantasielos und einseitig genutzt und scheinbar von geringem Wert. Jedoch, dem roten echten Pfeffer haftet auch heute immer noch die Exklusivität und Kostbarkeit an, die in früheren Zeiten jedes einzelne Pfefferkorn besaß.1


Quellen

  • 1Küster, Hans Jörg: Wo der Pfeffer wächst - Ein Lexikon zur Kulturgeschichte der Gewürze [Book]. - München : C. H. Beckschen Verlagsbuchhandlung, 1987.