Redewendungen und ein Streifzug durch die Literatur


Pfeffer - Redewendungen

Etliche Redewendungen der deutschen Sprache verweisen auf die lange Geschichte des Pfeffers: Ein Problem ist dort, "wo der Hase im Pfeffer liegt". Wenn wir jemanden weit weg wünschen dann dorthin "wo der Pfeffer wächst". Etwas ist wie "Pfeffer und Salz", wenn es stark miteinander verbunden ist. "Reich mir das Salz, dann werde ich dir den Pfeffer reichen", verweist auf ein Beziehungsmuster, dass wir heute wohl am ehesten als erfolgreiches "networking" bezeichnen würden.

Pfeffer - Ein Streifzug durch die Literatur

Pfeffer und Wein

Wenig bekannt ist, dass alkoholische Getränke, Wein und Schnaps schon im Mittelalter mit Pfeffer gewürzt wurden. Ein Rezept nennt Julius Wolff im "Rattenfänger von Hameln":

"Riß vom Schaff ein Maygollin,
Füllt' es schnell mit starkem Würzwein,
Der mit Pfeffer, Zimt und Näglein
Und Muskatnuß auch versetzt war,
Hielt's der Alten an die Lippen
Und sprach: »Schlucke, liebe Alte,
Stärke dich und dann erzähle.«"
1

Eine Mischung aus Spiritus und Pfeffer, von der Grigori wohl zwei Wassergläser trank beschreibt Fjodor Dostojewski im Roman "Die Brüder Karamasow":

»Nur Salbei? Erinnern Sie sich nicht an noch etwas?«/»Wegerich war auch drin.«/»Vielleicht auch Pfeffer?« erkundigte sich Fetjukowitsch interessiert./»Ja, auch Pfeffer.«/»Und so weiter. Und das alles in Branntwein?«/»Nein, in Spiritus.«2

Im Roman "Nana" von Emil Zola trinkt der Herr Foucarmont auf seiner Reise nach Havanna ein ähnlich starkes Gebräu, allerdings wohl ohne davon betrunken zu werden. Auch wird es sich bei der Beere wohl eher um eine Chilifrucht als um den echtern Pfeffer gehandelt haben.

»in der Habana bereitet man aus einer wilden Beere Branntwein; wenn man den Saft an die Lippen führt, so meint man, Feuer zu verschlingen. Nun, an einem Abend habe ich mehr als einen Liter davon getrunken, und es hat mir nichts geschadet … An einem anderen Tage brauten uns die Wilden an der Coromandelküste noch ein viel stärkeres Gemisch von Pfeffer und Vitriol; auch dies hat mir nichts getan …. Ich kann nun einmal nicht betrunken werden.«3

Heinrich Zschokke faßt mögliche Beimischungen zum Branntwein, von denen der Pfeffer wohl noch die harmloseste war, knapp und präzise im Buch "Die Branntweinpest" zusammen:

"Häufig werden dem Branntewein auch Alaun und Bleiauflösung zugemischt; oder Kirschlorbeerblätter, Pfeffer, bittere Mandeln und andere aufreizende oder betäubende Mittel. Daher zum Theil sind die verderblichen Wirkungen der gebrannten Wasser nicht bei allen Trinkern gleich."4

Pfeffers und die Entdeckungsreisenden

Schon in den "Geschichten aus Tausend und einer Nacht" wird der Pfeffer beschrieben. Sindbad der Seefahrer entdeckt ihn auf seiner fünften Reise:

"Ich vertauschte meine Nüsse gegen Gewürznelken und Pfeffer und sah mir den Pfefferbaum an, von dem man mir sagte, er trage große Büschel, und neben jedem Büschel wachse ein großes Blatt, das ihn beschatte und gegen Regen schütze, und wenn er aufhört, sich wieder nach unten wende."5

Während der "Reise um die Welt in 80 Tagen",aufgeschrieben von Jule Verne, wird der reife rote Pfeffer auf Indiens Plantagen besichtigt:

"Die Locomotive, durch den Arm eines englischen Maschinisten geleitet, und mit englischer Kohle geheizt, trieb ihren Rauch über Pflanzungen von Baumwolle, Kaffee, Muscat, Gewürznelken, rothem Pfeffer."6

John Retcliffes Beschreibung in "Nena Sahib oder Die Empörung in Indien" ähnelt der von Jules Vernes frappierend:

"Ein kleiner Fluß, der Gandlagama, durchströmte das Tal. Das ganze weite Tal erschien wohl angebaut: in den sumpfigen Teilen die Reisfelder, an den Hügelabhängen Mais- oder Zuckerrohrpflanzungen, dazwischen Indigo- und Kaffeeplantagen, roter Pfeffer und duftige Gewürzstauden."7

Dass Süßes schon immer auch gepfeffert wurde beschreibt Karl May in seinem Buch "Balkanreise":

"Das Essen wurde uns von zwei recht sauber gekleideten Burschen herein gebracht. Es bestand aus mehreren großen, dampfenden und appetitlich duftenden Eierkuchen, zu welchen in Essig gelegte und mit Pfeffer gewürzte Melonen und frische andere Früchte gegeben wurden."8

Vom Wert des Pfeffers

Heinrich Heine (1797-1856) widmet dem Wert des Pfeffers in seinem gesellschaftskritischen Epos "Die heiligen drei Königen" einen Vierzeiler:

"Der Gummi ist gut, der Pfeffer ist gut,
Dreihundert Säcke und Fässer;
Ich habe Goldstaub und Elfenbein ­
Die schwarze Ware ist besser,"

Für die Fabrikarbeiter Englands im Zeitalter der Industrialisierung war der Pfeffer allerdings nur "mit Staub von Hülsen usw. verfälscht;" erhältlich, wie Friedrich Engels in seiner Analyse über "Die Lage der arbeitenden Klasse in England" erzählt.9


Quellen

  • 1Julius Wolff: Der Rattenfänger von Hameln [Online]. - Zur Quelle.
  • 2Fjodr Michailowitsch Dostojewski: Die Brüder Karamasow [Online]. - Zur Quelle.
  • 3Emile Zola: Nana [Online]. - Zur Quelle.
  • 4Heinrich Zschokke: Die Branntweinpest [Online]. - Zur Quelle.
  • 5Gustav Weil: Tausend und eine Nacht, Erster Band [Online]. - Zur Quelle.
  • 6Jules Verne: Reise um die Erde in 80 Tagen [Online]. - Zur Quelle.
  • 7John Retcliffe: Nena Sahib oder Die Empörung in Indien [Online]. - Zur Quelle.
  • 8Karl May: In den Schluchten des Balkan [Online]. - Zur Quelle.
  • 9Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England [Online]. - Zur Quelle.