Das weiße Gold - Geschichte, Religion und Mythologie

"Ein Körnlein Salz in meiner Hand läßt mich Jahrmillionen rückwärts schweifen, …als diese Würze aller Würzen entstand. Salz ist ein ganz besonderer Stoff! Er trägt die dramatischen Wandlungen unserer Erde in sich: Feuer, Wasser und Luft haben ihre Macht an ihm erprobt. …Es ist erregend, die Schöpfungsgeschichte in den winzigen Kristall gebannt zu sehen, erregend, etwas so Ewiges im Alltag unseres Kochtopfs zu verwenden."1

Steinzeit - Beginn des Salzabbaus

Salz  war und ist unverzichtbar für die menschliche Ernährung. Lange Zeit ist es eines der wenigen Mittel gewesen, um Lebensmittel haltbar zu machen. Daher wurde Kochsalz von sesshaften, bäuerlichen Völkern schon in vorgeschichtlicher Zeit aus Pflanzenasche, Quell- und Meerwasser gewonnen. Die Jäger der Frühzeit konnten ihren Salzbedarf aus dem großen Anteil tierischer Nahrung decken. Um den Salzbedarf zu decken, wurde sogar das Blut von Tieren getrunken.2 Vor 6000 Jahren wurde an den Salzseen Chinas schon Salz gewonnen. Im alten Ägypten wurden die Toten in eine Salzlösung gelegt, die dem Körper Wasser entzog, so wurde der Körper mumifiziert.3

In Europa wurde schon in der Steinzeit Salz abgebaut. Das älteste bekannte Salzbergwerk ist über 3000 Jahre alt und befindet sich in Oberösterreich (Hallstadt).

In Mitteleuropa begannen um 1000 vor Chr. die Kelten mit dem Salzabbau in den Alpen.

Antike - Salz als Handelsgut

Das Salz ist eines der ältesten Handelsgüter der Menschheit. Die Gewinnung des Minerals, der Handel und der Transport des Salzes, wurden in Altertum und Mittelalter besteuert und überwacht. Fast überall auf der Welt sicherten sich die Herrschenden Salzmonopole und erhoben Salzsteuern. Sie kontrollierten den Transport der schweren Fässer auf den sogenannten "Salzstraßen"2

Die Phönizier waren zwischen 1200 -900 vor Christus die ersten, die in großem Umfang mit Salz handelten. Sie lieferten Wein und Salz aus dem Mittelmeergebiet nach Nordeuropa und tauschten diese Güter gegen Rohstoffe, wie Zinn, Bernstein und Pelze ein.

In der Antike, bei Thrakiern, Griechen und Römern  war das Salz ein wichtiges Gebrauchs- und Handelsgut. Gewonnen wurde es in Meergärten durch die Verdunstung von Meerwasser. Dieses Salz wurde von den Salzbauern über die "Via Salia" in das Binnenland verkauft. Im Römischen  Reich erstreckte sich ein "Salzverteilernetz", betrieben von  darauf spezialisierten Kaufleuten, den "salarii", bis in die entlegensten Regionen, also von Spanien bis hin zur Krim. Dieses Netz funktionierte so reibungslos, dass der Preis für Salz, im Vergleich zum Mittelalter, relativ niedrig und stabil war.

Die Preisstabilität und geregelte Versorgung ermöglichte es den Römern, Salz als Zahlungsmittel zu nutzen,  zum Beispiel wurden zeitweise die römischen Legionäre damit bezahlt.

Die Bedeutung des Salzes für Stärke und Wirtschaft des Römischen Reiches zeigt sich darin, dass der Verkauf von Salz, wie auch der von Waffen und Korn, an Feinde des Reiches strengstens verboten war.

Von einem Krieg um das kostbare Gut, dem in folgenden Jahrhunderte noch etliche folgten, nämlich dem Krieg um die salzhaltigen Quellen an der Werra, berichtet schon im Jahre 58 der römische Historiker Tacitus (55-120 n. Chr.).

Mittelalter

Mit dem Zusammenbruch des Römischen Reiches kam der Salzhandel erst einmal zum Erliegen. Das Salz musste wieder aus lokalen Quellen bezogen werden. In Mitteleuropa wurde begonnen, Salz in Solen zu erzeugen. Bei dieser Art der Salzgewinnung wird mit Salz gesättigtes Wasser durch Verheizen von Brennholz verdampft. Der enorme Brennholzbedarf bei der Salzerzeugung hat zum Entstehen der Heidelandschaft um Lüneburg, wo sich eine der ersten "Salinen" Mitteleuropas befand, beigetragen.

Im frühen Mittelalter lebte der Handel mit Salz jedoch wieder auf.4

Da es auf den Landstraßen häufig zu Überfällen kam, nutzten die Salzfuhrleute Straßen, die unter dem Schutz von Landes- oder Burgherren standen. Diese erhoben für den Schutz der Wege "Salzsteuern". Die "Salzsteuer" wurde schnell zu einer sprudelnden Einnahmequelle für die Landesfürsten und die Burgherren, aber auch für die an den "Salzstraßen gelegenen Städte. Die Benutzung dieser Straßen war für die Salzfuhrleute zwingend vorgeschrieben. Etliche große Städte, wie Rom, München, Warschau, Lüneburg, die Hansestädte, aber auch Timbuktu in Afrika, verdanken Größe und Reichtum den alten Salzstraßen.

Geld war bei Landesherren und Stadtvätern immer knapp. Salz war unverzichtbar und die Salzsteuer nicht zu umgehen, also stieg der Salzpreis erheblich. Salz war im Mittelalter zum "weißen Gold" geworden. Bis zum 16. Jahrhundert war das Salz als Gewürz in Europa hauptsächlich an den Fürstenhöfen zu finden. Die einfachen Menschen nutzten Pflanzenasche als Salzersatz.

Neuzeit

Mit dem Entstehen der Territorialstaaten in Europa wurde die Salzsteuer als eine Art Verbrauchssteuer zum Monopol der Staaten und wesentlicher Pfeiler der staatlichen Finanzsysteme. Die ständig steigende Steuer führte zu Unruhen, wie zum Beispiel der "Gabelle" in Frankreich. Noch im 17. Jahrhundert führte Bayern einen Krieg gegen Österreich um die Saline bei Salzburg. Doch die Techniken der Salzgewinnung entwickelten sich ständig weiter. 1616 wurde in Bad Reichenhall erstmals ein Pumpensystem für die der Salzgewinnung eingeführt.5

Um 1850 begann in Deutschland der bergmännische Abbau von Salz, da es nun möglich geworden war, Salzlagerstätten wissenschaftlich zu lokalisieren und industriell zu betreiben.

Mit dem Beginn der industriellen Salzgewinnung fielen am Anfang des 20. Jahrhunderts auch die Steuermonopole der Staaten auf Salz weg.

Heute sind die Methoden der Salzgewinnung computergesteuert und hochmodern. In Deutschland werden jährlich 12,5 Millionen Tonnen Salz produziert, das sind 7 % der Weltproduktion. Salz ist zu einem wichtigen industriellen Rohstoff geworden. Nur noch 3 % der gesamten Weltproduktion an Salz werden für die menschliche Ernährung benötigt. Salz wird zum gleichmäßigen Färben von Stoffen ebenso genutzt, wie für die Herstellung von Chlor und Glas.

Eine heutige Verwendung von Salz ist uns sehr geläufig. Wird es im Winter einmal glatt, wird das "weiße Gold" tonnenweise als Streusalz auf den Straßen verbraucht.


Quellen

  • 1Goetze Jonny Behm und Elinor Die Kunst zu würzen [Buch]. - München : Heimeran Verlag, 1956.
  • 2Knaur: Der grosse Knaur [Buch]. - Stuttgart Hamburg : Deutscher Bücherbund.
  • 3Broschüre Salzmuseum Salinen von El Carmen - Zur Quelle.
  • 4Wagner, Eva (Stand vom 09.01.2007) - Zur Quelle.
  • 5Salz - Zur Quelle.