Vanille als Medizin und Parfüm


Biochemische Zusammensetzung

Vanille besteht zu 25% aus Zucker, zu 15% aus Fetten, zu 15 bis 30% aus Cellulose und zu 6% aus Mineralstoffen. Der Wassergehalt der Pflanze ist mit 35% ungewöhnlich hoch. Das aromatische Aldehyd Vanillin, welches Antioxidan ist, wird erst durch die Fermentation während der Trocknung freigesetzt.

Die fermentierte Frucht enthält je nach Art der Vanille etwa 2% Vanillin. México-Vanille enthält ungefährt 1.75% Vanillin, die Sri Lanka -Vanille hat 1.5% und die indonesische Vanille bringt es auf einen Vanillingehalt von 2.75%. Bei Vanille von besonders hoher Qualität kann man kristallines Vanillin in Form weißer, dünner Nadeln an der Oberfläche erkennen. Obwohl das unvergleiche Aroma der Schoten zu 85 Prozent vom Vanillin bestimmt wird, trägt wesentlich auch das p-Hydroxybenzaldehyd dazu bei sowie rund 130 chemische Verbindungen, zu denen Phenole, Phenolether, Alkohole, Carbonylverbindungen, Säuren, Ester, Lactone, aliphatische und aromatische Kohlenwasserstoffe zählen.1

Die Vanille als Aphrodisiakum und Heilmittel

Weniges ist heute über die Heilwirkungen der tropischen Pflanze bekannt. In Lehrwerken aus dem 18. Jahrhundert werden Heilanwendungen der Vanille noch ausführlich beschrieben.

Heutzutage ist erotisierende Wirkung der Vanille ist noch geläufig. Diese spezielle Eigenschaft ist auch der Grund, warum das Vanilleöl in vielen Parfüms und anderen duftenden Kosmetika zu finden ist.

Vanille als Aphrodisiakum

Der Duftstoff der Vanille, das Vanillin, ist chemisch eng mit Pheromonen, den Sexuallockstoffen des Menschen verwandt. Schon die Indianerinnen im alten Mexiko rieben sich mit der Schote ein, um ihre erotische Anziehungskraft zu erhöhen. In der modernen Homöophathie wird sie als Aphrodisiakum und Hirntonikum genutzt.2

Johann Georg Krünitz äußert sich in der "ökonomisch-technologische Encyklopädie" geschrieben von 1773-1858 so: Die Vanille ist …Reizmittel für das Genitalsystem, in dem sie auf den Geschlechtstrieb wirkt; …Hauptsächlich gebraucht man sie für diesen Zweck (um den Geschlechtstrieb anzuregen) aber als Schokolade.3

Im Handbuch der "Speciellen Heilmittelichre" von Karl Heinrich Wilhelm Sundelin, veröffentlicht 1832,  findet über die "erregende" Vanille ähnliches:

Die Vanille verbreitet" vom Unterleibe aus die Empfindung von Wohlbehagen über den ganzen Körper, erregt und steigert sämmtliche Verrichtungen des Nervensystems, vorzugsweise jedoch die Vitalität des Gehirns und der Geschlechtsorgane, erweckt Munterkeit und Heiterkeit, verscheucht den Schlaf, belebt die Thätigkeit der Muskeln, erregt und unterhält bei beiden Geschlechtern den Trieb zur Begattung."4

Angeboten wurde die Vanille in den Apotheken um 1830 in Pulverform, als Aufguss, Abkochung oder in Tinktur.

Vanilletinkur (Tinctura Vanillae)

"Vanillentinktur (Tinctura Vanillae), wird in den Apotheken aus einer Unze gepülverter Vanille mit acht Unzen Alkohol durch Digestion bereitet, und zu 30 bis 40 Tropfen gereicht."3

Vor dem übermäßigen Gebrauch der Vanille warnen die Autoren, da die erregenden Eigenschaften des Gewürzes auch zu einer Überreizung von empfindlichen Gemütern führen können. So nennt Sundelin als Gegenanzeigen: Vollblüligkeit, Gefässerethismuss, Neigung zu Blutflüssen , Wallungen, Reizbarkeit  und Empfindlichkeit.4

Die pilztötende und andere Heilwirkungen der Vanille

Die stärkste Heilwirkung der Vanille ist wohl die fungizide (pilztötende) Wirkung, die sicher auf antimikrobiellen und entzündungshemmenden Eigenschaften beruht. Daher können auch bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Ekzemen gute Erfolge mit dem Gebrauch von Vanillepräparaten erzielt werden.5

Die "ökonomisch-technologische Encyklopädie" von Johann Georg Krünitz nennt als weitere Heilwirkungen den Gebrauch als magenstärkendes Mittel, gegen Nervenfieber, gegen Husten, zur Treibung des Urins und den Einsatz bei Krampfanfällen.3

Das "Handbuch der Speciellen Heilmittelichre" empfiehlt darüber hinaus den Einsatz: "bei fast an Lähmung grenzenden sensiblen und vitalen Erschöpfungszuständen", auch hilft sie bei : Melancholie und in gewissen Arten des Blödsinns, sowie auch gegen hohe Grade der durchaus asthenischen Hypochondrie".4

Vanille-Eis gegen Schwangerschaftserbrechen

"Gegen das anhaltende, oft bis zur Hälfte der Schwangerschaft bestehende Erbrechen der Schwangeren (Vomitus gravidarum), welches am schlimmsten des Morgens bei nüchternem Magen ist, leistet, nach Osiander, das Vanille-Eis oft mehr als alle Arznei."6


Quellen

  • 1Katzer, Gernot: Gernot Katzer's Gewürzseiten [Online]. - Zur Quelle.
  • 2Wildeisen, Annemarie: Vanille: Gewürz der Göttin [Book]. - Aarau und München : AT Verlag, 2001.
  • 3Krünitz, Dr. Johann Georg: Krünitz online - Oeconomischen Encyclopädie 1773 bis 1858 [Online] // Vanille bis Vanille, ordinaire. - Zur Quelle.
  • 4Sundelin, Karl Heinrich Wilhelm: Handbuch der Speciellen Heilmittelichre [Online]. - Veröffentlicht von J.N. Ensslin, 1832, Original von University of Michigan. - www.books.google.com. - Handbuch der Speciellen Heilmittelichre.
  • 5Schwarz, A. Aljoscha und Ronald P. Schweppe: Gewürzheilkunde: Die Geheimnisse von Anis, Galgant, Vanille und Co [Book]. - Landsberg am Lech : mvg verlag, 1996.
  • 6Most, Georg Friedrich : Medizin: Vanille-Eis - Vomitus gravidarum [Online]. - Zur Quelle .