Vanille - Montezuma und die "habilitadores"
- Vanille (Vanilla planifolia L.)
- Vanille: Die Namen der Pflanze
- Botanische Beschreibung der Vanille
- Das Vanillin
- Vanille in der Küche
- Vanille als Medizin und Parfüm
- Vanille - Montezuma und die "habilitadores"
- Vanille - Eine Liebesgeschichte
Im Jahre 1519 brachten die Spanier die ersten duftenden Fruchtstangen der "Vanilla planifolia" aus Übersee mit.
In den neuentdeckten Ländern in Übersee hatten sie gesehen, wie die Azteken damit ihrem traditionellen Getränk - der "chokolatl" - die aromatische Würze gaben.1 Die Azteken und auch die Tolteken schrieben der Pflanze eine allgemein gesundheitsfördernde Wirkung zu und nutzten sie auch als Parfüm.2 Hernàn Cortez (1485-147) soll während einer Audienz bei Montezuma (dem letzten Herrscher über das Aztekenreich) im Jahre 1519 als erster Europäer in den Genuss der "chokalatl" gekommen sein. Montezuma selbst soll so gierig nach dem Schokoladengetränk gewesen sein, dass er täglich 50 Tassen davon genossen habe.
Cortez war beeindruckt und berichtet später, dass ein einziger Becher des exotischen Getränks einen Soldaten während eines ganzen Tagesmarsches frisch halte.3
Nach und nach wurde die Vanille, via Spanien, auch in der Alten Welt bekannt. Ihr kulinarischer Siegeszug durch Europa begann jedoch erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts, als der Schokolade neben Zimt, Nelken, Anis und Mandeln, auch Zucker beigegeben wurde. Die süße Trinkschokolade war geboren und eroberte Europas Fürstenhöfe. In ihrem Schlepptau folgte die Vanille.
Alexander von Humboldt (1769 - 1859), der Mittelamerika bereist hatte, widmet sich der tropischen Pflanze in seinem Werk "Versuch über den politischen Zustand des Königriechs neu-spanien" Er beschreibt Vorkommen und Arten der Pflanzen, sowie Anbau und Handel damit.
Humboldt zufolge soll der Gebrauch der Vanille von den Azteken direkt auf die Spanier übergegangen sein, was nicht verwunderlich stimmt, da das Aztekenreich schon drei Jahre nach Cortez Audienz bei Montezuma in Schutt und Asche lag. Die Spanier handelten allerdings nur mit der Vanille und konsumierten sie selbst nicht. In spanischer Schokolade war keine Vanille mehr. Auch die Mexikaner sollen um 1800 auch keine Vanille mehr genossen haben, sie galt als zu erregend für das Nervensystem und auslösend für Nervenzusammenbrüche.
Es verwundert Humboldt sehr, warum in Anbetracht der extrem hohen Preise für dieses Gewürz auf den europäischen Märkten, nicht deutlich mehr Vanille in Mittelamerika angebaut wurde. Er findet ansatzweise systematischen Anbau nur in den Gegenden um Veracruz und Oaxaco. Noch befremdlicher erscheint Humboldt, der auch noch andere Vanillearten entdeckt und beschreibt, dass der Anbau im gesamten Mittelamerika nicht ausgeweitet wurde, obwohl Wachstumsbedingungen als auch Anbauflächen vorhanden schienen, zum Beispiel um Havanna und Caracas herum. Eine Erklärung für dieses Phänomenen liefert Humboldt jedoch nicht.
Zur der Zeit als Humboldt Lateinamerika bereiste, wurde die Vanille ausschließlich über den Hafen Veracruz verschifft. Der gesamte Handel lag in spanischer Hand.
Angebaut wurde die mexikanische Vanille mit einfachen und wenig effizienten Verfahren. Geerntet wurde die - in diesen Gebieten ja von fast selbst wachsende Pflanze - von den einheimischen Indianern. Die Indianer verkauften die grünen Schoten dann innerhalb von 8 Tagen an "Weise, Metis und Mulatten", da scheinbar nur diese Gruppe Kenntnis von dem komplizierten Trockenprozess hatte. Den Mulatten wurden die getrockneten Früchte wiederum von den spanischen Einkäufern, "habilitadores" genannt, abgekauft,. Selbst unter den spanischen Aufkäufern gab es geringe Konkurrenz, da große Erfahrung nötig war, um die Qualität der Ernte zu bestimmen. Eine einzige schlechte Schote konnte auf der langen Reise nach Europa die ganze mit Vanille gefüllte Kiste verderben - ein hohes Risiko. Die erntenden Indianer und weiterverarbeitenden Mestizen und Mulatten wurden nicht mit Geld, sondern mit Branntwein und Baumwolle aus Puebla bezahlt - somit verblieb der Gewinn - Humboldt zufolge - ganz bei den (spanischen) Unternehmern.4
Ganze dreihundert Jahre behielten die spanischen Unternehmer das Vanillemonopol aufrecht. Die Versuche in anderen tropischen Gegenden die Vanille anzubauen blieben erfolglos, da eine natürliche Befruchtung der Vanille außerhalb Mexikos nicht zustande kam (Siehe auch: Vanille in der Botanik). 1836 gelang dem belgischen Botaniker Charles Morren die erste künstliche Befruchtung der Blüten. 1841 befruchtete der kreolische Sklavenjunge Edmond Albius auf der Insel La Rèunion mit einem Bambusstäbchen die Pflanze erstmals per Hand. Diese Methode wird noch heute verwandt - jede Vanilleschote, die wir konsumieren - wurde per Hand bestäubt.
Damit war das Monopol der Spanier durchbrochen. Um 1850 gingen schon um 50 kg Schoten von Rèunion nach Frankreich. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlagerte sich die Produktion nach Madagaskar, in die Region zwischen den Orten Sambava, Antalah, Vohèmar und Andapa - wo das sogenannte "Vanilledreieck" entstand. Hier produzieren heute rund 60 000 Bauern pro Jahr etwa 1000 Tonnen natürliche "Bourbon" - Vanille. Es gibt Bemühungen, diese Bezeichnung als Qualitätssiegel schützen zu lassen. Damit ist die Vanilleinsel der weltweit größte Produzent neben Indonesien, wo ungefähr 600 Tonnen produziert werden.3
Aus dem Herkunftsland der "Schwarzen Blume" , aus Mexiko stammen heute nicht einmal mehr 10 Prozent der weltweiten Produktion.
Scheinbar ist heute die Produktion nicht höher als zu den Zeiten in denen Humboldt das "Königreich Neu-Spanien" bereiste. Im Jahre 1802 wurden von Hafen Vercruz 910 Millares Vanille im Wert von 30.000 bis 40.000 Piaster nach Europa verschifft. Millares war im 18.Jahrhundert die Einheit für Vanille, und meinte wohl das Bündel Schoten. Die Einheit lässt sich heute schwer umrechnen, so können wir nicht genau sagen, wie viele Tonnen es damals wohl gewesen sind.
Quellen
- 1Linde, Günter und Erna: Von Anis bis Zimt: Kleine Gewürzfibel [Book]. - Leipzig : Verlag für die Frau, 1978.
- 2Küster, Hans Jörg: Wo der Pfeffer wächst - Ein Lexikon zur Kulturgeschichte der Gewürze [Book]. - München : C. H. Beckschen Verlagsbuchhandlung, 1987.
- 3Wildeisen, Annemarie> Vanille: Gewürz der Göttin [Book]. - Aarau und München : AT erlag, 2001.
- 4Humboldt, Alexander von: Versuch über den politischen Zustand des Königreichs neu-spanien [Online] // J. G. Cota`schen Buchhandlung . - 1812, digitalisiert 4. Januar 2007 Orginial von Oxford University. - www.books.google.com.
