Biochemisches und Heilkunde


Biochemisches zum Zimt

Das Kassienöl

Alle Teile des Zimtbaumes enthalten zu ungefähr 4 Prozent ätherisches Öl (Kassienöl), das den Duft und den typischen Geschmack ausmacht. Dieses ätherische Öl ist sehr komplex zusammengesetzt und genau das macht die unterschiedlichen Aromen der Zimtarten aus. Das Kassienöl besteht je nach Art zwischen 75 und 95 Prozent aus Zimtaldehyd. Das Zimtöl ist wärme- und lichtempfindlich, daher sollten Zimtstange und Zimtpulver immer dunkel aufbewahrt werden.

Außer Zimtaldehyd sind in der Pflanze Zimt auch Benzoesäure, Zimtsäure und Salicylsäure enthalten. Chinesischer Zimt enthält deutlich mehr Schleim als der Ceylonzimt, nämlich ungefähr 11 Prozent.1, 2

Das industriell verwendete Zimtöl wird aus den unreifen getrockneten Früchten, den Blüten, den Rindenstücken und den Blättern des China-Zimtbaums destilliert. Heute wird in großen Mengen synthetisch erzeugtes Zimtöl produziert und in der Kosmetik, aber auch Lebensmittelindustrie eingesetzt.

Zimt und Coumarin

Für Schlagzeilen hat im Jahre 2006 der hohe Coumaringehalt verschiedener Zimtsorten gesorgt. Zimt enthält davon tatsächlich kleine Anteile. Je nach Sorte liegt der Coumarinanteil im Zimtöl zwischen 1 und 10 Prozent, wobei chinesisches Zimtöl einen höheren Wert als das ceylonesische Öl erreicht. Der deutsche Grenzwert für Coumarin, welches im Verdacht steht krebserregend zu sein, wird durch den Verzehr von einem halben Gramm Zimt pro Tag erreicht und kann durch den Verzehr einer Packung Zimtsterne tatsächlich schnell überschritten werden. Allerdings hält die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung den Verzehr von einem Gramm Zimt bei Menschen mit ungefähr 50 kg Körpergewicht für gesundheitlich unbedenklich.1, 2

Selbstgebackene Zimtsterne, gewürzt mit einer Prise Ceylon-Zimt, reduzieren das Risiko zuviel Coumarin aufzunehmen, sicher beträchtlich.

Zimt-MHCP und Typ II-Diabetis

Einen Teelöffel Zimt als Medizin? Neuere Forschungen zeigen, dass Medizin nicht immer bitter schmecken muss. Ein Teelöffel duftender Zimt täglich hilft ausgerechnet gegen hohe Blutzuckerwerte.

Zimt enthält das Polyphenol Methylhydroxy-Chalcone-Polymer, besser bekannt als MHCP. Nach neuesten Studien hat MHCP insulinähnliche Eigenschaften und daher eine ausgesprochen positive Wirkung auf den Blutzuckerspiegel und die Blutfettwerte von Typ II-Diabetikern. Studienergebnisse des seriösen Beltsville Human Nutrition Research Center zeigten, dass durch die regelmäßige Einnahme von Zimtpräparaten die Blutzuckerkonzentration zwischen 18 und 29 Prozent abnahm. Der Wert für das sogenannte schlechte Cholesterin (LDL) ließ sich um bis zu 27 Prozent absenken, der Triglyceridspiegel sank bis zu 30 Prozent. Nach dem Absetzen des Zimtpräparates stiegen alle Werte wieder an. Diese Ergebnisse konnten mit der Gabe von ungefähr einem Gramm Zimtpulver täglich erreicht werden3, Ein Gramm Zimt täglich entspricht genau der Menge, die auch unbedenklich hinsichtlich des Coumarins ist.4, 5

Zimt in der Heilkunde

Zimt riecht einfach betörend gut und die meisten mögen sein Aroma. So verwundert es nicht, dass die Menschen schon früh versuchten, ihn nicht nur als Gewürz zu nutzen, sondern den Bast vom Lorbeerbaum auf seine Heilkräfte hin untersuchten, denn wohl fast jeder zieht eine wohlschmeckende Medizin dem bitteren Heiltrunk vor.

Mittelalter: Hildegard von Bingen Hildegard (1098 - 1179)

Wie die meisten Gewürze aus dem Orient, hatte auch der Zimt in der Heilkunde des Mittelalters seinen Platz. Die Wohlgerüche, welche die orientalischen Exoten verströmten, waren zu dieser Zeit das Hauptmittel gegen die "Verderbnis der Luft und des Körpers". Und eines wusste man sicher: die Pest, die große Geißel jener Zeit, wurde durch verdorbene und abgestandene Luft war übertragen und dagegen versprachen die Gewürze schnelle Hilfe

Die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 - 1179), die große Kennerin der Heilkunde des Mittelalters untersucht den Zimt genauer. Sie schrieb dem Zimtbaum starke und vor allem sehr warme Kräfte zu. "Wer ihn oft isst, bei dem werden die Fehlsäfte gemindert und die Heilsäfte werden herbeigeführt. Wer von Gicht oder Maleria befallen ist, solle mehrmals täglich warmen Zimtwein, hergestellt aus den Blättern und dem Holz des Baumes, trinken."6

Zimt Anno 1602 - Das Aroma "imperiale" der russischen Zaren

Das Interesse am Zimt ließ auch zu Beginn der Neuzeit nicht nach. Auch an allen europäischen Höfen war der Zimtduft hochgeschätzt. Macht und Reichtum rochen im 16. Jahrhundert nach Zimt. Am Hof der russischen Zaren stand der Zimt um 1600 auf den Zenit seines Erfolges, er war zum "Duft der Zaren" geworden.

Das Buch "Medizin in Russland" folgendes über den Zimt zu berichten:

"Im Jahre 1602 wurde der Arzt Jacob Frenscham von der Königin Elisabeth an den Hof des Zaren Boris Godunow geschickt. Im Gepäck hatte er einen "bedeutenden Vorrat" von Arzneimitteln. Auf einer bis heute erhalten gebliebenen Liste waren die von England nach Russland exportierten Arzneien genau aufgeführt, unter anderem werden auch Zimtpräparate aufgeführt. Erstaunlicherweise brachte Frenscham keine Zimtstangen, sondern Zimtwodka (водка коричная) und Zimtöl an den Zarenhof.

Weiter wird berichtet, dass Zimt im Russland um 1600 den Ruf eines Aromas "imperiale" hatte. Zimt war zum Duft der Macht geworden. Der Leibarzt des Zaren Alexei Michailowitsch, Samuel Collins erzählt, dass jener Zar, bei einer im übrigen sehr ausschweifenden Lebensweise, die Gewohnheit gehabt habe, sich des Kanelbrantweins (Zimtbranntwein) vorzüglich zu bedienen."7

Zimt als Hausmittel

Zu Großmutters Zeiten gab es dicken Reisbrei mit viel Zimt und wenig Zucker, wenn jemand sich den Magen verdorben hatte. Oft war es die Aufgabe des Zimts stopfend zu wirken. Genauso beliebt war eine gute Portion des erwähnten Breis vor dem Zubettgehen, da er einen ruhigen Schlaf versprach.8

Zimt und der Magen

Der Zimt lindert Magen- und Darmprobleme wie Völlegefühl und Blähungen. Darüber hinaus regt er den Appetit an. Magenbeschwerden, die durch ungenügende Produktion von Magensaft verursacht werden, reagieren ebenfalls sehr gut auf Zimt. Zur Linderung dieser Beschwerden ist die Einnahme eines Teelöffels Zimtpulver vielleicht mit ein wenig Zucker versüßt ausreichend.9

Schon Hipokrates empfahl die regelmäßige Einnahme von Zimt als Magentonikum.

Ein altes chinesisches Rezept empfiehlt gegen jede Art von Magenleiden 30 g Zimt mit etwas Nelkenpulver zu vermischen und täglich etwa ein Gramm davon in Wasser aufgelöst zu trinken.

Zimt bei Husten, Halsschmerzen und Entzündungen

Zimt hemmt das Wachstum von Bakterien und Pilzen, wirkt antibotisch und antibakteriell. So wundert es nicht, dass bei Halsschmerzen, Husten und Schnupfen Zimttee ausgesprochen wohltuend wirkt. Und sicher empfinden die meisten Zimttee  als wohlschmeckend. Ganz anders als dies beispielsweise beim Salbeitee der Fall ist, der ja eine ähnliche Wirkung hat.3

Nervenleiden und Depressionen

Zimtpulver, einmal eingenommen und gründlich durchgekaut, soll auch gegen Nervenleiden und Depressionen wirken.

Zimt und Frauenleiden

Mädchen und Frauen sollen eine Woche vor und eine Woche während der Regelblutung reichlich Zimt zu sich nehmen, damit die Menstruation weniger stark und schmerzhaft ist.

Diese Anwendung ist seit dem Mittelalter in der Volkheilkunde bekannt und heute sicher am angenehmsten als Zimtzucker auf Joghurt zu genießen oder man nimmt einfach ordentliche Prise aus dem allgegenwärtigen Zimtstreuer in den "Coffee to go".


Quellen

  • 1Katzer, Gernot: Gewürzseiten: Chinesischer Zimt  (Cinnamomum cassia, Kassie) [Online]. - Zur Quelle.
  • 2Katzer, Gernot: Gewürzseiten: Ceylonesischer Zimt (Cinnamomum zeylanicum) [Online]. - Zur Quelle.
  • 3Wolfgang Hübner und Michael Wissing: Zimt: Das duftende Juwel aus TausendundeinerNacht [Book]. - Baden und München : AT Verlag, 2005.
  • 4Dziedzioch, Dr. Cornelia: Zimt, Faszination Regenwald [Online]. - Zur Quelle.
  • 5Wiegele, Miriam: Die Heilkraft von Zimt - Burgenland-Magazin [Online]. - Zur Quelle .
  • 6Strehlow, Wighard: Die Ernährungstherapie der heiligen Hildegard: Rezepte Kuren und Diäten [Book]. - Freiburg im Breisgau : Verlag Hermann Bauer, 1997. S. 312
  • 7Richter Von Wilhelm Michael von Geschichte der Medicin in Russland [Book] / ed. www.books.google.com. - Original von University of California : Veröffentlicht von Wsewolojsky, 1813. - p. S. 399.
  • 8Goetze, Jonny, Behm und Elinor: Die Kunst zu würzen [Book]. - München : Heimeran Verlag, 1956.
  • 9Herbert Schwinghammer und Paul Ehrenreich: Heilige Gewürze und Kräuter [Book]. - Augsburg : Weltbild Buchverlag, 1999.