Streifzug durch Literatur und Film


Der Geruch von Zimt weckt wohl bei jedem Assoziationen - zumeist sinnlichen und wohligen Charakters. Beim Durchstöbern von Büchern stößt man immer wieder auf das Gewürz. Beschrieben wird der unvergessliche Milchbrei der Großmutter. Zimt findet sich auch als Beigabe zu Drogen, die ja bekanntlich stark auf die Sinne wirken, nämlich als Beigabe zu Haschischkonfitüre.

Milchreis mit Staubregen von Zimt und Zucker

Der Milchreis mit Zimt und Zucker würde ein ganzes Kapitel in einem Buch über die Geschichte des Zimts verdienen. Einen wunderbar lebhaften Eindruck davon, wie diese Speise die lieben Kleinen beeindruckt, findet sich bei Willibald Alexis (1798 - 1871) in seinem Buch ""Ruhe ist die erste Bürgerpflicht". Der Major wird hierin geradezu zum Sinnbild eines verbiesterten Erwachsenen.

"Der alte Major wollte noch mehr sagen, aber er tat's nicht mit Worten, er klopfte mit dem Meerschaumkopf so stark gegen seinen hohen Stiefel, daß die Pfeife ausging. Es war auch nicht mehr Zeit zum Rauchen und zur Konversation, die Magd trug, begleitet von den jubelnden Kleinen, die rauchende Schüssel Milchreis auf den Tisch. Klara sprach das Gebet, und die Mutter streute einen Staubregen von Zimt und Zucker über die Schüssel. Ein Ah! der Verwunderung und Freude ging durch den Kreis der Kleinen: "Das ist ein Sonntag! Das ist ein Festtag!" Sie blickten den Major verwundert an, nicht einmal Milchreis mit Zucker und Zimt wollte er genießen!"1

Davamesk-Konfitüre: Zimt und Haschisch

Verblüffendes findet sich in dem Werk "Die küstlichen Paradiese" von Charles Baudelaire (1821-1867). Hier wird der Zimt, zusammen mit anderen paradiesischen Gewürzen, um Haschisch zu würzen. Baudelaire folgend, mochten also schon die alten Araber keine Drogen konsumieren, die nach ranziger Butter schmeckten. Wenn schon betörend, dann auch richtig, schien die Devise der arabischen Kultur gewesen zu sein.

"Der Fettextrakt des Haschisch, wie ihn die Araber bereiten, entsteht, indem man die Spitzen der frischen Pflanzen in Butter mit ein wenig Wasser kochen lässt. Nach vollständiger Verdampfung aller Feuchtigkeit passiert man ihn und erhält so eine Masse, die wie eine gelbliche Pomade aussieht und einen unangenehmen Geruch von Haschisch und ranziger Butter behält. Man nimmt ihn in dieser Form in kleinen Kügelchen von zwei bis vier Gramm ein; aber wegen seines üblen Geruchs, der mit der Zeit zunimmt, verarbeiten die Araber den Fettextrakt in Konfitüren.

Die gebräuchlichste Art dieser Konfitüren, das Davamesk, ist eine Mischung aus Extrakt, Zucker und verschiedenen aromatischen Kräutern, wie Vanille, Zimt, Pistazie und Muskat. …In dieser neuen Form hat der Haschisch nichts Unangenehmes und man kann ihn in Dosen von 15, 20 und 30 Gramm, sei es in einer Oblate, sei es in einer Tasse Kaffee einnehmen."2

Zimt gegen Trübsal und Langeweile

Sehr bildhaft schildert Gustav Flaubert in seiner Erzählung "Salambo" gleich zwei Aspekte, die dem Zimt durch die Jahrhunderte anhafteten.

Unglaublich reich war, wer Zimt besaß und ihn verzehrte. Wer ihn verbrennen konnte um Trübsal und Langeweile zu verblasen, wie es das Mädchen Salambo tut - sie ist die Tochter eines Königs - war sagenhaft reich. Wir erinnern uns, Zimt wurde seit der Antike auch als Mittel gegen Nervenleiden und Depressionen genutzt.

"Überdies ward ihre Einsamkeit von Tag zu Tag größer…Schließlich ward sie des Grübelns müd. Sie erhob sich und schlürfte in ihren niedlichen Sandalen, deren Sohlen bei jedem Schritte gegen ihre Fersen klappten, durch das weite stille Gemach, immer hin und her, ohne Zweck und Sinn. Die Amethyste und Topase an der Zimmerdecke warfen tausend zitternde Lichttupfen herunter. Im Gehen wandte Salambo den Kopf ein wenig nach oben, um sie zu betrachten. …oder sie vertrieb sich die Zeit damit, in hohlen Perlen Zimt zu verbrennen."3

Filmtip: Zimt und Koriander

"Zimt ist wie die Frauen - süß und bitter zugleich",

so erklärt Großvater Vassilis seinem Enkel Fanis das Leben, das Universum und den ganzen Rest. Ganz nebenbei lehrt er Fanis auch noch die Freude am Kochen und Würzen.

Wer sich die Welt der Gewürze nicht erlesen möchte, sollte unbedingt den wunderbar sinnlichen griechisch-türkischen Film "Zimt und Koriander" von Tassos Boulmetis anschauen.

Im seinem Gewürzladen im Istanbul der 30er Jahre unterrichtet Großvater Vassils seinen Enkel Fanis fast nebenbei und niemals belehrend gleichzeitig in der Philosophie und der Kunst des Kochens und Würzens. Schon nach kurzer Verweildauer in Großvaters Laden glaubt man den Duft all der dort versammelten Gewürze einzuatmen. Das funktioniert sogar durch den Bildschirm, zumindest ist es den Versuch wert.


Quellen

  • 1Alexis, Willibald: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht [Online]. - Zur Quelle.
  • 2Baudelaire, Charles: Die küstlichen Paradiese [Online]. - Zur Quelle.
  • 3Flaubert, Gustave: Salambo [Online]. - Zur Quelle.