Zimt - Die Geschichte des Gewürz


Vorchristliche Zeit

Obwohl der Zimt schwierig zu gewinnen ist und nicht überall wächst, gehört er zu den ältesten bekannten Gewürzen. Schon zu Beginn des dritten Jahrtausends vor Christus wurde der China-Zimt in seiner chinesischen Heimat angebaut und genutzt. China trieb schon vor Beginn unserer Zeitrechnung regen Handel mit Zimt. Er wurde, über die Seiden- und Gewürzstraßen Innerasiens, in den Nahen Osten und bis in das Zweistromland exportiert. Um 2500 v. Chr. war Babylon ein wichtiger Umschlagplatz für das Gewürz aus China.

Im Mittelmeerraum übernahm das Handelsvolk der Phönizier den Fernhandel mit dem Zimt. Noch vor der Zeitenwende muss auch der Nahe Osten Nachricht vom Ceylon-Zimt erhalten haben, denn sowohl die Phönizier wie auch schon die Bibel unterscheiden zwischen zwei Arten von Zimt.

Antike und altes Rom

Den Griechen und Römern waren beide Arten des Zimts geläufig. Zimt wurde gern als Weingewürz genutzt. Allerdings ließen die orientalischen Zwischenhändler, in deren Händen das Gewürzmonopol lag, die Abnehmer des begehrten Gewürzes im Unklaren über seine Herkunft. Möglich ist auch, dass die Händler, in diesem Fall hauptsächlich die Phönizier, selbst nicht wussten, wo der Zimtbaum zu finden war. Es kursierten die abenteuerlichsten Geschichten über seine Herkunft. Oft zitiert wurde die eingangs erwähnte Geschichte von den "Zimtvögeln". Herodot glaubt um 450 vor Christus noch, der Zimt wachse auf dem Grund von Seen. Diese fantasievollen Geschichten bestimmten noch weit in die Zeit hinein, das Bild über die Herkunft des Zimts. Dabei war noch während der Antike bekannt geworden war, woher das Gewürz tatsächlich stammt. Plinius (gestorben 79 n. Chr.) stellt klar, dass die Phönizier nur Zwischenhändler für die Gewürze waren. Beschafft wurde der Zimt jedoch von abenteuerlustigen asiatischen Kaufleuten, die sich alljährlich von Indien nach Arabien übers Meer treiben ließen, ein Unterfangen, das nur wenige überlebten. Aber Überlebenden, hatten Plinius zufolge, eine "Stange" Geld mit den Röllchen vom Zimtbaum verdient.

Mittelalter

Im Mittelalter war das Gewürzwissen der Antike in Vergessenheit geraten, jedoch die Faszination die Gewürze ausübten war riesig, denn diese waren extrem teuer, für den Großteil der Bevölkerung unbezahlbar. Wer Gewürze, in möglichst großen Mengen, erwerben und verschwenden konnte, besaß Macht, zumeist viel Macht. Im Mittelalter lebten die ersten Europäer, die die Zimtwälder auf Ceylon zu Gesicht bekamen. Es waren abenteuerlustige Reisende, und ihre Berichte über die Gewürzländer heizten die Fantasie der zu Hause gebliebenen nur noch mehr an. Derweil stiegen die Preise für Gewürze, auch für Zimt, unaufhörlich, denn ihr Weg bis zu den Tafeln der Reichen war lang.

Die erstes die am Zimthandel profitierten waren die Araber. In arabischen Händen lag im Mittelalter das Handelsmonopol für Gewürze. Araber waren die einzigen, die Handelsverbindungen zu den fernöstlichen Gewürzländern unterhielten. So wanderte der Zimt erst einmal von China, Indien oder Ceylon nach Syrien und Ägypten. Meist erfolgte der Transport auf dem Landweg, später auch mit Schiffen über den Indischen Ozean. Dort angekommen wurde er von den arabischen Händlern an die europäischen Händler verkauft, erst an die Venezianer, später auch an die Holländer. Mit dem Schiff, über Alexandria, kaum der Zimt nach Venedig, dem damaligen europäischen Hauptumschlagsplatz für die Waren aus den irdischen Paradiesen. In Europa herrschte riesige Nachfrage nach dem Statussymbol "Wohlriechendes mit unbekannter Herkunft". Auf ihrem langen Weg ist die Zimtstange fast mit jedem Kilometer teurer geworden. Alle wollen verdienen und der Gewürztransport ist beschwerlich und oft auch gefährlich. Piratenangriffe auf hoher See oder Überfälle auf den alten Gewürzstraßen gehören zum Geschäft mit dem Gewürzen.

Einmal in Italien angekommen, muss der Zimt auch noch die Alpen überwinden, denn das gerade entstehende mitteleuropäische Bürgertum hatte ein nahezu unersättliches Bedürfnis nach dem Gewürz. sowohl als Statussymbol, wie auch als begehrtes Medikament.  Hier kommt die berühmte Fugger-Familie aus Augsburg ins Spiel. Der Gewürztransport über die Alpen lag in den Händen der Familie Fugger und sie verdienten daran prächtig. Der Handel mit Gewürz war ein Baustein der wirtschaftlichen Macht der Fuggers. Politische Wirren und Zollabgaben auf Gewürze führten dazu, dass Mitte des 15. Jahrhunderts der Zimt, aber Pfeffer und andere Gewürze, unbezahlbar wurden.

Beginn der Neuzeit

Die europäischen Staaten und ihre Könige und andere Mächtige suchten begannen recht verzweifelt nach einem Ausweg zu suchen, denn auf die Düfte aus dem Paradies wollte keiner mehr verzichten und doch sollten sie bezahlbar sein. Sicher wollten die Staaten auch an den exorbitanten Gewinnmargen beteiligt sein. Die damalige Abhängigkeit Europas von Gewürzen ist heute schwer nachzuvollziehen, jedoch waren sie den Menschen des Mittelalters so bedeutsam, wie es für uns das Öl heute ist. Die Suche nach der Herkunft der Gewürze begann. Es gab ein Ziel, den direkten Seeweg nach Indien. Wer ihn fand, konnte alle Zwischenhändler ausschalten und die Zollschranken umgehen. Am 8. Juli 1497 sticht der Portugiese Vasco da Gama von Lissabon aus in See und findet das, was Christoph Kolumbus zuvor gesucht hatte, den Seeweg nach Indien. Er betritt das Gewürzparadies und bringt als erste Schiffsladungen voll mit diesen Kostbarkeiten direkt nach Europa. Doch die Portugiesen verhielten sich nicht anders als die Araber und Venezianer vor ihnen. Sie diktierten die Preise und sicherten die Ernten in den eroberten Gebieten durch eine Schreckensherrschaft. 1594 verlor Portugal sein Monopol an Holland, viele kriegerischen Auseinandersetzungen waren dem voraus gegangen. Später versuchte auch England einen Fuß in den profitablen Handel mit den Gewürzen zu bekommen.

Neuzeit

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts war die Kolonialwelt unter den europäischen Nationen aufgeteilt und es gab nicht mehr viel zu entdecken und zu verteilen. Plötzlich verlor man in Europa das Interesse an den oft völlig überwürzten Speisen. Möglichst reichlich und stark würzen zu können, war nicht angesagt. Moden haben sich auch damals schon gewandelt. Zusätzlich gab es große Fortschritte in der Medizin. Die über Jahrhunderte vorhandene fast suchtartige Gier nach exotischen Gewürzen kam schlichtweg zum Erliegen. Für den Genießer wurden jetzt Kaffee, Tee, Zucker und Schokolade interessanter.

Praktisch seit Beginn des 19. Jahrhunderts konnte sich jeder Haushalt die ostasiatischen Gewürze, auch den Zimt, leisten. Hinzu kam das Zimt nicht mehr mit der Schöpfkelle über das Essen verteilt wurde, er kam nur noch als "eine Prise Zimt" zum Einsatz. In Mitteleuropa wurde Zimt bald nur für Süßes genutzt. Andere Verwendungen in der Küche und das Wissen über seine Heilkraft, gerieten in Vergessenheit.

Doch heute wird in Küche und Gastronomie mit Altbewährtem experimentiert und die Wissenschaft untersucht Vieles, das schon vor Jahrtausenden heilte - sicher wird auch der Zimt noch Überraschungen bereithalten - für Gaumen und Gesundheit.1, 2


Quellen

  • 1Küster, Hans Jörg: Wo der Pfeffer wächst - Ein Lexikon zur Kulturgeschichte der Gewürze [Book]. - München : C. H. Beckschen Verlagsbuchhandlung, 1987.
  • 2Wolfgang Hübner und Michael Wissing: Zimt: Das duftende Juwel aus TausendundeinerNacht [Book]. - Baden und München : AT Verlag, 2005.