Spruchweisheiten, Literatur und Zitate zur Zwiebel


Die Zwiebel und die Liebe

Vor fast 2000 Jahren meinten die alten Römer bereits:

"Wenn deine Frau alt und den Glied erschöpft ist, iß soviel Zwiebeln, wie du nur kannst!"1

Weiter heißt es:

"Willst du die Liebe einer Frau erringen, gib ihr eine Zwiebel."1

Die Schärfe der Zwiebel hat ihr schon früh einen Ruf als Aphrodisiakum verschafft, vor allem in der Antike. Später ging dieser Ruf verloren, denn die Zwiebel war und das ist sicher wenig erotisch, zum Mahl der Armen geworden.

Die Zwiebelhäute und die Frauen

Dass Frauen sehr vielschichtig sind, ist schon seit alters her bekannt.

"Eine Zwiebel hat sieben Häute, ein Weib hat neun."

Kurt Tucholsky greift im Roman "Schloss Gripsholm" diese alte Spruchweisheit auf. Prinzessin Lydia wird für ihr Fähigkeiten als Puppenmami gelobt:  "Sieh mal an - was alles in dir steckt!"- und antwortet mit Kindermund "Ich bin Sie nämlich eine Zwiebel!" …und enthüllte damit, vielleicht ohne es zu wissen, das Wesen aller ihrer Geschlechtsgenossinnen."2

Die Zwiebel, die Philosopie und der Verstand

Wie die Schichten der Zwiebel ihren Kern umhüllen, ist für Philosophen und Wissenschaftler seit jeher ein anregendes Bild gewesen.

Ludwig Tieck liefert in seinen "Schriften" eine eindrucksvolle Beschreibung der Funktionsweise des menschlichen Verstandes. Dabei bedient er sich der Zwiebel:

"Was ist denn aber am Ende der menschliche Verstand? …Ia, das können wir mit unserm eigenen Verstande nicht leicht begreifen; aber er hat gewiß, wie eine Zwiebel, eine Menge von Häuten; jede dieser Haute wird auch Verstand genannt, und der letzte, inwendige Kern ist der eigentliche beste Verstand. Recht verständig sind nun also die Menschen, die ihren zwiebelartigen Verstand durch lange Uebung so abgerichtet haben, daß sie jeden Gedanken, nicht nur mit den äußern Häuten, sondern auch mit dem innern Kerne denken. Bei den meisten Leuten aber, wenn sie auch die Hände vor dem Kopf halten, ist nur die oberste Haut in einiger Bewegung, und sie wissen es gar nicht einmal, daß sie noch mehrere Arten von Verstand haben, und so ist Bruder Anton. Agnes. Ha ha ha! das ist lustig! Zwiebel und Verstand, das ist eine artige Vorstellung."

Auch Bettina von Arnim benutzt in ihren Briefen "An die Günderode" das Bild der Zwiebel, um den menschlichen Geis zu beschreiben:

"Erdenleben ist Mutterhülle der geistigen Jugend, mag sie uns schützen, wie die Zwiebel den Keim des Narzissus schützt, bis sie im Spiegel ihr eignes Ideal erkennt."

Brot und Zwiebel

"Brot und Zwiebel" sind in der abendländischen Literatur zum Sinnbild für Armut, aber auch für die Genügsamkeit und die Konzentration auf die wichtigsten Dinge des Lebens geworden. Diesen hohen Bedeutungen entsprechend, findet sich das Bild von "Brot und Zwiebel" häufig in den verschiedensten Werken - quer durch die gesamte Literatur des Abendlandes.

In seinem Buch "Reise in den Orient" beschreibt Friedrich Wilhelm Hackländer die Sklavenmärkte des Orients, und stellt fest: "…die schwarzen Sklaven nämlich bekommen nichts als Brod und Zwiebel…"3

In Joseph Conrads Werk "Nostromo” werden Brot und Zwiebeln gleich als Bettlermahl bezeichnet:

"Der alte Viola kam aus einer dunklen Ecke hervor und schüttete ohne ein Wort aus hohler Hand ein paar Brotkrusten und eine halbrohe Zwiebel auf den Tisch." Sofort macht Capataz sich mit  "ausgehungerter Gier" …"an dieses Bettlermahl".4

In Cervantes "Sämtlichen Werken" versucht Don Quichote seinen Diener Sancho zu überreden, mit ihm an die kaiserliche Tafel zu kommen. Doch Sancho isst lieber "Brot und Zwiebel" als seine Freiheit am kaiserlichen Hofe beschränkt zu sehen.

"Großen Dank" versetzte Sancho, "indes muß ich Euer Gnaden sagen, daß ich, wenn ich einmal etwas zu essen habe, eben so gern und noch lieber, stehend und für mich allein esse, als sitzend an der Seite eines Kaisers. Und wenn ich die reine Wahrheit sagen soll so schmeckt mir da, was ich in meinem Winkel, ohne Zwang und Ziererei essen kann, und wäre es auch nur Brot und eine Zwiebel, weit besser, als ein welscher Hahn an fremdem Tische, wo ich nur nach und nach essen und wenig trinken darf, mich abwischen muß, weder niesen noch husten darf, wenn es mir ankommt, noch andere Dinge thun, welche Alleinfeyn und Freiheit mit sich führen."

Die Zwiebel und ihr Geruch

Es gibt etliche Sprichwörter, die auf den Geruch der Zwiebel anspielen. Er galt wohl zu keiner Zeit als angenehm.

"Nach Knoblauch riecht der eine, der andere nach Zwiebeln." Meint, dass jeder irgendwie ein wenig streng riecht. In Zeiten, als die tägliche Dusche nicht üblich war, sicher eine zutreffende Feststellung.

Hier ein Tipp, wenn auch nicht gerade eine Lösung des Geruchsproblems, das Zwiebel & Co so verursachen:

"Wenn du den Porree liebst, aber seinen Geruch nicht magst, iß Zwiebeln, und du wirst den Porree nicht riechen. Wenn du den Geruch von Zwiebeln loswerden willst, iß Knoblauch …"1

Zwiebelwitz

Frizchen: "Ich glaub` ich hab ein Portemonnaie aus Zwiebelleder!”

Klaus: "Wieso?"

Fritzchen: "Na, immer, wenn ich hineinschaue, kommen mir die Tränen."


Quellen

  • 1Steinmann, Sabine: Bornaer Zwiebelbuch [Book]. - Borna : Rat des Kreises Bornau, 1987.
  • 2Kurt Tucholsky: Schloß Gripsholm [Online] - Zur Quelle.
  • 3Friedrich Wilhelm Hackländer: Reise in den Orient – Zweiter Band [Online] - ZurQuelle .
  • 4Joseph Conrad: Nostromo [Online] - Zur Quelle.