Biochemisches und die Zwiebel in der Heilkunde
Biochemisches: Die Zwiebel als Nährstoff- und Vitaminlieferant
Die Zwiebel ist ein recht nahrhaftes Gewürz, denn sie enthält bis zu 10 Prozent Zucker. Das macht 40 Kilokalorien auf 100 Gramm. 100 Gramm von der Küchenzwiebel enthalten aber noch mehr, nämlich 88 Gramm Wasser, 1,3 Gramm Eiweiß und 0,8 Gramm Rohfaser. Es finden sich auch reichlich Mineralstoffe, wie zum Beispiel Natrium, Kalium, Magnesium, Kalzium, Phospor und Eisen. Vitamine sind in der Zwiebel natürlich auch enthalten, konkret die Vitamine A, B, C, E und P.1
Die Gewürzhaftigkeit der Küchenzwiebel beruht auf ihrem ätherischen Öl, das größtenteils aus Schwefelverbindungen besteht. Diese Schwefelverbindungen, höchstwahrscheinlich Thiopropanal-S-oxid (CH3–CH2–C(SO)H), verursachen auch die Tränen. Sie bilden sich bei Verletzung der Zwiebelhaut unter Mitwirkung von Enzymen. Der diesem Prozess zugrunde liegende Mechanismus läuft ähnlich wie beim Knoblauch ab. Alliin und Allicin sind zentrale Wirkstoffe im Knoblauch, seine nahe Verwandte die Küchenzwiebel enthält sie ebenfalls.2
Sogar die rote Farbe mancher Zwiebeltypen kann die Wissenschaft erklären. Sie geht auf Anthocyanine (z.B. Cyanin-malonylglucoside) zurück, die in Konzentrationen bis zu 200 ppm vorliegen.3
Zwiebel in der Volksheilkunde
Die Zwiebel ist aus der Volksheilkunde gar nicht wegzudenken. Ihre Verwendung in der Heilkunde braucht, hinsichtlich der Mannigfaltigkeit der Anwendungsgebiete, den Vergleich mit ihrem Status als Universalgewürz für die Küche, nicht zu scheuen. Die heilenden Kräfte der Zwiebel ähneln denen des Knoblauchs, schließlich stammen auch beide aus einer Familie.
Hildegard von Bingen empfiehlt die Zwiebel "für solche die an Schüttelfrösten leiden oder Fieber oder Gicht haben, ist sie gekocht (besonders) gut."4 und im Jahre 1834 schreibt Karl Sigismund Kunth über die Zwiebel: "sie wirkt …antiscorbutisch, harn- und wurmtreibend, äußerlich aufgelegt rötet sie die Haut."5 Heute wird ihr noch einiges mehr an Kräften zugeschrieben. Besonders über ihre schleimlösende Wirkung scheint damals wenig bekannt gewesen zu sein.
Die Zwiebel, die Magensäfte und der Nierenstein
Die Zwiebel fördert die Sekretion im Magen und Darm, sie regt den Appetit und die Verdauung an, auch die Nieren arbeiten durch die verstärkte Säftebildung besser. Das Anregen der Nieren wirkt harntreibend, daher kann die Zwiebel helfen Nierensteine und Nierengries zu beseitigen.
Das ätherische Öl der Zwiebel hat die Eigenschaft Bakterien zu töten. Die Zwiebel kann als Antiseptikum anormale Darmflora vernichten, die die Ursache starker kolikartiger Bauchschmerzen sein kann.2, 6
Viele Bücher empfehlen die Zwiebel für eine gesunde Magen- und Darmflora. Hildegard von Bingen, die mittelalterliche Koryphäe auf dem Gebiet der Heilkunde ist anderer Meinung:
"Sie hat nicht die richtige Wärme, sondern eine heftige Feuchte …Roh gegessen ist die Zwiebel so schädlich und giftig wie der Saft von Unkräutern; gekocht ist sie gesund, weil durch die Feuererhitzung die in ihr vorhandenen Schädlichkeiten gemindert werden. …Den Magenkranken macht sie roh wie auch gekocht Schmerzen, weil sie zu feucht ist." (Strehlow, 1997), S. 163
Es ist also Vorsicht geboten! Wer sich der heilenden Zwecke der Zwiebel bedient, sollte sorgsam zwischen Schmerzen im Magen und Bauchschmerz unterscheiden: bei ersterem - dass hat wohl jeder schon erfahren - ist die Zwiebel schlecht verträglich, bei letzterem hingegen mag sie ganz hilfreich sein. Sicher wird die Wissenschaft eines Tages ein letztes Wort zum Kapitel "die Zwiebel und der Magen" sprechen.
Die Zwiebel bei Erkältungskrankheiten
Die Zwiebel wirkt stark schleimlösend, daher wird sie heute hauptsächlich bei allen Erkältungskrankheiten, von Husten und Schnupfen über Bronchitis bis hin zum Asthma, eingesetzt. Der Zwiebelsaft verfügt nämlich über die Fähigkeit, die in den Bronchien festsitzenden Schleimpfropfen zu lösen. Das erleichtert das Abhusten. Es gibt die verschiedensten Rezepte, um die Heilkräfte der Zwiebel zu nutzen, zum Beispiel Wickel, Inhaltionen oder Zwiebelsaft.
Heisse Zwiebelinhalation
Der Erkrankte sollte unter ständigem Rühren viele klein geschnittene Zwiebeln in Wasser so lange kochen, bis kein Zwiebelgeruch mehr zu spüren ist. Dabei soll der frische Zwiebeldunst eingeatmet werden. Vom entstehenden Mus sollten 3 - 5mal täglich ein Teelöffel genommen werden.2
Zwiebelhustensaft
Man reibe ein bis zwei Zwiebeln und gebe zu diesem Brei etwa fünfmal so viel Zucker oder auch Honig hinzu. Das Ganze ca. 10 Minuten durchziehen lassen. Diese Naturmedizin wird dann teelöffelweise im Verlauf des Tages eingenommen. Als auswurfförderndes Mittel wird Erleichterung bei Husten und Heiserkeit erzielt.1
Äussere Anwendungen der Zwiebel
Äußerlich angewandt leistet die Zwiebel hervorragende Arbeit bei Insektenstichen, Sonnenbrand oder Wunden, denn die Wirkstoffe der Zwiebel können durch die Feuchtigkeit der frischen Scheiben tief in die Hautoberfläche eindringen. Dank ihrer antiseptischen und schleimlösenden Wirkungen kann die Zwiebel auch gegen innere Entzündungen, wie beispielsweise Bronchitis und Lungenentzündung, als Wickel oder roh aufgelegt, angewandt werden.
Zwiebelwickel
Für einen Zwiebelwickel werden die die rohen Scheiben auf ein Tuch gelegt. Die betroffenen Stellen werden damit umwickelt. Der Wickel muss längere Zeit einwirken und die Behandlung muss mehrmals täglich wiederholt werden. Der Zwiebelwickel ist wirksam bei starkem Husten, aber auch bei anderen Reizungen und Entzündungen des Unterhautgewebes, wozu Sonnenbrand, Erfrierungen, Eiterherde und Furunkel zählen.2
Zwiebelsäckchen bei Gicht
Wer unter Gicht leidet, sollte sich vor dem Zubettgehen Hände und Füße mit roher Zwiebel einreiben. Gleichzeitig sollte er sich ins Genick und auf besonders schmerzende Stellen Säckchen mit frisch geschnittener Zwiebel legen. Die Zwiebelsäckchen leiten den starken Schmerz ab.2
Zwiebelscheiben bei Insektenstichen
Bei frischen Insektenstichen wird direkt auf die Einstichstelle eine Scheibe frischer Zwiebel gebunden. Meist vergehen die Schmerzen und auch die Schwellung hält sich in Grenzen. Jedoch muss zuvor, möglichst gleich nach dem Stich, unbedingt der Insektenstachel entfernt werden.2
Zwiebelscheiben bei Warzen
Wer störende oder gar schmerzende Dornwarzen hat sollte ein Stück Zwiebel mit etwas Salz bestreut über Nacht auf die betroffene Stelle binden. Sehr oft verschwindet die Warze nach kurzer Zeit von alleine oder sie kann entfernt werden, da sie sich durch den Verband aus der Unterhaut gelöst hat.2
Die Zwiebel, das Blut und die Nerven
Die Zwiebel reinigt das Blut, stärkt die Nerven und den Kreislauf. Sie ist in der Lage, den Blutdruck und den Blutzucker zu senken. Auch wird ihr eine Wirkung auf die roten Blutkörperchen nachgesagt – ganz so wie auch dem Knoblauch, daher sei an dieser Stelle auf ihn verwiesen: Knoblauch in der Heilkunde
Quellen
- 1Steinmann, Sabine: Bornaer Zwiebelbuch [Book]. - Borna : Rat des Kreises Bornau, 1987.
- 2Pukownik, Peter: Kleine Hausapotheke Gottes [Book]. - [s.l.] : Südwest
- 3Katzer, Gernot: Gernot Katzer's Gewürzseiten [Online]. - Zur Quelle.
- 4Strehlow, Wighard: Die Ernährungstherapie der heiligen Hildegard: Rezepte Kuren und Diäten [Book]. - Freiburg im Breisgau : Verlag Hermann Bauer, 1997.
- 5Kunth, Karl Sigismund: Anleitung zur Kenntniss sämmtlicher in der Pharmacopoea Borussica aufgeführten officinellen Gewächse nach natürlichen Familien [Book]. - Original von Oxford University : Duncker und Humblot, 1834.
- 6Ernst, Ewald: Zwiebel, Porree und Lauch [Book]. - Berlin : Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin, 1973.

