Zwiebel im Lauf der Zeiten - Geschichte


Schon zwei oder drei Jahrtausende vor Christi Geburt war die Zwiebel den Menschen bekannt und wurde kultiviert.

China

Zuerst bauten wohl die Chinesen die Zwiebel an, kaum verwunderlich, existierte die chinesische Hochkultur doch schon weit vor der Antike. Vom alten China aus nahm sie den Weg über Indien in das Zweistromland.

Indien

In Indien selbst war die Zwiebel wenig beliebt. Im 7. Jahrhundert beschreibt der chinesische Reisende Xuan Zang sie als "Speise für niedere Kasten". Ihre heutige Beliebtheit in der indischen Küche hat sie erst durch den späteren arabischen Einfluss errungen.1

Mesopotamien und Babylon

Im Zweistromland war die Zwiebel zusammen mit anderen Lauchgewächsen ein äußerst prominentes Gewürz. Das sagen uns zumindest die "Yale Recipes", die schlicht ein altbabylonisches Kochbuch sind, geschrieben auf Tontafel, ungefähr 35 Rezepte beinhaltend, welches heute an der Universität von Yale aufbewahrt wird.

Ägypten

Außergewöhnlicher Beliebtheit hat sich die Zwiebel im alten Ägypten erfreut. Die Arbeiter an den klassischen Pyramiden wurden mit großen Mengen Zwiebeln versorgt. Eine gleich zweifach nützliche Maßnahme der Pharaonen, denn die Zwiebel ist doch, man bedenke ihren Zuckergehalt, ein Nahrungsmittel. Ihre antiseptischen Eigenschaften haben zugleich in den überbevölkerten Arbeiterquartieren manche Seuchen verhindert. Das Ausbleiben der Zwiebel- und Knoblauchlieferungen war für die ägyptischen Arbeiter dann auch ein Grund für den ersten bezeugten Streik in der Geschichte. Im alten Ägypten lernte die Israeliten die Zwiebel kennen und schätzen. Bezeugt wird das im Alten Testament. Dort murren die Israeliten auf ihrer Flucht aus Ägypten "daß sie nicht bei den fleischtöpfen, bei den zwibeln und knoblauch in Egipto (Ägypten) geblieben geblieben waren …".2 Archäologische Funde zeigen jedoch, dass die Zwiebel damals auch schon längst im Heiligen Land bekannt gewesen sein muss.3

Antike: Rom und Griechenland

Die Römer und die Griechen beschreiben die Zwiebel in vielfältigen Schriften genauestens.

Der im 4. Jahrhundert vor Christus lebende Theoprast schreibt gar fast jeder Gegend des alten Griechenlands eine eigene Zwiebelsorte zu. Berühmt waren die Sorten von Zypern und Kreta. Im antiken Griechenland wurden Zwiebeln von fliegenden Händlern auf der Straße verkauft. Besonders gefragt war bei den alten Griechen jedoch die ägyptische Zwiebel. Die große Beliebtheit dieser einen Sorte bei den Söhnen Hellas, erklärt vielleicht auch die biblische Sehnsucht der Israeliten nach der ägyptischen Sorte, obwohl es Zwiebeln doch auch in der neuen Heimat gab.

In den römischen Kochrezepten der Antike taucht die Zwiebel häufig auf. Bekannt ist, dass die Zwiebel im alten Rom in den Gärten angebaut wurde. Die Zwiebel war ein nahrhaftes und preiswertes Gemüse, fast jeder konnte es sich leisten. Zwiebelgeruch galt bald als gar nicht mehr vornehm, und verwies auf Zugehörigkeit zu den niederen Ständen, den Plebejern und Sklaven.

Den Römern, später auch den Italienern, kommt die Ehre zu, die Zwiebel über die Alpen gebracht und in Mitteleuropa verbreitet zu haben.

Mittelalter

Zur Zeit der Karolinger war sie als Gewürz- und Heilmittel bekannt und wegen ihrer Bekömmlichkeit geschätzt. Sie wurden vor allem bei Nierenproblemen und allgemeiner Säfteverderbnis eingesetzt.

Das Mittelalter war in tiefster Unwissenheit und im Aberglauben gefangen. Auch der Zwiebel wurden wegen ihres scharfen Geschmackes und ihrer medizinischen Wirkung übernatürliche Kräfte zugeschrieben. Verbreitet war der Aberglaube, durch das Aufhängen von drei weißen Zwiebeln an der Stalltür, das von Hexen ausgehende Unheil vom Vieh fernhalten zu können. Ein Aberglaube hat sich bis in die heutige Zeit retten können, das Zwiebelorakel. Für das Orakel werden in der Neujahrsnacht 12 Zwiebeln, die die 12 Monate darstellen, mit Salz bestreut. Am nächsten Morgen wird der Wetterbericht für das folgende Jahr abgelesen. War eine Zwiebel über Nacht trocken geworden, würde auch der Monat, den sie verkörperte, ein trockener werden.

Beginn der Neuzeit

In den nachfolgenden Jahrhunderten hatte die Zwiebel einen wichtigen Platz in der Küche, auch als Hausmittel wurde sie wohl immer genutzt. In Deutschland wurde immer Zwiebelanbau betrieben, zeitweise wurden deutsche Zwiebeln bis nach England exportiert. Der Zwiebelanbau selbst war für die Bauern und ihre Familien ein hartes und wenig einträgliches Geschäft. Zwischen 1900 und 1915 fiel der Preis für ein Zentner Zwiebeln in schlechten Jahren auf 50 Pfennig. Zwiebelanbau war ein Geschäft, von dem sich eine Bauernfamilie mehr schlecht als recht ernähren konnte. Die Zwiebelanbauern zählten zu den ärmsten unter den Bauern.

Heute werden Zwiebeln mit modernen landwirtschaftlichen Methoden angebaut. Trotz steigender Preise, zwischen 2005 und 2007 ist der Preis um fast 60 Prozent gestiegen, isst der Deutsche eher mehr als weniger Zwiebeln.

Quellen des Kapitels: 3, 4, 5


Quellen

  • 1Katzer, Gernot: Gernot Katzer's Gewürzseiten [Online]. - Zur Quelle.
  • 2Goetze, Jonny, Behm und Elinor: Die Kunst zu würzen [Book]. - München : Heimeran Verlag, 1956.
  • 3Küster, Hans Jörg: Wo der Pfeffer wächst - Ein Lexikon zur Kulturgeschichte der Gewürze [Book]. - München : C. H. Beckschen Verlagsbuchhandlung, 1987.
  • 4Ernst, Ewald: Zwiebel, Porree und Lauch [Book]. - Berlin : Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin, 1973.
  • 5Steinmann, Sabine: Bornaer Zwiebelbuch [Book]. - Borna : Rat des Kreises Bornau, 1987.