Vitamin A - Axerophtol, Retinol

Vitamin A wird auch Retinol oder veraltet Axerophthol genannt und gehört in die Gruppe der essentiellen, fettlöslichen Vitamine. Entdeckt wurde Vitamin A im Jahre 1913 von dem amerikanischen Biochemiker Elmer McCollum (1879-1967) und Marguerite Davis.

Der Organismus kann Vitamin A auf zwei verschiedene Weisen aufnehmen. Die eine Möglichkeit ist die Aufnahme durch tierische Produkte. Reines Vitamin A (Retinol) ist nur in tierischen Lebensmitteln enthalten und wird bei deren Verzehr direkt in den Stoffwechsel einbezogen.

Eine zweite Möglichkeit ist die Aufnahme durch pflanzliche Lebensmittel. Hier steht dem Körper Vitamin A in seiner Vorstufe, dem Provitamin A (Beta- Carotin), zur Verfügung. Das Beta- Carotin wird, bei Bedarf, in der Darmschleimhaut des Organismus in Vitamin A umgewandelt. Die Leber dient als Speicherorgan und versorgt den Organismus kontinuierlich mit dem lebensnotwendigen Vitamin A. Die Ausscheidung erfolgt über den Darm, die Galle und den Urin.

Vitamin A-Bedarf

Der tatsächliche Tagesbedarf an Vitamin A richtet sich nach dem Alter, dem Geschlecht und den individuellen Lebensumständen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt Männern eine tägliche Vitamin A- Zufuhr von 1,0 mg und Frauen die Dosis von 0,8 mg. Zwischen 240 mg und 540 mg Vitamin A kann der Körper in der Leber speichern. Dadurch ist er in der Lage, den Organismus mehrere Monate mit Vitamin A zu versorgen. Wird die Vitamin A- Versorgung überwiegend durch pflanzliche Carotine vorgenommen, erhöht sich die benötigte Beta- Carotinmenge. Der Grund dafür liegt in der Struktur der Carotine, die eine optimale Umwandlung in Vitamin A erschweren.

Äußere Faktoren wie Stress, eine Operation, chronische Erkrankungen, Aids, Krebs, Rauchen, Alkoholismus und bestimmte Medikamente (Antibiotika, Abführmittel) können eine erhöhte Vitamin A- Zufuhr erforderlich werden lassen. Jugendliche zwischen dem 13ten und 19ten Lebensjahr und Schwangere sowie stillende Frauen benötigen eine höhere Tagesmenge an Vitamin A. Diese sollte bei Schwangeren jedoch nicht mehr als 3 mg Vitamin A am Tag betragen, da eine höhere Dosierung zu Missbildungen des Fötus führen kann.

Wie wirkt Vitamin A

Vitamin A ist wichtig für die normale Zellteilung und für das Wachstum der Knochen. Es sorgt für ein funktionierendes Immunsystem und hält Haut sowie Schleimhäute gesund. Vitamin A wird für die Nervenzellen benötigt, ist für die Fortpflanzung unverzichtbar und fördert die Bildung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Auch für die Sehkraft des Auges ist Vitamin A unerlässlich, denn bei jedem Sehprozess benötigt das Auge Retinol. Eine wichtige Rolle spielen auch die nicht umgewandelten Carotine. Sie wirken antioxidativ und können das unkontrollierte Wachstum von Krebszellen hemmen.

Vitamin A-Lieferanten

Vitamin A ist ausschließlich in tierischen Lebensmitteln enthalten z.B. in Milch- und Milchprodukten, in Eigelb, einigen Fischsorten und vor allem in der Leber. In kräftig rot- orange oder grün gefärbten Obstsorten und Gemüsearten wie z.B. Orangen, Aprikosen und Pfirsichen, Broccoli, Spinat, Karotten, Mais und Bohnen kommen dagegen nur Beta- Carotine (Provitamine) vor, die der Körper, wenn erforderlich, in Vitamin A umgewandelt.

Da Vitamin A ein fettlösliches Vitamin ist, sollte es stets in Verbindung mit Fett verzehrt werden. Nur so kann das Retinol aufgeschlossen und vom Körper verwertet werden. Sauerstoff, Licht und längeres Kochen zerstören das essentielle Retinol.

Unterversorgung und Überdosierung

Bei einer ausgewogenen Ernährung und aufgrund der ausgezeichneten Speicherung von Vitamin A, tritt eine Unterversorgung (Hypovitaminose) in den industrialisierten Ländern nur selten ein. Erst bei einem länger anhaltenden Mangel an Vitamin A kommt es zu einer erhöhten Infektionsgefahr, zu Eisenmangel, einer verringerten Sehschärfe und Nachtblindheit. Haut- und Schleimhäute trocknen aus und der Betroffene neigt zu Haarausfall. Tast- und Geruchsinn sind beeinträchtigt und bei Kindern treten Störungen des Knochenwachstums auf. Ein Vitamin A- Mangel kann die Bildung des Hormons Testosteron verhindern und Fortpflanzungsstörungen verursachen.

Da Vitamin A nicht einfach ausgeschieden werden kann, besteht durchaus die Gefahr einer Überdosierung. Bei einer kurzfristigen Überdosierung (akute Hypervitaminose) kommt es zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Appetitlosigkeit. Bei einer langfristigen Überdosierung (chronische Hypervitaminose) treten ebenfalls Kopfschmerzen auf. Es kommt zu Haarausfall, die Haut wird rau und trocken und die Mundwinkel reißen ein. Häufig vergrößern sich Milz und Leber. Es treten Knochen- und Muskelschmerzen auf und es kommt zu einer Abnahme der Knochengewebsdichte (Osteoporose).