Vitamin B1

Vitamin B1, das auch Thiamin oder Aneurin genannt wird, ist ein wasserlösliches Vitamin aus der Gruppe der B- Vitamine und kommt in tierischen und pflanzlichen Nahrungsmitteln vor. Umgangssprachlich wird das Vitamin auch als „Stimmungsvitamin“ bezeichnet. Vitamin B1 ist essentiell und wird vom Körper nur in sehr geringer Menge und für wenige Tage gespeichert. Deshalb muss es ihm durch die Nahrung zugeführt werden. Vitamin B1 ist maßgeblich an der Weiterleitung der Nervenimpulse beteiligt. Es sorgt für eine störungsfreie Funktion der Muskeln und des Stoffwechsels.

Thiamin wurde als erstes B- Vitamin entdeckt. Der niederländischen Arzt Christiaan Eijkman (1858-1930) wies 1897 in Jakarta (Indonesien) einen Zusammenhang zwischen der Krankheit Beriberi (dt. Schafsgang) und den Essgewohnheiten der dortigen Bevölkerung nach. Diese ernährte sich überwiegend von weißem, geschältem Reis und verfütterte ihn auch an die Hühner. Mensch und Tiere erkrankten an Beriberi. Mit der vollwertigen Reiskleie, die nach dem Schälen des Reis’ zurückblieb, fütterte Dr. Eijkman die erkrankten Hühner, die daraufhin bereits nach kurzer Zeit gesundeten. Im Jahre 1912 gelang es dem polnischen Biochemiker Casimir Funk, aus Reiskleie einen Stoff zu isolieren, der die Krankheit Beriberi heilen konnte. Bei diesem Stoff handelte es sich um das heutige Vitamin B1.

Vitamin B1-Bedarf

Der Bedarf an Vitamin B 1 ist eng mit dem Energiestoffwechsel verbunden. Menschen, die schwere körperliche Arbeit ausüben, Leistungssport betreiben oder Dauerstress ausgesetzt sind, benötigen eine höhere Tagesdosis an Vitamin B1. Da Alkohol die Thiaminaufnahme erheblich vermindert, muss bei vorliegendem Alkoholismus die Tagesmenge ebenfalls erhöht werden. Auch Schwangere und Kinder in der Wachstumsphase benötigen mehr Vitamin B1.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Frauen eine Tagesmenge von 1,0 mg. Männer zwischen dem 25sten und 51sten Lebensjahr benötigen mindestens 1,3 mg, zwischen dem 51sten und 65sten Lebensjahr 1,1 mg und ab einem Alter von 65 Jahren 1,0 mg Vitamin B1. Durch eine ausgewogene Ernährung kann ein Vitamin B1- Mangel verhindert werden.

Wie wirkt Vitamin B1

Über den Darm und den Blutkreislauf gelangt das Thiamin in den gesamten Organismus, wo es für kurze Zeit gespeichert werden kann. Vitamin B1 wird für den Kohlenhydratstoffwechsel benötigt, fördert so die Energiegewinnung und versorgt auf diese Weise Gehirn, Nervensystem, Muskeln, Organe und Gewebe.

Während Vitamin B1 aus pflanzlichen Nahrungsquellen direkt vom Organismus verwertet werden kann, muss das Thiamin aus tierischen Vitamin B1-Lieferanten durch Enzyme aufgespalten werden. Nur dann kann der Körper das Vitamin B1 resorbieren. Vitamin B1 verhindert außerdem die Entstehung giftiger Nebenprodukte beim Stoffwechsel, die das Nervensystem und das Herz schädigen könnten.

Vitamin B1-Lieferanten

Die weltweit wichtigsten Vitamin B1- Lieferanten sind Getreide und Reis, vorausgesetzt, es werden Vollkornprodukte und ungeschälter, naturbelassener Reis verzehrt. Sehr gute Thiamin- Quellen sind z.B. Kartoffeln und grünes Gemüse, Hülsenfrüchte, Sonnenblumenkerne und Backhefe. Auch durch den Verzehr von Erdnüssen und Champignons wird der Körper mit Thiamin versorgt.

Bei den tierischen Vitamin B1- Quellen steht Rind-, Schweine- und Hühnerfleisch zur Verfügung. Wertvolle Lieferanten zur Deckung des Tagesbedarfs sind außerdem Thunfisch und Rotbarsch. Da Vitamin B1 hitzeempfindlich ist und durch langes Kochen zerstört wird, sollte die Nahrung schonend gegart werden. Auch durch längere Lagerzeiten der pflanzlichen Lebensmittel geht wertvolles Thiamin verloren.

Unterversorgung und Überdosierung

Eine Unterversorgung mit Thiamin ist zwar relativ selten, kann jedoch durch eine Fehl- oder Mangelernährung (Diäten, hoher Zucker- und Weißmehlverzehr) verursacht werden. Auftretende Symptome sind Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Depressionen und ein Nachlassen der Gedächtnisleistung. Es kann zu Wadenkrämpfen, Bewegungs- und Empfindungsstörungen, Nervosität und Schlafstörungen kommen. Im extremen Fällen treten das Korsakow- Syndrom (Form der Amnesie) oder die Beriberi- Krankheit auf. Beriberi ist eine komplexe Vitaminmangelerkrankung, die den gesamten Organismus schädigt.

Eine Überdosierung des Vitamin B1 ist kaum möglich, da das überschüssige Vitamin über die Nieren ausgeschieden wird. Nur bei einer lang andauernden medizinischen Behandlung mit Vitamin B1 kann es zu einer Überdosierung kommen. Anzeichen dafür sind Schweißausbrüche, Magenbeschwerden, Kopfschmerzen und unregelmäßiger Herzschlag. Gelegentlich treten Hautreaktionen und Juckreiz auf. Behandelt wird ein Überschuss, indem die Vitamin B1- Einnahme reduziert wird.