Vitamin B6

Das wasserlösliche, essentielle Vitamin B6 (chemisch: Pyridoxin und sinnverwandt: Adermin), ist ein Vitamin aus der Gruppe der B-Vitamine. Pyridoxol, Pyridoxin, Pyridoxamin, und Pyridoxal sind natürlich vorkommende Formen, die unter dem Namen Vitamin B6 zusammengefasst werden. Vitamin B6 dient als Vorstufe für Coenzyme, die in Verbindung mit Enzymen für lebenswichtige Stoffwechselvorgänge im menschlichen Körper zuständig sind. Pyridoxin wird vor allem für den Aminosäurestoffwechsel benötigt.

Vitamin B6 wurde relativ spät entdeckt. Erst im Jahre 1934 gelang es Paul György, die Struktur von Vitamin B6 aufzuklären und das Vitamin aus Reiskleie zu isolieren. Im Jahre 1938 konnte Pyridoxin zum ersten Mal kristallin dargestellt werden.

Vitamin B6-Bedarf

Da Vitamin B6 für den Eiweißstoffwechsel benötigt wird, ist der individuelle Bedarf stets vom Proteinumsatz (Eiweißumsatz) abhängig. Je mehr Eiweiß aufgenommen wird, desto höher muss dem zufolge die Vitamin B6-Zufuhr sein. Vitamin B6 ist essentiell und muss dem Körper durch entsprechende Nahrung zugeführt werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Frauen, täglich 1,2 mg Vitamin B6 zu sich zu nehmen. Männer benötigen 1,6 mg und ab dem 65sten Lebensjahr 1,4 mg am Tag. Schwangere, Stillende und Personen, die z.B. Tuberkulosemittel oder Antidepressiva einnehmen, benötigen u. U. eine höhere Vitamin B6- Zufuhr. Bei Alkoholismus und auch bei einigen Diäten kann ebenfalls eine erhöhte Menge an Pyridoxin erforderlich werden.

Wie wirkt Vitamin B6

Vitamin B6 wird für den Ab- und Aufbau von Aminosäuren benötigt. Es ist erforderlich für das Nervensystem, die Bildung des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) und für ein starkes Immunsystem. Vitamin B6 ist wichtig für Herz, Gehirn und Leber. Es übernimmt notwendige Funktionen während des Wachstums, sorgt für eine gute Eisenaufnahme ins Blut und wirkt mit bei der Bildung von Gallensäuren. Außerdem baut es die Aminosäure Homocystein ab. Sie wird vom Körper selbst gebildet und kann Herz- und Kreislauferkrankungen hervorrufen.

Vitamin B6-Lieferanten

Vitamin B6 ist in fast allen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln geringfügig enthalten. Größere Mengen kommen in Sojabohnen, Leber und Geflügel, grünen Gemüsesorten wie z.B. Wirsing, Grünkohl und Rosenkohl vor. Auch Schweinefleisch, Fisch, Vollkornprodukte, Kartoffeln, Nüsse, Hefe und Bananen sind sehr gute Vitamin B6- Lieferanten. Da Vitamin B6 wasserlöslich und lichtempfindlich ist, sollte Gemüse unzerkleinert gewaschen und möglichst vitaminschonend gedünstet werden. Vitamin B6 aus tierischen Nahrungsquellen wird direkt vom menschlichen Darm resorbiert und kann so vom Körper sofort verwertet werden. Pyridoxin aus pflanzlichen Nahrungsmitteln muss erst noch für die Aufnahme im menschlichen Organismus umgebaut werden.

Unterversorgung und Überversorgung

Eine Unterversorgung (Hypovitaminose) mit Vitamin B6 ist relativ selten. Durch eine abwechslungsreiche, ausgewogene und möglichst vollwertige Ernährung kann der tägliche Bedarf durchaus gedeckt werden. Trotzdem können Fehl- oder Mangelernährung, Krankheiten des Magen- Darmtraktes, übermäßiger Alkoholkonsum und andere Lebensumstände zu einer Unterversorgung führen. Anzeichen eines Vitamin B6- Mangels sind Entzündungen und Veränderungen der Haut, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Appetitlosigkeit und depressive Stimmungen. Weitere Symptome sind ein Nachlassen der Leistungsfähigkeit und zunehmende Reizbarkeit. Es kann zu Blutarmut (Anämie), zu Atembeschwerden, neurologischen Störungen und zu Nervenschädigungen kommen.

Eine Überdosierung (Hypervitaminose) von Vitamin B6 ist durch die Nahrungsaufnahme nicht möglich. Von einer chronischen Hypervitaminose wird gesprochen, wenn täglich mehr als 500 mg Vitamin B6 aufgenommen werden. Das kann jedoch nur durch die Einnahme von Nahrungsergänzungen (Supplemente) entstehen. Durch extrem hohe Vitamin B6- Aufnahmen können Nerven geschädigt werden und es können Gangstörungen auftreten. Tastsinn und Temperaturempfinden werden beeinträchtigt und es kommt zu entzündlichen Hautreaktionen (Dermatitis). Die Beschwerden gehen in der Regel zurück, sobald die Einnahme von Pyridoxin eingestellt wird.