Kräuter und Gewürze im klassischen botanischen System

Jedes Würzkraut, jedes einzelne Gewürz, das wir kennen, hat zuerst einmal einen botanischen Namen, welcher es beschreibt und ihm seinem Platz im botanischen System zuweist: so heißt beispielsweise der echte Pfeffer "Piper nigrum", Vanille wird "Vanilla planifolia" genannt und der Anis hat den Namen  "Pimpinella anisum".  Das heute gebräuchliche biologischen System ist in seinen Grundzügen von dem schwedischen Botaniker Carl von Linnè (1707 – 1778) geschaffen worden, der in seinem 1735 erschienen Werk "Systema natura" erstmals alle damals bekannten Pflanzenarten in 24 Klassen einteilte und ihnen jeweils 2 Namen gab. (Autoren) Mittlerweile ist aus- und umgebaut worden. Das "botanische System" ist jetzt ein ausgesprochen komplexes Gebilde, das ständig weiterentwickelt wird.  Es wird zumeist  als "Systematik der Biologie" bezeichnet und beschäftigt eine eigene wissenschaftliche Disziplin, die sich "Biosystematik" nennt.

Reich

Von oben nach unten beschrieben hat das klassische System folgenden Aufbau: Zuerst kommt das "Reich" (lat. regnum), dieses ist im Falle der Gewürze das Pflanzenreich (lat. plantae).

Abteilung oder Stamm

Die nächsttiefere Einheit ist die "Abteilung" (lat. division), Eigentlich kommt nach der Abteilung die botanische Kategorie "Stamm", doch im Pflanzenreich werden Abteilung und Stamm meist zusammengefasst. Dieses Vorgehen stiftet für botanischen Laien oft große Verwirrung.

Klar ist zumindest: alle unsere Kräuter und Gewürze gehören in die Abteilung der Samenpflanzen, lateinisch mit "Spermatophyta" bezeichnet. Oft werden von den Botanikern dann noch Unterabteilungen gebildet, auf anderen Stufen Unterordnungen oder Unterfamilien, um die Vielzahl dessen, was wächst, besser katalogisieren zu können. Darauf an dieser Stelle einzugehen würde zu sehr in die Tiefen der Botanik entführen.

Klasse

Auf die Abteilung folgt in der Botanik die Klasse. In der Klasse (lat. classis) wird zumeist etwas genauer beschrieben, was die einzelnen Pflanzen ausmacht, ob sie beispielsweise ein- oder zweikeimblättrig sind.

Ordnung

Nach der Klasse wird es schon recht konkret, es folgt die botanische Kategorie Ordnung (lat. ordo). Die hier beschriebenen Kräuter und Gewürze gehören in unterschiedliche Klassen, wie zum Beispiel der Chili in die Ordnung der "Nachtschattenartigen" (lat. Solanales) oder in die Ordnung der "Pfefferartigen" (lat. Piperales) wie es beim Pfeffer der Fall ist.

Familie

Die rangtiefere Stufe nach Ordnung im System ist die der botanischen Familie (lat. familia). Im Falle von Chili heißt die Ordnung "Solanaceae", das sind die "Nachtschattengewächse" und im Falle von Pfeffer wird die Familie lateinisch "Piperaceae" und auf deutsch einfach "Pfeffergewächse" genannt. Ordnung und Familie unterscheiden sich im systematisch in ihrer Endung. Die Endung "–ales" verweist auf die botanische Einheit Ordnung, die Endung "–aceae" auf die Familie. Warum die Differenzierung zwischen Ordnung und Familie nötig war, leuchtet dem Laien nicht leicht ein, kann hier jedoch nicht vertieft werden und muss wohl so hingenommen werden.

Gattung und Artname

Nach der Klasse geht es nur noch zwei botanische Stufen hinab: die erste ist die Gattung und die letzte dann die Art. Hier wird es interessant, denn die Funktion von  Gattungsnamen und Artnamen ist es, eine Pflanze wissenschaftlich einheitlich zu bezeichnen. Erst beide Namen zusammen und zwar immer in der Reihenfolge "Gattungsname, Artname"  - und dann zumeist lateinisch bezeichnet - lassen eine Pflanze, also auch  unsere Kräuter und Gewürze, innerhalb des botanischen Systems lebendig werden. Nur durch diesen Namen ist die eindeutige Zuordnung und Beschreibung jeder Pflanze erst möglich.  Die Gattung bezeichnet immer noch eine Obergruppe, im Falle von Chili heißt die Gattung Capsicum, im Falle von Basilikum hingegen "Ocimum". Erst der die Zusammenstellung "Gattungsname, Artname"  bildet den eigentlichen Namen für ein Kraut oder ein Gewürz.

Die Art - kleinste botanische Einheit

Zumeist gibt es nämlich innerhalb einer Gattung noch verschiedene Arten, in Falle von Chili sind das zum Beispiel die Arten "Capsicum annuum" und "Capsicum frutescens". Da taucht die Frage auf, was eigentlich eine Art von einer anderen Art unterscheidet, oder anders gefragt: Warum gehören Chili und Pfeffer nicht zu einer Art, obwohl beide scharf sind und nur in tropischen Gefilden wachsen?
Die Art wird in der Botanik als die kleinste Einheit im botanischen System beschrieben. In einer Art werden alle Pflanzen zusammengefasst, die in mehreren wesentlichen Merkmalen überstimmen, deren Anlagen vererbt werden, die gemeinsamer Abstammung sind und miteinander fruchtbare Nachkommen hervorbringen. (Autoren)

Am Ende dieses kleinen Grundkurses in Botanik bleibt also die Erkenntnis, dass Pfeffer und Chili  unterschiedlicher Art sind, da sie sich zwar untereinander aber nicht miteinander kreuzen lassen. Bestäubt man Chili-Pflanze mit dem Samen einer Pfefferpflanze, gibt es eben keine kleinen Chili-Pfeffer-Pflänzchen.  Eine Tatsache die Kolumbus, und auch der mitreisende Botaniker Alvarez Chanca, leider nicht bemerkten, als sie Chilipflanze mit nach Europa brachten und als "Pfeffer", beziehungsweise "spanischen Pfeffer" bezeichneten.  Vielleicht war dieser Irrtum - der für reichlich Verwirrung in den europäischen Sprachen sorgte -  auch einzig der Tatsache geschuldet, dass die beiden das faszinierende botanische System noch gar nicht kannten, denn es wurde ja erst 238 Jahre nach diesem historischen Irrtum von Linnè veröffentlicht.

Siehe auch Kräuter und Gewürze laut Systematik der Nutzpflanzen.