Bärlauch heute: Renaissance einer einheimischen Wildpflanze


Hinsichtlich der schriftlichen Überlieferung war es nach dem 16. Jahrhundert für eine lange Zeit sehr still um den Bärlauch. Inwieweit das Wissen über die Pflanze in der mündlichen Überlieferung weiterlebte, weiß man heute nicht mehr. Traditionen wie das "Ramschelfest" zur Walpurgisnacht deuten darauf hin, dass die Pflanze nicht in Vergessenheit geriet.

Erst um 1900 entdeckte die Bewegung der Romantik die mündlichen Überlieferungen des Volkes von Neuem, so auch die über die Pflanzenheilkunde. Der Kräuterpfarrer Johann Künzle (1857-1945) schreibt über den Bärlauch nur Positives: "Wohl kein Kraut der Erde ist so wirksam zur Reinigung von Magen, Gedärmen und Blut wie der Bärlauch." Die heutige Medizin bestätigt Künzles Beschreibung.

Jedoch auch ohne den Segen der Wissenschaft abzuwarten, hat der Bärlauch in letzter Zeit in unsere Küchen und Restaurants erobert. Wer ihn heutzutage zu gebrauchen versteht, kocht modern.1, 2

Wer einmal wilden Bärlauch im Frühling auf einer Waldwiese gesehen hat, versteht sicher auch, wie es dazu gekommen ist:

"Hier hat der Regen den Frühling nicht ertränkt, hier hat er ihn erfrischt. An jeder Knospe hängt ein Glitzertropfen, in jedem Blattquirl liegt eine Schimmerperle; warm und feucht, wie in einem Treibhause, ist hier die Luft. Und so weiß der Aaronstab gar nicht, wie üppig er wachsen soll; die Knabenkräuter spreizen saftige Blattrosetten, das Labkraut strotzt vor Kraft, der Bärlauch von Frische, das böse Bingelkraut sucht die Türkenbundschosse tot zu machen, den zierlichen Hasenklee und den blanken Haselwurz."3


Quellen

  • 1Boss-Teichmann, Claudia: Bärlauch: vielseitig-köstlich-gesund [Book]. - [s.l.] : Ulmer.
  • 2Claudia Boss-Teichmann, Thomas Richter: Bärlauch und Knoblauch [Book]. - [s.l.] : Eugen Ulmer GmbH & Co KG, 2002.
  • 3Löns, Hermann: Heimatliche Naturbilder - Da draußen vor dem Tore [Online]. - Zur Quelle .