Der Bärlauch in der Botanik


Geographische Verbreitung

Der Bärlauch wächst in fast ganz Nord- und Mitteleuropa sowie in Nordasien: von Kleinasien über den Kaukasus bis zur Halbinsel Kamschatka. In heißen und trockenen Gegenden fehlt er völlig. Bärlauch wächst nicht in der ungarischen Tiefebene und auch nicht in den immergrünen Regionen des Mittelmeeres. Der Grund dafür ist, die Pflanze braucht ständig Feuchtigkeit, um zu gedeihen. Man bemerkt diese Eigenschaft auch am gepflückten Blatt: es verwelkt sehr schnell, wenn es nicht feucht gehalten wird. In Deutschland ist der Bärlauch häufig in den Mittelgebirgen, sowie in Süd- und Mitteldeutschland anzutreffen. In den nördlichen Teilen Deutschland werden Bärlauch-Standorte eher seltener und in der norddeutschen Tiefebene fehlt er ganz.1

Standorte im Wald

Es gibt regelrechte Bärlauch-Wiesen in der freien Natur. Der bevorzugte Standort des "Waldknoblauchs" sind feuchte, humusreiche Laubwälder, von Bächen durchzogene Schluchten und Auen. Buchenwälder zieht er anderen Wäldern vor, im trockenen Kiefernwald ist er praktisch nicht anzutreffen. In der Nähe von Bärlauch finden sich oft die Rotbuche, Buschwindröschen, Schlüsselblumen und das Maiglöckchen. Das Maiglöckchen ähnelt dem Bärlauch fast zum Verwechseln, dazu jedoch später mehr.

Beschreibung der Pflanze

Der Bärlauch sprießt im Frühling mit einem Blatt, bald folgt das zweite Blatt. Ende April bildet die Pflanze weiße Blüten, die von einem Stängel getragen werden. Die Stängel werden zwischen 25 cm und 30 cm hoch. Die Blüten wachsen sternförmig und bilden eine schneeweiße, kugelige Blumenkrone. Später werden aus den Blüten Samen gebildet, die von einer kleinen grünen Samenhülle umgeben sind. Vorausgesetzt die Bedingungen sind günstig, keimen die Samen im nächsten Jahr. Die Wurzel des wilden Lauchs sprießt aus einer Zwiebel und besteht aus kurzen Wurzelfasern.2 Die Bärlauchzwiebel selbst ist lang und weiß und ist "wie ein kleiner junger Garten-Knoblauch anzusehen", womit Tabernaemontanus wohl auf ihre Ähnlichkeit der mit der Frühlingszwiebel anspielt.3

Die Familie der Pflanze und ihre Verwandten

Der Bärlauch ist eine ausdauernde, mehrjährige Zwiebelpflanze und gehört heute zur Familie der Lauchgewächse (Alliaceae), die wiederum zur Art der lilienähnlichen Gewächse (Liliidae) gehört. Vor nicht allzu langer Zeit gehörte Bärlauch noch zur Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Jedoch auch in der Botanik wird neusortiert. So wanderte der Bärlauch vor kurzem von den Liliengewächsen (Liliaceae) zu den Lauchgewächsen (Alliaceae) über. Aber seine engsten Verwandten hat der Bärlauch behalten, zu seiner Familie gehören Zwiebel, Knoblauch und Lauch.1

Knoblauch (Allium sativum)

Der Knoblauch ist eine der ältesten Kulturpflanzen. Knoblauch wurde als Gemüse, Gewürz und Heilpflanze geschätzt. An ihm scheiden sich die Geister: die einen lieben ihn als Gewürz und Medizin, die anderen verabscheuen seinen Geruch. Jedoch bestreitet keiner seine herausragende Bedeutung in der Küche und für die Gesundheit, gerade auch bei Vorbeugung und Besserung etlicher "Zivilisationskrankheiten".

Küchenzwiebel (Allium cepa)

Die Zwiebel, schon vor über 5000 Jahren eine der bedeutendsten Gemüse- und Heilpflanzen, ist auch heute eine unentbehrliche Grundzutat in der Küche.

Schnittlauch (Allium schoenoprasum)

Der Schnittlauch kommt aus Asien und wird in Europa erst seit 1200 nach Chr. kultiviert. Trotz seiner kräutergeschichtlich kurzen Bekanntheit in Europa, ist er zu einem der beliebtesten Küchenkräuter geworden.

Frühlingszwiebel (Allim fistulosum)

Die Frühlingszwiebel ist die zarte Verwandte der Küchenzwiebel. Ursprünglich ist sie in Zentralasien heimisch, mittlerweile bei uns jedoch das ganze Jahr und nicht nur im Frühling, erhältlich, wie der Name eigentlich vermuten lassen würde.

Schnittknoblauch alias Chinesischer Lauch (Allium tuberosum)

Das Chinalauch, erst vor wenigen Jahren aus Südasien eingeführt, ist nah mit dem Schnittlauch verwandt und treibt dicke hohle Schlotten, die flach wie Grashalme sind. Man verwendet dieses Lauch, das nach Knoblauch schmeckt, als angenehme Salatwürze. Der hohe Gehalt an Blattgrün (Chlorophyll) beugt einer "Knoblauchfahne" vor.4

Anbau von Bärlauch im Garten

Der Bärlauch gedeiht prächtig im Garten. Wenn der Standort stimmt bedarf die Pflanze so gut wie gar keiner Pflege. Idealerweise sollte der Boden humusreich, basisch, tiefgründig und nicht zu trocken und nicht zu feucht sein. Die Pflanze benötigt einen halbschattigen Platz, zum Beispiel unter Laubgehölzen oder unter einer Hecke aus Sträuchern, die ihr Laub abwerfen. Bärlauchpflänzchen, für die Anpflanzung im Frühjahr, kann man in Gärtnereien erwerben. Man pflanzt den Bärlauch entweder im Abstand von etwa 10 cm nebeneinander, oder man bildet Gruppen von drei bis fünf Pflanzen. Der Abstand zwischen den Gruppen sollte etwa 30 cm betragen. Nach dem Pflanzen muss gründlich gewässert werden. Bärlauch kann auch aus den Zwiebeln und Samen der Pflanze gezogen werden. Der Bärlauch ist ein Kaltkeimer und benötigt Frost damit der Keimvorgang ausgelöst wird. Daher werden die Zwiebeln im Herbst gesteckt. Im nächsten Frühjahr können schon die ersten Blätter geerntet werden, die allerdings noch recht klein sind.

Die Aussaat mit gekauftem Saatgut ist schwierig und gelingt nur mit ganz frischen Samen. Gesät wird im Herbst direkt ins Freiland, an einer nicht von Gras überwucherten Stelle. Mit Glück zeigen sich im Frühjahr erste Pflänzchen, die aber erst im folgenden Jahr geerntet werden können.

Das Auspflanzen von Setzlingen führt sicher schneller zur ersten Ernte als das Aussäen von Samen. Einige Zeit benötigt die Pflanze jedoch immer bis die Ernte üppig ausfällt und sich die Pflanzen zu einem dichten Teppich vermehrt haben.

Es dauert ungefähr 3-4 Jahre bis die Pflanze im Garten heimisch geworden ist. Wenn das jedoch geschehen ist, ist das Wildkraut denkbar anspruchslos und benötigt keine besondere Pflege mehr. Da der Bärlauch sich selbst aussät und damit seinem Status als Wildpflanze gerecht wird, erscheinen Jahr für Jahr mehr Jungpflanzen im Garten.

Sie können sogar an ganz anderen Stellen im Garten auftauchen, da die Samen des Bärlauchs, der sich ansonsten vegetativ über die Zwiebel vermehrt, auch von Ameisen verschleppt werden.1

Tipps beim Sammeln des wilden Bärlauchs

Die beste Erntezeit, um die Frische und Kraft des Bärlauchs zu genießen, liegt vor Beginn seiner Blütezeit, also zwischen Anfang Februar und Ende März. Ab Mai beginnt der Bärlauch zu blühen.

Nach der Ernte sollten die Blätter lose und offen, am besten in einem Korb nach Hause transportiert werden, da sie es nicht vertragen gedrückt zu werden. Ist der Weg nach Hause länger und es ist schon warm, müssen die Blätter in einem Behälter mit etwas Wasser aufbewahrt werden, ansonsten sind sie schon verwelkt, bevor sie in der Küche gebraucht werden.

Achtung Maiglöckchen!

Natürlich erkennt man beim Sammeln, von wildem Bärlauch, die Pflanze am Knoblauchgeruch eines zerriebenen Blattes. Doch typisch Knoblauch, nach einer Weile ist der Geruch in die Finger übergegangen und auch ein zerriebenes Maiglöckchenblatt wird nach Knoblauch riechen.

Das Maiglöckchen und der Bärlauch ähneln sich sehr und mögen dieselben Standorte im Wald, Im Unterschied zum Bärlauch sind die Blätter des Maiglöckchen jedoch hochgiftig, der Verzehr größerer Mengen kann sogar zum Tode führen. Daher sollte man sich die Unterscheidungsmerkmale vor dem Sammeln gut einprägen:

  • beim Bärlauch sind die Blätter meist zu zweit angeordnet
  • Bärlauchblätter enden in 5 cm bis 20 cm langen Stielen und umgreifen einander nicht
  • beim Maiglöckchen hingegen umgreifen die Blätter einander und wachsen direkt aus dem Boden.

Am größten ist die Gefahr der Verwechselung vor der Pflanzenblüte, danach sollte die Unterscheidung leicht fallen.1

Bärlauch und der Naturschutz

Grundsätzlich sollte man beim Sammeln von Wildpflanzen darauf achten, dass die Bestände und die Natur geschont werden. Gesammelt werden soll nur was man auch selber verbraucht. Auch sollten nicht achtlos Bestände auf der Suche nach der frischesten Pflanze niedergetrampelt werden.

In Naturschutzgebieten ist das Sammeln von Wildpflanzen, und dazu gehört der Bärlauch, grundsätzlich nicht erlaubt, egal wie verlockend die Bestände sein mögen.

Auch außerhalb von Naturschutzgebieten dürfen Wildpflanzen, vorausgesetzt sie fallen nicht unter die Bundesartenschutzordnung, nur in haushaltsüblichen Mengen für den Eigenbedarf gesammelt werden. Der Bärlauch fällt zwar nicht unter die Bundesartenschutzverordnung, steht aber in zwei Bundesländern (Brandenburg und Schleswig-Holstein) auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen.

Diese Tatsache verbietet zwar das Sammeln nicht, sollte jedoch zu einem behutsamen Vorgehen beim Sammeln von Wildpflanzen in freier Natur verleiten.

Bärlauch schonend sammeln bedeutet:

  • ein scharfes, kleines Messer oder eine Küchenschere zum Abschneiden der Blätter zu benutzen, um die Pflanze nicht zu schädigen
  • nur ein Blatt pro Pflanze zu schneiden, da sie die Blätter benötigt, um Nährstoffe in der Zwiebel zu speichern
  • auf keinen Fall die Zwiebel auszugraben, da das Ausgraben von Pflanzen das Ökosystem des Waldes stört.1

Quellen

  • 1Claudia Boss Teichmann, Thomas Richter: Bärlauch und Knoblauch [Book]. - [s.l.] : Eugen Ulmer GmbH & Co KG, 2002.
  • 2Klein, Stefanie: Bärlauch - frisch aus dem Frühlingsparadies [Book]. - Lenzburg : Edition Fona GmbH , 2004.
  • 3Kräuterbuch von Jacobus Theodorus "Tabernaemonatus" Anno 1625 [Online]. - Zur Quelle.
  • 4Breschke, Joachim: Knoblauch [Book]. - Düsseldorf : Econ Verlag, 1996.