Bärlauch: Die Geschichte des Wildkrautes in den heilkundlichen Schriften


Seit jeher gilt Bärlauch als hervorragendes Stärkungs- und Reinigungskraut, wenn er auch immer im Schatten seiner großen Verwandten dem Knoblauch und der Küchenzwiebel gestanden hat.

Antike und Mittelalter

In der Antike beobachteten Gelehrte, wie zottelige Bären sich nach dem Winterschlaf an dem wilden Kraut labten, um kurze Zeit später mit glattem und glänzendem Fell für die Frühlingsjagd bereit zu sein. Seit dem wird der Bärlauch in der Heilkunde als blutreinigendes und tonisierendes Kraut empfohlen, anzuwenden vor allem als entgiftende Frühlingskur.

In den heilkundlichen Schriften des Mittelalters und den Beschreibungen über den Pflanzenanbau in den Klostergärten, die sozusagen die Zentren der damaligen Kräutermedizin waren, findet der Bärlauch keine Erwähnung. Er wird zu dieser Zeit wohl nur als Wildgemüse eine Rolle gespielt haben, sicher auch erdrückt von der Übermacht des Knoblauches in der damaligen medizinischen Wissenschaft.

Erst im Zeitalter des Buchdrucks findet die Pflanze Eingang in die Kräuterbücher und Lehrbüchern zur Heilkunde . Nicholas Culpeper (1616-1654), ein bedeutender englischer Heilkundiger, empfiehlt den Bärlauch bei "phlegmatischer Beschaffenheit des Körpers". Culpeper folgend "ist der Gebrauch der Pflanze angezeigt, um Lunge und Darm zu öffnen, Asthma zu bekämpfen und mit Blähungen verbundene Koliken zu lindern."

In dem Kräuterbuch des Tabernaemontanus von 1625 wird dem "Waldt Knoblauch in seiner ganzen Substanz ein übler starker Geruch und ein böser Geschmack" zugeschrieben. "Wenn das Vieh auf der Weide von dem Kraut frisst, dann schmecken Milch und Butter so stark nach Knoblauch, dass dieselbige nicht "leichtlich kann genossen werden."3

Hier zeigt sich beim Bärlauch dieselbe Zwiespältigkeit, wie auch beim Knoblauch: die einen sind stark abgestoßen vom Geruch, die anderen angezogen von den heilsamen Kräften der Pflanzen.

Jedoch, es ist tatsächlich so, dass die Milch von Kühen, die Bärlauch oder Knoblauch fraßen schlichtweg ungenießbar ist.

Hieronmyus Bosch verbindet die beiden Seiten wieder und wertet das Wildkraut sogar höher als den Knoblauch, wenn er schlussfolgert, dass der "Wald- beziehungsweise Schlangenknoblauch" aufgrund seines übleren Gestanks besser in der Lage ist, Gifte aus dem Körper zu ziehen als der zahme Knoblauch.1

Bärlauch in der alten Mythologie

Wie in schon in der alten Heilkunde zeigen sich die zwei Seiten des "Teufelsknoblauch" auch in der alten Mythologie. Das ist sicher nicht verwunderlich, war die Beziehung zwischen Kräuterwissen und Mythologie doch schon immer sehr eng.

So ist der Bärlauch eng mit dem Bären, einem seelentragenden Tier in der alten Mythologie, verbunden. Zum einen ist der Bär in der Dämonenlehre ein Symbol, hinter dem sich sogar der Teufel verbergen kann. Auf der einen anderen Seite besitzen als Amulett getragene Bärenklauen eine geister- und dämonenabwehrende Wirkung. So steht der Allium ursinum mit einem Bein auf der weißen und mit dem anderen auf der schwarzen Seite der Magie. Böse Geister und auch der Teufel riechen zwar unangenehm, lassen sich aber mit Hilfe des Bärlauchs vertreiben. So sind auch im Reich der Pflanzen Licht und Schatten eng miteinander verbunden.4


Quellen

  • 1Claudia Boss-Teichmann, Thomas Richter: Bärlauch und Knoblauch [Book]. - [s.l.] : Eugen Ulmer GmbH & Co KG, 2002.
  • 2Arrowsmith, Nancy: Herbarium Magicum: Das Buch der heilenden Kräuter [Book]. - Berlin : Ullstein Buchverlage GmbH, 2007.
  • 3Tabernaemontanus, Jacobus Theodorus: KRÄUTERBUCH VON Anno 1625 [Online] // Zur Quelle.
  • 4Boss-Teichmann, Claudia: Bärlauch: vielseitig-köstlich-gesund [Book]. - [s.l.] : Ulmer.