Kresse

Die Kresse (Lepidum sativum) kennt man auch unter den Namen Niederländisch: Pfefferkraut, Sterkers; Holländisch: twinkers; Dänisch: Karse; Englisch: garden cress, pepper grass; Französisch: cressonette, cresson alènois. Italienisch: crescione dàjuola, crescione inglese; Spanisch: berro alenois, malpica; Portugiesisch: mastruco; Rumänisch: creson; Ukraine: scherucha.

Die Namen verraten schon einiges über die Gemüsepflanze, die einen Rekord hält – die kürzeste Wachstumszeit unter allen Gemüsepflanzen. So stammt das lateinische „Lepidum“ vom alten Griechen DIOSKURIDES (1 Jhd. N. Ch.), den die Form der Früchte an „Schüppchen“ erinnerte und der die Pflanze daher „lepidion“ nannte. Die deutsche „Kresse“ hinter dem Garten, hingegen kam aus dem Italienischen zu uns, sie wurde abgeleitet aus  „cresson“ für „scharf“, und verweist auf das angenehm schärfliche Aroma der Gartenkresse.

Kresse

Herkunft und Geschichtliches

Die Gartenkresse stammt aus dem Orient. Als Wildform kommen das „Lepidium sativum silvestre“, das sich im östlichen Nordafrika und in Südwestasien findet sowie das „Lepidium sativum spinescens“ aus den Wüsten Ägyptens in Frage.
Die Verwendung der Pflanze ist sehr alt und reicht bis zu den alten Ägyptern zurück. Auch die antiken Griechen und Römer kannten die Kresse schon als Nutzpflanze. Im deutschen Gebiet ist sie, seitdem die Römer die Alpen überquerten, wohlbekannt, damals hatten die althochdeutschen Namen noch stark italienischen Einschlag, wovon „Chresso“, kresso, kressa als altdeutsche Ausdrücke zeugen.

Verspeist werden die wenige Tage alten Keimblätter

Unter den 80 Arten der Gattung Lepidium ist die Gartenkresse wohl die bekannteste. Die Pflanze ist einjährig, wächst äußerst rasch und wird 30 bis 60 Zentimeter hoch. Ihre Blätter sind unregelmäßig eingeschnitten, gelappt, fiederteilig, glatt oder gekraust. Die weißen Blüten erscheinen in Trauben vereinigt, im Juni oder Juli; aber dazu kommt es ja zumeist nicht, da der Verbraucher – sofern er nicht selbst Samenanbau betreibt – die Laubblätter und hübschen weißen Blümchen nie zu Gesicht bekommt. Verspeist werden bei der Gartenkresse nämlich, und das schon wenige Tag nach der Keimung, die zarten, gefingerten Keimblätter.

Woher die Kresse kommt und wie sie angebaut wird

Wie schon erwähnt, ist die Kultur der Gartenkresse die kürzeste aller Gemüsekulturen. Gezüchtet wird die Pflanze sowohl im Freiland, als auch – in weit größerem Umfang – im Gewächshaus. Oft erfolgt die Keimung der Saat schon in weniger als 24 Stunden. Im Sommer sind die Pflanzen bereits nach 5 bis 6 Tagen, im Winter nach 2 bis 3 Wochen erntereif. Ein wahrhaft schnelles Gemüse! Geerntet werden die jungen Keimpflänzchen bei einer Länge von 6 bis 10 Zentimeter, entweder mit einem scharfen Messer, einer Schere oder einer speziellen Schneidemaschine. Wird nicht zu tief geschnitten, treiben die Pflanzen noch mal durch – und es kann ein zweites Mal geerntet werden.

Anzuchtmethoden für Kresse

Es gibt zwei industrielle Anbaumethoden für die Kresse und dann noch die Variante für die Fensterbank.

Soll Schnittkresse erzeugt werden, wird im Freilandbeet oder auf großen Tabletts und Stiegen im Gewächshaus angebaut. Daneben erfolgt die Kultur in kleinen Plastikschalen oder Kartons – die dann mit ausgewachsenem Keimblatt in den Handel kommen. Sehr originell -  Keramiktöpfchen, gerne auch in Igelform, die als Anzuchtbehälter, natürlich plus Kressesamen, verkauft werden.

Qualitätsmerkmale im Supermarkt

Im Handel wird Karton-Kresse als junge Keimpflanze angeboten, die zumeist aus einem Stängelchen mit zwei bis vier weiteren Blättern besteht. Verzehrbar sind Blatt und Stängel. Angeliefert wird die  Schnittkresse in kleinen Kartons oder in Plastikbeuteln mit 250 Gramm Inhalt. Kresse guter Qualität muss frisch und sauber sein, an den Pflanzen dürfen keine Erd- oder Torfspuren haften. Die Samenschalen, die oft mit dem Keim hochwachsen, sollten abgebürstet sein. Geschnittene Kresse ist ein ausgesprochener Tagesartikel, das heißt er ist nicht lagerungsfähig und sollte sofort verkauft werden. Nicht verkaufte Schälchen lassen sich maximal eine Woche bei Temperaturen von 0,5 bis 1 Grad Celsius aufbewahren.

Ganzjährig im Angebot

Die einfach Kultur und kurze Anzuchtzeit ermöglicht es dem Handel die Gartenkresse das ganze Jahr über frisch anzubieten. Von März bis September gibt es zumeist Freilandkresse, vor und nach dieser Zeit kommt die Kresse aus dem Gewächshaus. In deutschen Supermärkten findet man hauptsächlich Kresse aus Deutschland, Importe kommen in geringem Umfang aus Belgien und den Niederlanden.

Die Kresse auf der Fensterbank

Wen es häufiger nach dem scharf-pfeffrigen, leicht an Meerrettich erinnernden Aroma der Kresse gelüstet, sollte den Anbau auf der Fensterbank erwägen, denn dort gedeiht das anspruchslose Pflänzchen aufs prächtigste. Nötig sind dazu ein paar Kressesamen, ein Behälter und etwas Anzuchterde. Die Samen kommen auf die Erde, alles gut feucht anfeuchten, am besten mit handwarmen Wasser, mehrmals täglich gießen, ein paar Tagen warten und „Voila“, schon kann die Vitaminbombe geerntet werden. Nicht mal die Erde ist nötig, Kresse gedeiht auch auf Sägemehl, Holzspänen und ähnlichem. Apropos Erde: Kresse niemals zweimal in derselben Erde aussäen – die Pflanze wächst so schnell, weil sie den Boden komplett aussaugt. In Erde, in der Kresse wuchs, gedeiht so schnell kein anderes Gemüse mehr.

Eine scharfe Vitaminbombe

Die Gartenkresse ist eine an Inhaltsstoffen reiche Pflanze: Neben Kohlenhydraten, Eiweiß und wenig Fett sind vor allem Mineralstoffe und Eisen stark vertreten und von den Vitaminen – neben Provitamin A – besonders B1, B2, B6 und reichlich Vitamin C (59 mg%). Kresse enthält damit doppelt so viel Vitamin A und C wie der so oft als besonders vitaminreich dargestellte Feldsalat.

Den kräftig-würzigen, etwas pikant scharfen Geschmack verdankt das zarte Pflänzchen den in ihm enthaltenden Senfölen und Bitterstoffen, die im Übrigen auch dafür sorgen, dass der Genuss derselben den Appetit fördert, den Fluss von Blut sowie Magen- und Gallensaft anregt. Also – „Wohl bekommt`s!“

Kresse in der Küche

Gartenkresse wird nie ein eigenständiges Gericht sein, ist jedoch besonders in den Winter- und Nachwintermonaten mit dem geringeren Angebot an frischem Gemüse, aber auch im übrigen Jahr eine echte Bereicherung des Speisezettels: am leckersten in den denkbar einfachsten Zubereitungen. Man bestreue ein Butter- oder Käsebrot mit dem feingeschnittenen Kraut, gebe etwas Zitronensaft hinzu und genieße eine echte Köstlichkeit.

Am häufigsten wird man die Kresse aber schon als Bestandteil von Brotaufstrichen finden. Sehr gut kann man sie zum Verfeinern und Würzen von Quarkspeisen, Salaten, Saucen und Suppen gebrauchen. Auch als Garnitur macht sie einen hübschen Eindruck.

Eines kann man mit der Kresse nicht anstellen – sie kochen, möglichst nicht mal hohen Temperaturen aussetzen! Aroma und Farbe sind sofort dahin. Daher soll das Kraut warmen Gerichten erst kurz vor dem Verzehr beigegeben werden.
Bei kalten Gerichten hingegen sollte sparsam mit den Keimblättchen umgegangen werden, da das Aroma das der anderen Zutaten mit seiner pikanten Würzkraft schnell erschlägt.

Besonders gut harmoniert die Kresse mit  Äpfeln, und aller Art von Zitrusfrüchten. Unter den Saucen verträgt sich die Roquefort hervorragend mit ihr. Jede Art von Eierspeise lässt sich mit dem pikanten Kraut in einen etwas neuartigen Gaumenschmaus verwandeln.

Übrigens – Gartenkresse gibt es nicht nur frisch – die Industrie stellt daraus auch Trockensuppen und den Kressesaft her, ein besonders in den Frühjahrskuren geschätztes Getränk.

Und zum Schluss – Kressenmauszahnrüssler

Bei dem Tier mit dem lustigen Namen Kressenmauszahnrüssler (Baridium lepidii) handelt es sich nicht etwas um eine Gestalt aus einem fantasievollen Kinderbuch, sondern um einen tatsächlich vorkommenden Käfer, der der Gartenkresse durch seine Larve schadet, die im inneren der Samenstängel frisst. Auch ein Kressenerdfloh (Haltica nigripes) ist bekannt. Er richtet aber keinen nennenswerten Schaden an.

Kresse

Quellen

  • Becker-Dillinger, J.: Handbuch des gesamten Gemüsebaues. Berlin: Paul Parey Verlag, 1950.
  • Bendel, Lothar: Das große Lexikon der Früchte und Gemüse. Köln: Anaconda Verlag, 2008.
  • Liebster, Günther: Warenkunde Obst und Gemüse Band II – Gemüse. Weil der Stadt: Walter Hädecke Verlag, 2002.