Herkunft und Historie der Petersilie


Herkunft der Pflanze und erste Beschreibung

Die Petersilie stammt aus dem Mittelmeergebiet und wird seit der Antike kultiviert. Eine erste schriftliche Erwähnung findet sich bei Plinius (23 - 79 n. Chr.), der die krausen Blätter beschreibt.

Dioskurides ein griechischer Arzt aus dem 1. Jahrhundert, beschreibt in seiner "De materia medica" als erster die Heilkraft der Petersilie."1

Benannt wird das Kraut auch schon in der "Odyssee" von Homer: dort ist der Boden der Insel Ogygia, auf welcher die Nymphe Kalypso Odysseus verführte, mit einem Teppich von Veilchen und wilder Petersilie bedeckt.2

Entstehung und Bedeutung des Namens

Der ursprüngliche Name "petrosselinon"  lässt sich aus dem Altgriechischen erklären . Petros[πέτροσ] bedeutet der Stein oder auch Fels.  Selinon[ςέλινον]  kann mit Sellerie oder auch als Gattungsbezeichnung für alle dem Sellerie ähnlichen Gewächse, übersetzt werden.  Die wilde Petersilie hat wohl die Felshänge in Griechenland bedeckt, eine gebräuchliche alte Übersetzung ist auch "Felsteppich".2

Im antiken Griechenland

Es gibt keine zuverlässigen Hinweise, dass Petersilie im antiken Griechenland als Küchenkraut genutzt wurde. Geschätzt wurde ihre symbolische Kraft, wohl vor allem ihre Wirkung als Kraftspender und Aphrodisiakum. Kränze aus Petersilie wurden von den alten Griechen zu festlichen Anlässen, Gastmählern und Siegesfeiern getragen. Herkules soll sich vor seinem Kampf mit der Hydra mit einem Kranz aus den Blättern der Petersilie geschmückt haben.3 Die Sieger der nemeischen und isthmischen Wettkämpfe wurden mit wohlriechenden Petersilienkränzen ausgezeichnet.4 Der Sage nach war den griechischen Kriegern die Petersilie verboten, damit diese nicht die sexuellen Energien der Krieger anregt. Es ist jedoch nicht verbürgt, ob einige der Legenden eher dem Sellerie zugeordnet werden sollten.

Im alten Rom

Die alten Römer verwendeten, anders als die Griechen, die Petersilie als Küchen- und Heilkraut. Bei ihnen sollte ein getragener Petersilienkranz gegen Trunkenheit helfen. Archäologische Funde lassen darauf schließen, dass den römischen Legionären das Verdienst zukommt, die Petersilie auch nördlich der Alpen verbreitet zu haben.4

In Mitteleuropa

In Mitteleuropa wird, wohl seit der Verbreitung durch die Legionäre des alten Roms, die Petersilie als Heil- Küchen-, aber auch Hexenkraut genutzt und angepflanzt. Es existiert recht umfangreiches Quellenmaterial, in welchem das Peterlein Erwähnung findet.

Hildegard von Bingen (1096 - 1179) beschrieb wohl als erste die vielfältigen Möglichkeiten des Gebrauchs von Petersilie in der Küche und als Heilkraut:

"Die Petersilie ist von kräftiger Natur und hat mehr Wärme als Kälte in sich, und sie wächst vom Wind und von der Feuchtigkeit. Und sie ist für den Menschen besser und nützlicher roh als gekocht zu essen. Und gegessen mildert sie die Fieber, die den Menschen nicht erschüttern, sondern leicht berühren. Jedoch im Geist des Menschen erzeugt sie Ernst."5

Hildegard von Bingen empfiehlt das Kraut, roh oder gekocht, gegen Gicht, Herz- und Milzschmerzen, Nieren- und Blasenleiden, Wasseransammlung und auch Steinleiden.

Im Mittelalter, zu Zeiten der Hexenverfolgung, hatte die Pflanze den Ruf eines Hexenkrauts. Die Wurzel der "Geilwurz" wurde in Liebessalben und -säfte gemischt. Die Petersiliensamen waren ein wirksames Abtreibungsmittel. Die Prostituierten des Mittelalters machten sich wohl eher die abortive Wirkung des Samens zu Nutze, da das Kraut aber auch zur Potenzstärkung genutzt wurde, erhielten die Straßen, in denen sich die Bordelle befanden, auch "Petersiliengassen" oder "Peterles Gässchen" genannt.

Bei Hochzeiten im Mittelalter wurde die reinigende, desinfizierende Wirkung der Petersilie genutzt. Die Blätter wurden verräuchert, um böse Geister und Unglück vom Brautpaar abzuwenden. Nach einem alten Aberglauben soll im Hause jemand sterben, wenn die Petersilie nach dem Säen nicht keimt.4

In den folgenden Jahrhunderten wuchs die Bedeutung der Petersilie für die Küche und als Heilkraut.  1625 erfasst Jacobus THEODORUS in seinem "KRÄUTERBUCH "TABERNAEMONTANUS" ANNO 1625"6 ausführlich die botanischen Merkmale, den Einsatz in der Küche und besonders umfassend Rezepte zur Heilwirkung der Petersilie. Vieles aus diesem Bericht, besonders die heilkundlichen Rezepte, ist heute in Vergessenheit geraten. (Anmerkung: Beim Zitieren des Berichtes hat der Verfasser das Altdeutsch in heute gebräuchliche Sprache übersetzt).

Theodorus nennt die Petersilie das gebräuchlichste aller Küchenkräuter, dem Würde und Lob in allen Nationen der Christenheit gezollt werde. Es sind kaum Speisen zu erdenken, denen die appetitanregende und den Magen reinigende Wirkung der Petersilie nicht zuträglich wäre. Eine ausführliche Beschreibung zum Einsatz der Petersilie als Arznei findet sich ebenfalls bei Theodorus.

Auch heutzutage ist die Petersilie in Mitteleuropa sicher immer noch eines der wichtigsten Küchenkräuter zum Würzen. Sie zentraler Bestandteil von Suppengrün in Deutschland und bouquet garni in Frankreich. Großer Beliebtheit erfreut sich die krause Petersilie beim Garnieren von Gerichten.

Die Blätter der Petersilie gehören feingehackt und kurz vor dem Anrichten:

"in Suppe, Saucen, Salate, zu Eier – und Kartoffelgerichten und stets so, daß sie wie eine grüne Decke darüber gebreitet sind."3


Quellen

  • 1Dioskurides Materia Medica [Online]. Zur Quelle.
  • 2Gewürzseiten: Petersilie (Petroselinum crispum) [Online]. Zur Quelle.
  • 3Goetze, Jonny, Behm und Elinor Die Kunst zu würzen [Buch]. - München : Heimeran Verlag, 1956.
  • 4Portraits der im Capitulare de Villis aufgelisteten Pflanzen [Online]. Zur Quelle.
  • 5Petersilie - botanischer Name: Petroselinum crispum [Online]. Zur Quelle.
  • 6Theodorus, Jacobus: Kräuterbuch "Tabernaemontanus" Anno 1625 [Online]. Zur Quelle .