Rosmarin

Der Rosmarin (lateinischer Name Rosmarinus officinalis) ist eine bekannte und beliebte Zier- und Gewürzpflanze. Das Kraut aromatisiert viele Speisen und parfümiert außerdem Potpourris, Badewasser, Eau de Toilette und die Wäsche. Übrigens ist es auch in vielen Produkten zur Insektenabwehr enthalten.

Der Name Rosmarin bedeutet 'Rose der See' und leitet sich vom ursprünglichen Lebensraum der Pflanze an den trockenen sandigen Küsten des Mittelmeers ab. Im Volksmund ist sie unter vielen verschiedenen Namen bekannt: Gartenrosmarin, Anthos, Meertau, Brautkraut oder Brautkleid, Maria Reinigung, Rosmarie, Weihrauchkraut, Riechkräutlein, Kranzenkraut, Kid, Hochzeitsbleaml bzw. Hochzeitsblümchen, oder Antonkraut.

Rosmarin

Geschichte und Herkunft

Der Rosmarin stammt aus dem Mittelmeerraum, wo er bis heute wild wächst. Die bekanntesten Anbaugebiete liegen heute in Spanien, Jugoslawien, Tunesien und Marokko. Bis heute gilt die Pflanze als heiliges, von einem geheimnisvollen Zauber umgebenes Kraut.

Schon im Altertum wurde der Rosmarin im Mittelmerrraum als Würzkraut sehr geschätzt. Er wurde außerdem bei kultischen Handlungen als Weihkraut verwendet. Der Göttin Aphrodite geweiht, symbolisierte er die Liebe und die Schönheit. Bis heute gilt der Rosmarin zudem als Symbol für die Jungfräulichkeit.

Die Legende sagt, dass die Jungfrau Maria auf ihrer Flucht nach Ägypten ihren Mantel über einem Rosmarinbusch ausbreitete. Die weißen Blüten des Strauches färbten sich zu Ehren der Jungfrau in himmlischem Blau und seitdem blüht der Rosmarin blau.

Im Mittelalter glaubte man, Rosmarin könnte böse Geister bannen. Deshalb trug die Braut oft einen Rosmarinkranz, man schmückte Babys, die getauft wurden, und gab Toten Rosmarin mit ins Grab. Noch heute gibt es mitunter den Brauch, am Hochzeitstag einen Rosmarinzweig in den Garten zu stecken. Bekommt der Zweig Wurzeln, sieht man das als gutes Zeichen für die Ehe an.

In den mittelalterlichen Kräuterbüchern spielte Rosmarin eine wichtige Rolle. Er wurde gegen die verschiedensten Beschwerden empfohlen und sollte sogar die Potenz stärken.

Rosmarin

Aussehen und Geschmack

Rosmarin gehört der Familie der Lippenblütler an. Er kann sehr alt werden und wird als buschiger Strauch in warmen Regionen bis zu 2m hoch. Die Blätter sind immergrün und schmal, auf der Unterseite grau und auf der Oberseite grün. Die Blüten sind weiß, malvenfarben oder blassblau und wachsen in Trauben. Sie duften, sind reich an Nektar und blühen den ganzen Sommer über.

Rosmarin riecht nach Kiefern und ein wenig nach Weihrauch. Die Blätter verströmen beim Zerreiben den typischen Duft. Der Geschmack des Krauts ist angenehm bitter, aromatisch und erinnert ein wenig an Kampfer.

Anbau und Ernte

Im Gemüsegarten hält der Rosmarin viele Schädlinge fern und ist deswegen ein beliebtes Gewächs für Bauerngärten. Die Pflanze ist mehrjährig und wächst besonders gut in leichtem, etwas kalkhaltigem und durchlässigem Boden. Aufgrund seiner Herkunft benötigt der Rosmarin ein gemäßigtes Klima und gedeiht am besten an sonnigen, warmen und geschützten Standorten. Die Pflanze verträgt kaum Kälte. In kalten Gegenden wird sie daher in Kübeln gepflanzt und im Gewächshaus überwintert.

Ausgesät werden kann von April bis Juni, es bietet sich jedoch an größere Pflanzen im Handel zu kaufen, denn die Ernte ist erst etwa zwei Jahre nach der Aussaat möglich. Geerntet wird von April bis Oktober, die Zweige werden je nach Bedarf abgeschnitten. Möchte man die Zweige länger lagern, schneidet man sie im Frühjahr vor der Blüte ab. Die Samen werden in reifen Zustand geerntet, finden aber allgemein nur als Saatgut Verwendung.

Inhaltsstoffe

Rosmarin enthält ätherisches Öl, Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe, Harze und Pflanzensäuren wie die Rosmarinsäure. Die ätherischen Öle bestehen hauptsächlich aus  Borneol, Bornylacetat, Cineol, Kampfer und Pinen. Außerdem enthält das Kraut die Mineralstoffe Kalium, Kalzium, Magnesium, Natrium und Phosphor.

Getrockneter Rosmarin

Rosmarin in der Küche

Besonders in der französischen Küche ist der Rosmarin sehr beliebt. So ist er ein wichtiger Bestandteil für Kräuter der Provence. Man verwendet die frischen oder getrockneten Blättern, jedoch verlieren diese sehr an Aroma. Rosmarin sollte immer sparsam verwendet werden, da er sehr kräftig schmeckt und andere Gewürze und Kräuter leicht überdeckt. Mit Knoblauch lässt sich das Kraut besonders gut kombinieren.

Rosmarin passt gut zu Fleischgerichten (besonders zu Lamm), See- und Süßwasserfisch, Ragout, Wild und Geflügel. Es ergänzt Gemüsegerichte mit Zucchni, Tomaten, Paprika, Aubergine, Bohnen, Tomaten, Pilzen und Weißkohl sowie Kartoffelgerichte (das bekannteste sind sicher die Rosmarinkartoffeln, Als Rosmarinsauce zu Nudelgerichten und Spätzle.

Salate wie Tomatensalat, Blattsalat, Selleriesalat und Fischsalat werden durch das frische Kraut abgerundet. Es passt außerdem ausgezeichnet zu Tomaten-, Salat- und Kräutersaucen sowie zu Suppen wie Tomatensuppe, Pilzsuppe, Gulasch, Fischsuppe und Minestrone.

Kräuteröle und -essige sowie (Grill-)Marinaden erhalten durch Rosmarin eine markante Note. Auch in Bitterlikören ist es eine beliebte Zutat. Nur für Gebäck oder süße Speisen eignet sich das sehr aromatische und fast schon strenge Kraut nicht, ausgenommen sehr herzhafte Brote wie Foccacia oder Gewürzgebäck wie zum Beispiel Rosmarin-Muffins.

Einkauf und Lagerung

Um ein aromatisches Würzkraut zu erhalten, sollte der Rosmarin frisch gekauft werden. Soll er länger aufbewahrt werden, werden die Zweige schonend im Schatten getrocknet und anschließend in luftdichten Behältern aufbewahrt. Das Kraut sollte nicht über 35°C getrocknet werden, da sonst die ätherischen Öle zerstört werden.

Rosmarin in der Heilkunde

Rosmarin wird in der Heilkunde als Tee und Bad eingesetzt und ist außerdem als Öl, Tinktur oder ausgepresster Saft erhältlich. Rosmarinwein ist zudem in der Volksmedizin ein traditionelles  Herzstärkungsmittel. In vielen Salben und Pflastern gegen Rheuma, Nervenschmerzen und Muskelentzündungen ist das Kraut ebenfalls zu finden.

Rosmarintee wird allgemein gegen Husten, Heiserkeit und Asthma eingesetzt. Auch bei  Durchblutungsstörungen oder nervös bedingter Erschöpfung kann er helfen. Die ätherischen Öle in den Blättern wirken entwässernd, regeln Nieren- und Gallenfunktion und Lebertätigkeit und haben außerdem eine desinfizierende Wirkung.

Gegen zu niedrigen Blutdruck hilft es täglich 2 Tassen Rosmarintee zu trinken. Hierfür gießt man 1 TL getrocknete oder frische Blätter auf und lässt sie 10 Minuten ziehen lassen. Auch ein Rosmarinbad kann helfen: ½ Handvoll der Blätter werden mit ½ Liter kochendem Wasser übergossen. Den Aufguss lässt man 20 Minuten ziehen und gibt den gesiebten Tee zum Badewasser. Tagsüber sollte man darin 10 Minuten lang bei 35°C baden und anschließend eine halbe Stunde ruhen. Rosmarinbäder sollten nicht abends angewendet werden, um den Schlaf nicht zu beeinträchtigen.

Man sagt dem Rosmarin übrigens sogar eine unterstützende Wirkung bei Diabetes Mellitus nach; diese Wirkung ist jedoch umstritten.

Aromatherapie

Schon bei Shakespeare heißt es: 'Here's Rosemary, that's for Remembrance.' Rosmarinöl spielt in der Aromatherapie auch heute noch eine wichtige Rolle. Die besten Öle stammen aus Spanien und Nordafrika. Das Öl wird durch Dampfdestillation gewonnen.

Der Duft des Öls ist  frisch, stechend, krautig, leicht holzig, ähnelt dem Eukalyptus und erinnert an Kampfer. Neben der klassischen Anwendung in der Duftlampe empfehlen sich die Massage und Inhalation mit dem Öl.

Wie von Shakespeare angedeutet soll Rosmarinöl das Gedächtnis verbessern. Zusätzlich wirkt es stimulierend  und reinigend. Es wirkt auf den Blutkreislauf und den Sauerstoffaustausch im Körper, dient dem Flüssigkeitstransport und dem Ausschwemmen von Giften und gilt als gutes Lebertonikum und Hilfsmittel bei der Fettverdauung.

Insbesondere die Inhalation des schleimlösenden Öls erleichtert die Atmung und hilft bei Erkältung, Grippe und allgemeiner Erschöpfung. Auch bei gegen Bronchitis und Atemwegserkrankungen soll das Öl helfen, sollte aber nur in kleinen Mengen inhaliert werden, da der Duft sehr stark ist.

Äußerlich wirkt das Rosmarinöl auch gegen rheumatische Beschwerden, Schmerzen und Steifheit und eignet sich besonders vor dem Sport zum Aufwärmen sowie nach dem Sport und als Krampfmassage.

Zur Hautpflege kann das Öl als Tonikum für Haut und Haare und gegen Cellulite eingesetzt werden. Es kräftigt das Haar, stimuliert die Kopfhaut und hilft so gegen Schuppen. Einige Tropfen zu Shampoo oder Spülung zugefügt genügen hier.

Rosmarinöl darf nicht innerlich angewendet werden, da es Magen, Galle und Nieren reizt. Während der Schwangerschaft sollte es auch äußerlich nicht angewendet werden. Ebenso dürfen Epileptiker, Kleinkinder, Säuglinge und Patienten mit Bluthochdruck Rosmarinöl nicht anwenden, da es stark anregend wirkt. Bei empfindlicher Haut kann das Öl zu Reizungen führen.

Rosmarin


Quellen und Weiterführendes

  • Buchman, Dian Dincin. Medizin aus der Natur : Kräuter, die ältesten und modernsten Hausmittel. München: Wilhelm Heyne Verlag, 1983.
  • Buss, Katharina; Der Nutzgarten im Blumentopf. Düsseldorf: ECON Taschenbuch Verlag GmbH, 1985.
  • Döring, Ilse: Kräutergarten und Gewürzküche. Otto Maier Verlag Ravensburg, 1982.
  • Gööck, Roland: Gewürze und Kräuter von A-Z. Frankfurt am Main: Fischer, 1974.
  • Grüning, Susanne: Die besten Rezepte der Kräuterhexen : Kräuter und Heilrezepte kompakt. Augsburg: Weltbild, 2004.
  • GU Kompass: Heilpflanzen bestimmen leicht gemacht. München: Gräfe und Unzer Verlag, 2003.
  • Handbuch der Heilpflanzen : über 200 Pflanzenmonographien. München: Bechtermünz Verlag, 2002.
  • Harding, Jennie: Aromatherapie. Bath: Parragon, 2004.
  • Heilpflanzen kennen, sammeln, anwenden. Köln: Lingen Verlag, 1985.
  • Kräuter : mit mehr als 450 Heil- und Küchenkräutern. The Royal Horticultural Society. Köln: DuMont Buchverlag, 1998.
  • Pahlow, Mannfried: Das große Buch der Heilpflanzen. München: Gräfe und Unzer, 2001.
  • Renaud, Victor: Gemüse und Kräuter von A bis Z. Stuttgart: Ulmer, 2007.
  • Schunka, Antje: Raffiniert würzen leicht gemacht : die köstlichsten Kräuter und Gewürze. München: Gräfe und Unzer.
  • Whitton, Shirley: Ätherische Öle und Essenzen : Aromatherapie und Naturheilverfahren. Köln: Könemann, 1997.

Weiterführende Links


Redaktion: Ilga Becker
Datum: 13.03.2010