Thymian

Der Echte Thymian (lateinischer Name Thymus vulgaris) ist mit dem wildwachsenden Quendel verwandt. Im Volksmund nennt man ihn auch Gartenthymian, Immerkraut oder Immenkraut,  Küchenpolei, Römischer oder Welscher Quendel, Demut, Zimis, Chölm, Kunerle oder Spanisches Kudelkraut. Zur Gattung Thymus gehören rund 350 Arten immergrüner und aromatischer Stauden, Sträucher und Halbsträucher.

Thymian

Geschichte und Herkunft

Der Thymian stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Benediktinermönche brachten ihn über die Alpen nach Deutschland. Der Name 'Thymian' leitet sich vom griechischen 'thymos' ab und bedeutet Mut oder Kraft ab. Der Name weist auf die kräftigende, stimulierende Wirkung des Krauts hin.

Angeblich sollen sich schon die Soldaten der römischen Legionen vor dem Kampf in Thymianaufgüssen gebadet haben, um ihren Mut zu stärken. Im Mittelalter war es der Brauch, dass Damen ihren bevorzugten Rittern vor dem Kampf Thymiansträuße oder -zweige an die Schärpe steckten, die ihnen helfen sollten.

Auch bei den Ägypter war der Thymian schon bekannt. Sie verwendeten ihn als Parfum und zum Einsalben. Die Griechen nutzten ihn als Würzkraut und aromatisierten bestimmte Käsesorten und Getränke damit. Sie verwendeten es außerdem beim Räuchern von Fleisch.

Aussehen und Geschmack

Thymian gehört zu der Familie der Lippenblütler, zu der auch Basilikum, Lavendel, Majoran, Rosmarin und Salbei gehören. Die mehrjährige Pflanze wird 20 bis 40cm hoch und wächst als niedriger, immergrüner Halbstrauch mit holzigen, verzweigten, dünnen Trieben. Ihre länglichen Blättchen sind auf der Oberseite dunkelgrün und auf der Unterseite gräulich. Die kleinen Blüten wachsen zu Büscheln zusammengefasst und sind weiß oder rosa. Thymiansamen sind winzig und braun.

Der Geschmack des Thymians ist sehr pikant. Dabei schmecken die Blätter je nach Sorte außerdem leicht nach Zitrone (Zitronenthymian), Apfelsine (Orangenthymian) oder Kümmel (Kümmelthymian).

Anbau und Ernte

Am besten gedeiht Thymian in leichtem, lockerem und durchlässigem Boden in gemäßigtes Klima. Die Pflanze verträgt keine Feuchtigkeit und wächst am besten an einem sonnigen, warmen und geschützten Standort. Thymian gedeiht gut im Steingarten und eignet sich zur Begrünung von Mauern. Im Garten ist er sehr beliebt, da er  Bienen und andere Nützlinge anlockt, sogenannte Schädlinge ihn aber meiden.

Die Aussaat erfolgt im April oder Mai.Geerntet werden kann erst frühestens ein Jahr nach der Aussaat; wer also schnell Blätter und Samen ernten möchte, sollte kleine Pflanzen kaufen. Geerntet wird dann das ganze Jahr nach Bedarf, idealerweise während der Mittagszeit, da dann der Gehalt an ätherischen Ölen am größten ist. Die Saat wird geerntet, wenn die Samen reif sind.

Inhaltsstoffe

Thymian enthält viele ätherische Öle. Am wichtigsten ist hier das antiseptische Thymol, außerdem enthalten die Blätter Kampfer, Carvacrol, Zineol, Linalool und Borneol. Daneben sind verschiedene Bitterstoffe, Gerbstoffe und Flavonoide sowie Harz und Zink enthalten.

Thymian in der Küche

In der Küche verwendet man vom Thymian die frischen oder getrockneten Blätter. Da die Pflanze sehr aromatisch ist, sollte sie vorsichtig beim Würzen gebraucht werden. Der intensive Geschmack drängt sich anderenfalls zu sehr in den Vordergrund. Wegen seines starken Eigengeschmacks verträgt er sich am besten mit anderen stark aromatisierten Kräutern wie Majoran, Petersilie oder Lorbeer. Frische Blätter sollten immer bevorzugt werden, da das getrocknete Kraut mehr holzig als aromatisch schmeckt.

Besonders in der mediterranen Küche und der Südstaatenküche der USA spielt der Thymian eine große Rolle. Er regt Appetit und Verdauung an und macht fette Speisen bekömmlicher. So bietet sich für fette Fleischeintöpfen zum Beispiel eine Mischung aus Thymian, Rosmarin und etwas Salz an. Das Kraut sollte bei der Verwendung erst gegen Ende der Garzeit an die Speisen gegeben werden.

Thymian gehört zu den Leberwurstgewürzen und passt gut zu Bohnenkraut. Das Kraut verfeinert Brühe, Braten, Schmorgerichte, Omelette, Spiegelei und Käsegerichte, Kartoffeln, Nudeln, Spätzle und Reisgerichte. Es passt zu jedem Fleisch, Süß- und Seewasserfisch, Gemüsegerichten wie Erbsen, Linsen, Bohnen, Tomaten, Paprika, Pilzragout, Ratatouille und verschiedenen Kohlsorten.

Saucen wie Bratensauce, Fischsauce, Tomaten-, Salat- und Kräutersauce sowie helle Saucen verleiht Thymian einen sehr aromatischen Geschmack. Für deftige helle Cremesuppen ist er  als Suppenkraut unverzichtbar. Salate wie zum Beispiel Tomatensalat, Bohnensalat, Selleriesalat, Kartoffelsalat und Fischsalat werden durch ihn abgerundet; bei Blattsalaten sollten man jedoch sparsam würzen, um den Eigengeschmack nicht zu überdecken.

Deftige Kräuterbrote und Kräuterbutter, Grillmarinaden, Mayonnaise, Schmalz und Kräuteröl lassen sich gut mit Thymian verfeinern. Zusammen mit Zitronenmelisse und Estragon lässt sich mit ihm außerdem ein sehr schmackhafter Kräuteressig herstellen. Verschiedene Kräuterliköre enthalten außerdem Thymian (zum Beispiel die Alpenkräuterliköre). Für Desserts ist Thymian aufgrund seines würzigen Geschmacks nicht geeignet.

Einkauf und Lagerung

Im Handel erhält man die oberen Triebe oder abgerebelten Blätter der Thymianpflanze. Wer frisches Kraut möchte, kauft sich am besten eine Pflanze im Topf.

Möchte man aus dem eigenen Garten oder vom Balkon ernten, schneidet man die oberen Enden der Zweige ab und verwendet sie frisch oder trocknet sie in Bündeln. Anschließend sollte man sie in gut schließenden Gefäßen luftdicht, kühl und dunkel lagern. Eine andere Möglichkeit ist, die frischen Zweige einzufrieren und sie dann nach Bedarf aufzutauen und wie die frischen zu verwenden.

Thymian in der Heilkunde

Schon zu Zeiten des Hippokrates war der Thymian eine bekannte Heilpflanze. In der Volksheilkunde wurde der Thymian (hier auch besonders der verwandte Feldthymian) als Tee gegen Magen- und Darmbeschwerden genutzt. Auch heute noch findet das Kraut zahlreiche Verwendungen. Er gilt als nervenstärkend und beruhigend, fiebersenkend, appetitanregend, verdauungsfördernd und krampfstillend.

In vielen Hustenmitteln ist Thymian enthalten, ebenso hilft er gegen Halsentzündung und sogar bei Keuchhusten soll er Linderung verschaffen.  Bei Atemwegserkrankungen wird er unterstützend als Salbe oder Badezusatz verwendet. Bei Magenbeschwerden hilft Thymian gegen Völlegefühl und Sodbrennen. Er fördert die Galleabsonderung und hilft bei Durchfall. Kalter Thymiantee wird gegen Kopfschmerzen eingesetzt.

Äußerlich kennt man den Thymian als Wundheilmittel: Thymianbäder und -umschläge verschaffen Linderung bei eiternden Wunden. Einreibungen und Umschläge mit Thymianöl helfen außerdem bei Rheuma, Schwellungen und Verrenkungen. Früher wurde die Pflanze auch gegen Akne und unreine Haut eingesetzt.

Als Badezusatz gegen Husten bietet sich ein Thymianbad an. Dafür übergießt man eine Handvoll Thymianblätter mit einem Liter kochendem Wasser, lässt den Aufguss zugedeckt etwa 20 Minuten ziehen und seiht ihn ab. Den Tee fügt man dann dem Badewasser zu und badet 10 bis 15 Minuten. Um die Wirksamkeit zu verstärken sollte beim Baden der Dampf tief eingeatmet werden. Auch bei Erkältungen allgemein bietet sich ein Badezusatz aus Thymian an.

Auch kosmetisch findet der Thymian Verwendung. Gegen fettiges Haar und Schuppen empfiehlt sich eine Massage mit einem Thymianaufguss. Dabei sollten die Haare nicht ausgespült werden, damit das Thymianöl lange einwirken kann.

Thymian ist als Hustenmittel, als Tee, Tropfen oder Sirup erhältlich und außerdem oft in Zahnpasta und Mundwasser enthalten. Er sollte nicht überdosiert werden, da er die Schilddrüse zur Überfunktion anregt. Die rezeptüblichen Mengen sind jedoch unbedenklich.

Aromatherapie

Thymianöl findet in der Aromatherapie vielseitige Verwendung. So zum Beispiel als Gurgelmittel bei Halserkrankung und Zahnfleischentzündung oder pur auf Herpesbläschen, Pickel und Insektenstiche aufgetragen.

Bei Husten oder Keuchhusten kann die Brust mit Thymianöl eingerieben werden. Auch als Massageöl gegen Muskelverspannungen bietet sich eine Mischung aus Thymianöl in Sonnenblumenöl an.

Andere Anwendungen des Öls sind die Duftlampe, Inhalationen und die Verwendung in der Küche als Würzöl (hier allerdings sehr sparsam). Lässt man Thymianöl einige Tage in Sonnenblumenöl ziehen, erhält man ein pikantes Kräuteröl.

Thymian


Quellen und Weiterführendes

  • Buchman, Dian Dincin. Medizin aus der Natur : Kräuter, die ältesten und modernsten Hausmittel. München: Wilhelm Heyne Verlag, 1983.
  • Buss, Katharina; Der Nutzgarten im Blumentopf. Düsseldorf: ECON Taschenbuch Verlag GmbH, 1985.
  • Döring, Ilse: Kräutergarten und Gewürzküche. Otto Maier Verlag Ravensburg, 1982.
  • Gööck, Roland: Gewürze und Kräuter von A-Z. Frankfurt am Main: Fischer, 1974.
  • Grüning, Susanne: Die besten Rezepte der Kräuterhexen : Kräuter und Heilrezepte kompakt. Augsburg: Weltbild, 2004.
  • GU Kompass: Heilpflanzen bestimmen leicht gemacht. München: Gräfe und Unzer Verlag, 2003.
  • Handbuch der Heilpflanzen : über 200 Pflanzenmonographien. München: Bechtermünz Verlag, 2002.
  • Heilpflanzen kennen, sammeln, anwenden. Köln: Lingen Verlag, 1985.
  • Kräuter : mit mehr als 450 Heil- und Küchenkräutern. The Royal Horticultural Society. Köln: DuMont Buchverlag, 1998.
  • Pahlow, Mannfried: Das große Buch der Heilpflanzen. München: Gräfe und Unzer, 2001.
  • Renaud, Victor: Gemüse und Kräuter von A bis Z. Stuttgart: Ulmer, 2007.
  • Schunka, Antje: Raffiniert würzen leicht gemacht : die köstlichsten Kräuter und Gewürze. München: Gräfe und Unzer.

Weiterführende Links


Redaktion: Ilga Becker
Datum: 13.03.2010