Zitronenmelisse

Die Zitronenmelisse (lateinischer Name Melissa officinalis) gehört zu den bekanntesten Heilpflanzen hierzulande und wird schon seit Jahrhunderten zu Heilzwecken gegen die verschiedensten Krankheiten angewendet. Die Melisse ist jedoch nicht nut ein gutes Heilmittel, auch in der Küche findet sie vielseitige Verwendung.

Zitronenmelisse

Name und Herkunft

Die Zitronenmelisse gehört zu der Familie der Lippenblütengewächse (Labiatae/Lamiaceae). Ihr lateinischer Name leitet sich vom griechischen melissa = Honigbiene ab und deutet darauf hin, dass die Melisse auch vor Jahrhunderten schon als Lockpflanze für Bienen bekannt war.

Weiterhin ist sie unter einer Vielzahl anderer Bezeichnungen bekannt: Bienenkraut, Billerkraut, Darmgichtkraut, Frauenkraut, Mutterkraut, Herztrost, Zitronenkraut, Wanzenkraut, Pfaffenkraut, Grassiritus, Hasenohr, Frauenwohl, Muttertee, Honigblume, Herzkraut, Immenblatt. Einige dieser alten Namen zeigen an, welche Verwendung die Zitronenmelisse schon früher in der Heilkunde fand.

Sprechen wir von „der Melisse“, meinen wir hierzulande damit die Zitronenmelisse. Die Schweizer jedoch verstehen darunter die in Südamerika beheimatete Goldmelisse, die in der Schweiz vor allem gegen Verdauungsbeschwerden und Husten angewendet wird.

Ursprünglich stammt die Zitronenmelisse aus dem östlichen Mittelmeerraum bis Westsibirien, wird jedoch inzwischen in ganz Europe kultiviert.

Geschichte der Zitronenmelisse

Ursprüngliche Herkunft der Zitronenmelisse ist der östliche Mittelmeerraum, wo sie den dortigen Völkern als Heil-, Würz- und Bienenpflanze bekannt war. In Vorderasien wurde die Pflanze speziell  als Bienenfutter angebaut. Man rieb so zum Beispiel neue Bienenstöcke mit Melisse aus, um neue Bienenvölker daran zu gewöhnen.

In Griechenland war die Melisse in erster Linie als „Frauenkraut“ bekannt, als Heilmittel gegen die sogenannten Frauenleiden. Griechen und Römer setzten die Pflanze außerdem gegen Melancholie, Skorpionstiche und Spinnenbisse ein.

Benediktinermönche brachten die Melisse aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland und bauten es in ihren Klostergärten an. Im Mittelalter war die pflanze oft in Kloster- und Bauerngärten zu finden. Die Mönche schauten sich den Anbau und die Anwendung der Melisse bei den Arabern ab, die es von den Römern gelernt hatten. Die Römer sollen es vorher ihrerseits von den Griechen abgeschaut haben.

Hildegard von Bingen nannte die Zitronenmelisse „Bienenaug“ und setzte sie ebenfalls gegen Melancholie ein. Zusätzlich wurde sie gegen Zahnschmerzen und Hundebisse genutzt. Man spülte den Mund mit einem Melissenaufguss aus und trank Melissentee gegen strapazierte Nerven und Schlaflosigkeit. Es hieß es bringe schöne Träume, wenn man vor dem Zubettgehen Zitronenmelisse trinken würde.

1611 stellten die Karmeliter zum ersten Mal den berühmten Melissengeist her, der auch heute noch bei Erkältung, Migräne, Magenbeschwerden und Frauenleiden Verwendung findet. Die Melisse sollte auch darüber hinaus alles heilen können, von Hysterie und Insektenstichen über Herzschwäche bis hin zur Melancholie.

So heißt es in einem Kräuterbuch von 1543: "Melissen bletter in wein gesotten und getruncken/ oder aber den leib mit solchem wein bestrichen/ seind nützlich und gut wider die bissz der schlangen/ und andrer vergifften thier." und "Ist fürtreffenlich gut denen so traurig un schwärmütig seind/ in wein gesotten und getruncken/ oder einen zucker und Conferuen darauß gemacht/ dann es macht frölich."

Und 1731 schreibt der Botaniker und Mediziner Jacobus Theodorus Tabernaemontanus: "Die Blätter nüchtern geessen / erhitzigen den Magen und fürdern die Dauung." und "Die frischen Blätter zerknitschet/ auf die Augglieder gelegt/ lindert den Schmertzen darinnen."

Botanik

Die Melissenpflanze ist eine dichte, buschige und aufrechte Staude mit vierkantigem, abstehend behaartem Stängel. Die Blätter wachsen gegenständig und sind durch ihren starken Zitronenduft (dem die Pflanze auch ihren Namen verdankt)  leicht zu identifizieren. Sie sind eiförmig, gekerbt oder gesägt, runzlig und zeigen eine leuchtend grüne Farbe.

Die Blüten der Zitronenmelisse sind weiß bis blassgelb, manchmal auch hellblau bis lila. Die Blütezeit ist zwischen Juni und August.

Anbau

Die Melisse gehört zu den Pflanzen, die sich gut auf der Fensterbank oder auf dem Balkon halten lassen. Hierbei darf allerdings der Topf nicht zu flach sein, um genug Platz für die Wurzeln der Pflanze zu lassen. Allgemein ist die Melisse eine sehr ausdauernde Pflanze, die wenig Ansprüche stellt und deswegen auch für Hobbygärtner ohne ausgeprägten grünen Daumen einfach zu pflegen ist.

Die Aussaat erfolgt im frühen Frühling; wer nicht so lange warten möchte, kauft Jungpflanzen und setzt diese ein. Werden die Pflanzen größer, muss darauf geachtet werden, dass sie nicht zu eng beieinander stehen, da sie sonst zu wenig Licht und Feuchtigkeit bekommen und sich als sehr anfällig für Mehltau erweisen. In kargem bis mäßig nährstoffreichem, feuchtem, aber gut durchlässigem Boden in der Sonne gedeiht die Melisse besonders gut. Im Garten oder auf dem Balkon lockt sie Bienen oder andere Nützlinge an.

Die Pflanze kann gut überwintert werden, wenn sie mit Tannenzweigen oder Komposterde gegen Frost geschützt wird. Hat sie genug Platz, wird die Melisse jedes Jahr umfangreicher und kann bis zu 25 Jahre alt werden. Nach einigen Jahren verlieren die Blätter jedoch deutlich an Aroma und so sollte die Pflanze durch eine jüngere ausgetauscht werden.

Ernte

Von der Melisse werden Blätter und Kraut verwendet und sollten optimalerweise kurz vor der Blüte im Juni und Juli bei trockenem Wetter gesammelt werden, da sich zu dieser Zeit ihr Aroma am stärksten entfalten konnte. Die jungen Blätter können  schon vorher verwendet werden, zeigen sich dann allerdings weniger geschmacksintensiv. Besonders für Heilmittel, aber auch für Gewürze bietet sich daher die Zeit kurz vor der Blüte an.

Um das ätherische Öl zu erhalten, sollten die Melissenblätter nur schonend getrocknet und nicht über 40° C erhitzt werden. Das ätherische Melissenöl wird durch Wasserdampfdestillation aus der ganzen Pflanze gewonnen.

Zitronenmelisse in der Küche

Auch wenn die Melisse in erster Linie eine Heilpflanze ist, so kann sie jedoch vielseitig in der Küche zum Würzen genutzt werden. Nicht alle Verwendungsmöglichkeiten sind dabei allgemein bekannt. Zu Unrecht, denn die Zitronenmelisse ist ein hervorragendes Würzkraut.

Verwendung und Zubereitung

Die Zitronenmelisse verliert beim Trocknen viel von ihrem Aroma und sollte daher möglichst frisch verwendet werden. Die Blätter der Pflanze schmecken nach Zitrone, zugleich aber auch ein wenig süß, salzig und bitter zugleich.

Melisse findet in der Küche vielseitige Verwendung: in klassischen Kräutersuppen oder -saucen gibt sie eine frische Note. In Salaten, Kräuterbutter oder Kräuterquark wird sie gern verwendet. Sie verträgt sich gut mit anderen Würzkräutern und passt zu allen Fisch- und Fleischgerichten, zu Pilzspeisen und jungen Kartoffeln. Auch Süßspeisen, Weichkäse und Getränke können gut mit Melisse abgerundet werden: Obstsalate, sommerliche Getränke und Bowlen sind nur einige der zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten.

Dank ihres frischen Geschmacks kann die Melisse als Ersatz für Zitronenschale benutzt werden. Zum Backen ist sie jedoch ungeeignet und darf auch nicht mitkochen, da sonst ihre ätherischen Öle verloren gehen. Die Melisse wird meist kleingehackt verwendet oder in einzelnen jungen Zweigen als Dekoration benutzt.

Einkauf und Lagerung

Die Melisse sollte frisch verwendet werden. Sie wird zumeist als Pflanze in Töpfen verkauft, um eine längere Haltbarkeit zu gewährleisten. Im Supermarkt sollte man darauf achten, dass die Blätter der Pflanze frisch und grün aussehen und sie einen dichten Wuchs zeigt. Auf der Fensterbank hält sich die Pflanze bei der richtigen Pflege sehr lange, kann also über einen größeren Zeitraum verwendet werden. Für Tees eignen sich auch die getrockneten Blätter, sie sollten jedoch nicht als Gewürzkraut verwendet werden.

Neben der schonenden Trocknung kann die Zitronenmelisse gut in Essig oder Öl eingelegt werden, wo sie ihren Geschmack gut entfaltet. Alternativ können die frischen Blätter eingesalzen und später für Speisen verwendet werden.

Zitronenmelisse in der Heilkunde

Als Heilmittel ist die Zitronenmelisse schon seit vielen Jahrhunderten bekannt. Sie wirkt krampflösend, beruhigend und verdauungsfördernd, zeigt antibakterielle und antivirale Eigenschaften. Angewendet wird sie sowohl innerlich als auch äußerlich, meist in Form von Aufgüssen oder alkoholischen Auszügen. Auch als Badezusatz oder Einreibung (zum Beispiel bei Rheuma) ist die Melisse erhältlich.

Inhaltsstoffe

Die Melisse enthält in den Blättern vor allem ätherische Öle (hauptsächlich Linalool, Citronellol, Citronellal und Citral), aber auch etwa 5% Gerbstoffe sowie Bitterstoffe und Flavonoide. Die etwa 0,1% nichtbeständigen ätherischen Öle verflüchtigen sich schnell, weshalb die Pflanze so frisch wie möglich verwendet werden sollte.

Die Zitronenmelisse als Hausmittel

Die Wirkungen der Melisse sind vielseitig und zu einem großen Teil auch von der modernen Medizin anerkannt, sodass fertige Produkte ohne Schwierigkeiten zu bekommen sind. Viele Anwendungen lassen sich jedoch auch mit frischer oder getrockneter Melisse selbst herstellen.

Innerlich wird die Zitronenmelisse meist als Tee angewendet. Hier hilft sie zur Nervenberuhigung, bei Verdauungsbeschwerden, Fieber, Erkältungen und Kopfschmerzen, bei nervösen Störungen im Magen- und Darmbereich, bei Gallenleiden und leichten Kreislaufstörungen. Sogar bei chronischer Gastritis soll die Melisse unterstützend wirken. Heißer Melissentee kann auch als schweißtreibendes Mittel zur Entgiftung eingesetzt werden. Bei der Zubereitung des Melissentees ist darauf zu achten, 3 Teelöffel pro Tasse zu verwenden –  Melisse muss stark gebraut werden, damit die Wirkung spürbar wird.

Äußerlich kann die Melisse bei kleinen Verletzungen, Schnittwunden, Quetschungen und Insektenstichen Linderung schaffen: zerquetschte Melissenblätter auf die Wunden aufgelegt schaffen Erleichterung. Die kalten Blätter müssen dabei frisch auf die Haut gegeben werden, da sich das heilsame ätherische Öl beim Erhitzen verflüchtigt.

Zur Entspannung empfiehlt sich ein Melissenvollbad. Im Handel sind fertige Badezusätze erhältlich; wer sparen möchte, kann jedoch auch selbst einen Aufguss aus den Blättern herstellen.

Früher wurde die Melisse darüber hinaus innerlich als blutreinigendes Mittel, gegen Schwindel und Fallsucht, zur Unterstützng eines schwachen Herzens, gegen Vergiftung durch Pilze angewendet. Äußerlich fand sie gegen unsaubere Haut und Ergrauung der Haare Verwendung. Viele dieser Indikationen konnten jedoch in heutiger Zeit nicht eindeutig bestätigt werden.

Auch wenn die Zitronenmelisse ihren Ruf als Allheilmittel verloren hat, konnten doch viele der schon früh beschriebenen Wirkungen der Pflanze bestätigt werden und so findet sie noch heute ihre Anwendung in der Heilkunde.

Zitronenmelisse Freigestellt

Quellen und Weiterführendes

  • Buchman, Dian Dincin. Medizin aus der Natur : Kräuter, die ältesten und modernsten Hausmittel. München: Wilhelm Heyne Verlag, 1983.
  • Buss, Katharina; Der Nutzgarten im Blumentopf. Düsseldorf: ECON Taschenbuch Verlag GmbH, 1985.
  • Döring, Ilse: Kräutergarten und Gewürzküche. Otto Maier Verlag Ravensburg, 1982.
  • Fritzsche, Helga: Küchenkräuter selbst gezogen am Fenster, auf dem Balkon und im Garten. München: Gräfe und Unzer, 1984.
  • Fuchs, Leonhardt; Kreutterbuch. Nachdruck der Baseler Ausgabe durch Michael Isingrin von 1543. VMA-Verlag, 2002.
  • GU Kompass: Heilpflanzen bestimmen leicht gemacht. München: Gräfe und Unzer Verlag, 2003.
  • Handbuch der Heilpflanzen : über 200 Pflanzenmonographien. München: Bechtermünz Verlag, 2002.
  • Heilpflanzen kennen, sammeln, anwenden. Köln: Lingen Verlag, 1985.
  • Kräuter : mit mehr als 450 Heil- und Küchenkräutern. The Royal Horticultural Society. Köln: DuMont Buchverlag, 1998.
  • Pahlow, Mannfried: Das große Buch der Heilpflanzen. München: Gräfe und Unzer, 2001.
  • Tabernaemontanus, Jacobus Theodorus: Kräuter-Buch. Faksimile-Nachdruck auf Vorlage des Baseler Drucks von 1731. München: Verlag Konrad Kölbl, 1975.
  • Thauer, Brunhilde: Kräutergarten auf der Fensterbank. München: Wilhelm Heyne Verlag, 1983.

Redaktion: Ilga Becker
Datum: 03.03.2010