WMF - Württembergische Metallwarenfabrik

Im Jahre 1853 gründete der Müller Daniel Straub gemeinsam mit den Brüdern Schweizer in Geislingen die Metallwarenfabrik Straub & Schweizer, welche für ihn jedoch nicht die erste industrielle Unternehmung war, da er bereits drei Jahre zuvor die Maschinenfabrik Geislingen erschaffen hatte, die vor allem Mühlenturbinen herstellte und in ganz Europa vertrieb.

Das noch sehr junge Unternehmen zeigte schnell seinen Erfolgskurs, denn nur 9 Jahre nach der Gründung erhielt der Betrieb auf der damaligen Weltausstellung in London eine Goldmedaille als Auszeichnung. Vier Jahre danach schieden die Brüder Schweizer schließlich aus dem Geschäft aus und die Fabrik wurde in Straub & Sohn umbenannt. Nun folgte 1868 die Eröffnung der ersten eigenen Filiale in Berlin, welche zuvor noch als Musterlager diente und auch der Anteil der Belegschaft stieg von 60 Mitarbeitern auf rund 200 Angestellte im Jahre 1880 stark an. Recht beeindruckend war hier gleichermaßen der Katalog der Firma, welcher zu diesem Zeitpunkts bereits 960 verschiedene Artikel umfasste.

1880 kam es zur Fusion von Straub & Sohn mit der Metallwarenfabrik Ritter & Co., die sich beide aufgrund ihrer unterschiedlichen Vorzüge in verschiedenen Bereichen hervorragend ergänzten. So wurde bei Ritter & Co., abgesehen von den moderneren Produktionsanlagen, beispielsweise schon das galvanische Versilberungsverfahren angewandt, während Straub & Sohn wesentlich rentabler arbeiten konnte. Aus diesem Zusammenschluss beider Unternehmen ging die Württembergische Metallwarenfabrik in der Form einer Aktiengesellschaft hervor, die 1887 schließlich an die Börse ging.

Mit der Erbauung einer Glashütte auf dem Firmengelände 1883 war die WMF erstmals in der Lage, Glaseinsätze für Teegläser, Vasen etc. selbst zu fertigen und später, ab Mitte der 1920er Jahre auch reine Glasartikel und Trinkgläser. Bis 1982, also rund 100 Jahre lang, kam diese Glashütte zum Einsatz.

Im Verlaufe der Unternehmensentwicklung gab es natürlich auch verschiedene Phasen der Diversifizierung, um sich gegenüber der Konkurrenz abgrenzen zu können. Zum einen erfolgte in diesem Bereich 1890 die Übernahme der Galvanoplastischen Kunstanstalt in München, deren Fertigungsanlagen in den nächsten vier Jahren nach Geislingen verlegt wurden und bis 1950 bestanden. Das Produktsortiment umfasste nun zusätzlich Grabdenkmäler, Statuetten für den Zimmerschmuck und Bauornamente sowie Replikate von Kunstwerken vor allem der Renaissance und antiker archäologischer Funde.

Zum anderen wurde 1892 ein neuartiges Verfahren der Versilberung von Bestecken entwickelt, bei welchem gerade an besonders beanspruchten Stellen des Besteckes eine doppelte Silberschicht aufgetragen wurde. Ein Patent dazu folgte auf dem Fuße und auch heute noch findet dieses Verfahren unter der Bezeichnung 'Perfect-Hartversilberung' bei WMF als einzigem Besteckhersteller Anwendung.

Den internationalen Durchbruch erreichte WMF unter der Führung von Carl Hägle im Jahre 1900. Mit rund 3000 Mitarbeiter in Geislingen um die Jahrhundertwende galt das Unternehmen 1910 mit etwa 4000 Angestellten bereits als das größte Industrieunternehmen Württembergs, dessen Musterbücher in 12 Sprachen übersetzt wurden, während Tochterfirmen in London, Warschau und Wien den Absatz noch weiter förderten.

Nach dem Ersten Weltkrieg gewann Besteck immer mehr an Bedeutung, so dass das Sortiment bei WMF überarbeitet und sich dessen Anteil letztendlich auf über 60% des Gesamtumsatzes belief. Darüber hinaus kam es 1920 zur Einführung von Silit-Kochgeschirr aus Siemens-Martin-Stahl.

Neben erfolgreichen Unternehmungen im Bereich der kunstgewerblichen Produktion, erreichte WMF 1925 mit der Sicherung der Alleinverwendung des von Krupp entwickelten V2-A-Stahles für Tafel- und Küchengeräte einen Meilenstein seiner Geschichte. Unter dem eingetragenen Warenzeichen Cromargan®, das heute ein Synonym für rostfreien Stahl ist, stellte das Unternehmen 1927 auf der Leipziger Messer das erste Kochgeschirr vor, dem nur einige Jahre später auch Bestecke auf den Markt folgten.

Auf den Ausbau des inländischen Filialnetzes 1930 (die Anzahl der Filialen wurde von 24 auf über 130 gegen Ende der 30er Jahre erhöht), welcher als Reaktion auf den Zusammenbruch des Auslandsmarktes im Zuge der Weltwirtschaftskrise statt fand, folgte nach Ende des Krieges ein kompletter Verlust des Auslandsvermögens, der Niederlassungen und Filialen. So begann nach 1945 der zielgerichtete Wiederaufbau und Neubeginn von WMF, sowohl in personeller, organisatorischer, als auch technischer Hinsicht. Die zerstörten Filialgeschäfte wurden dabei nicht nur wieder aufgebaut, es kam darüber hinaus ebenfalls zur Errichtung neuer Vertriebstochtergesellschaften in den USA, Holland, Kanada, der Schweiz, Österreich und Italien.    

Nachdem WMF 1950 wieder fähig war, rund 3000 Mitarbeiter zu beschäftigen, erzielte es nun mit Silberbestecken und versilberten Tafelgeräten etwa zwei Drittel seines Umsatzes. Die Wende kam dann Mitter der 50er Jahre, als Cromargan® - Bestecke und -Hohlwaren immer bedeutender wurden. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Produktklassiker, die selbst bis heute teilweise noch zum Sortiment zählen und immer noch großen Absatz finden. Desweiteren erfuhr die Produktpalette eine Erweiterung um Trinkglasgarnituren sowie um eine breite Kollektion für gastronomische Zwecke.

Im Zweigwerk Hayingen, das im Zuge der Expansion neu eröffnet wurde, erfolgte ab 1970 die Aufnahme der Produktion von Klingen. Hier wurden nun die Klingen für Tafelmesser selbst hergestellt, die zuvor lediglich von anderen Anbietern bezogen wurden. Küchenmesser gehörten ab sofort zum Sortiment.

Mehrere Übernahmen ermöglichten es WMF, sich auch in anderen Bereichen einzubringen, so zum Beispiel im Segment der Isoliergefäße mittels des Herstellers alfi, aber auch im Bereich der gehobenen Gastronomie, dessen Zugang sich aufgrund der Übernahme des Zulieferers 'Gesellschaft Gebrüder Hepp' in Pforzheim eröffnete. Auf dem Geschäftsfeld der elektronischen Systeme für Buffetorganisation konnte WMF in Zusammenarbeit mit der WMF Hogatron AG in der Schweiz ebenfalls Fuß fassen.

WMF heute

Im Jahre 2003 konnte WMF sein 150jähriges Bestehen feiern und dabei auf eine Vielzahl an erfolgreichen Unternehmungen zurück blicken. Mittlerweile hat sich die Württembergische Metallwarenfabrik zu einem international agierenden Konzern mit rund 5500 Mitarbeitern entwickelt, der unter anderem Marken wie Silit, Auerhahn sowie Kaiser Backformen unter sich vereint und zahlreiche Produkte in sämtlichen Bereichen von Küchengerätschaften anbietet.


Quellen und Weiterführendes