Erdbeere (Fragaria ananassa)

Die Erdbeere wird manchmal auch als Königin der Früchte bezeichnet. Hierzulande ist sie nach dem Apfel schon seit Jahrtausenden die beliebteste Frucht. Die Germanen weihten die Erdbeere  ihrer Göttin Freya, da sie als leuchtend und verlockend galt. Die ersten drei Erdbeeren des Jahres opferten sie ihr.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten von Erdbeeren: die Art, die zu der Gattung der Rosengewächse gehört und Scheinfrüchte trägt und die Walderdbeere, von der die Kulturerdbeere abstammt. Die bekannte Gartenerdbeere wird auch Ananas-Erdbeere genannt und ist eine Kreuzung.

In der Kunst wird die Erdbeere immer wieder verwendet: der berühmte Erdbeermund ist bekannt, die Beatles sangen über Strawberry-fields und auch auf Gemälden und Porzellan findet man sie immer wieder als Sinnbild für Schönheit und das Leben. Bis heute hat die Erdbeere nichts von ihrer Beliebtheit eingebüßt, denken wir nur an Emily Erdbeer oder die vielen Erdbeermotive auf Kleidung und Porzellan.

Erdbeeren

Geschichte und Herkunft

Römer sollen bereits 200 v. Chr. Erdbeeren kultiviert haben. Dabei handelte es sich um die Walderdbeere Fragaria vesca L., die bis heute in vielen Gegenden Europas wild wächst und sehr kleine aber aromatische Früchte trägt. (Wer sich mit Asterix auskennt, weiß, dass die Erdbeeren zum Beispiel in Asterix der Gallier eine große Rolle spielen.)

Die Art Fragaria moschata Weston, die vor allem in Osteuropa wild wächst, wurde im 17.Jahrhundert kultiviert, spielt aber heute keine Rolle mehr.Die Scharlach- oder Himbeer-Erdbeere, der Vater der heutigen Kulturerdbeere, wurde im 17. Jahrhundert von Nordamerika nach Frankreich gebracht. Etwa zur gleichen Zeit brachte man aus Chile die Chile-Erdbeere fragaria chiloensis nach Frankreich. Als man beide Arten zufällig zusammenpflanzte, merkte man, dass die Hybriden aus beiden größere rote Früchte mit einem interessanten Geschmack hervorbrachten. So war die heutige Garten-Erdbeere Fragaria x ananassa DUCHESNE entstanden. Der lateinische Name lässt sich dadurch erklären, dass die Holländer diese neue Erdbeeren-Art Ananas-Erdbeere nannten.

In Deutschland wurden die ersten Gartenerdbeeren 1751 in den Hofgärten König Georgs II. Von Hannover gezogen. Ein Jahrhundert später begann der erwerbsmäßige Anbau der Früchte.

Aussehen und Geschmack

Botanisch zählen Erdbeeren streng genommen nicht zu den Beerenfrüchten, da ihr Fruchtfleisch aus der Blütenachse und nicht aus Fruchtblättern gebildet wird. Sie zählen also genau genommen zu den Schein- und Sammelfrüchten. Zu den bekanntesten Sorten zählen Darselect, Elsanta und Korona.

Die Chile-Erdbeere fragaria chiloensis gilt als die Mutter der Kulturerdbeere. Die Scharlach- oder Himbeer-Erdbeere fragaria virginiana ist der Vater dazu, denn die Kreuzung dieser beiden Sorten ergab Hybriden, die später als fragaria ananassa zur Kulturerdbeere entwickelt wurden.

Bis heute gibt es die wild wachsende Walderdbeere, die aber nach dem Sammeln vor dem Genuss unbedingt gewaschen werden sollte, um der Gefahr der Parasitenübertragung vorzubeugen

Inhaltsstoffe

Erdbeeren enthalten vor allem ätherische Öle,  Flavone und Gerbstoffe, wertvolle Biostoffe sowie die Mineralstoffe Kalium, Kalzium, Phosphor und Eisen. Die Früchte enthalten außerdem viele Vitamine, darunter besonders Vitamin C: die Erdbeere enthält sogar mehr Vitamin C als die Zitrone; schon 150g der Früchte decken den Tagesbedarf.

Bei all diesen Vorteilen enthält die Erbeere zudem nur 37kcal pro 100g und ist damit eine echte Schlankheitsfrucht. Die Früchte sollten immer frisch gegessen werden, da sie schon wenige Stunden nach dem Pflücken an Vitamingehalt und Aroma nachlassen Wer sie selbst pflücken kann, sollte daher frische Erdbeeren bevorzugen.

Erdbeeren in der Küche

Am bekanntesten sind die Erdbeeren wohl als Früchte, die pur, mit Zucker oder Sahne als Dessert gegessen oder zu verschiedenen Süßspeisen verarbeitet werden. Sie eignen sich hervorragend für Marmelade, Obstkaltschalen, Pies und andere Desserts. Besonders in Verbindung mit Rhabarber werden sie gern zu Kompott oder Creme verarbeitet. Auch in Kombination mit anderen Früchten wie zum Beispiel Mangos lassen sich schmackhafte Cremes aus ihnen zubereiten.

Im Sommer erfrischen die Früchte als Erdbeereis oder Sorbet, sie passen gut in Quark und Fruchtsalat. Bekannt sind auch die Erdbeeren mit Schokolade, besonders als Essen zum Valentinstag. Die Erdbeertorte ist eine der klassischen und bekanntesten Obsttorten.

Weniger bekannt sind ausgefallenere Rezepte mit Erdbeeren wie die Kombination Erdbeeren mit Mozzarella als Vorspeise oder herzhafte Gerichte mit einer Sauce aus Erdbeeren. So lässt sich zum Beispiel aus Erdbeeren und Ingwer eine Sauce für Hauptgerichte wie zum Beispiel Garnelen herstellen. Auch Essig lässt sich hervorragend mit Erdbeeren verfeinern.

Einkauf und Lagerung

Frische Erdbeeren erhält man ab Februar aus Spanien, Italien und Griechenland, einheimische Früchte (mit meist aromatischerem Geschmack) sind ab Juni zu kaufen. Man bekommt zwar das ganze Jahr über Erdbeeren aus dem Treibhaus aus Südeuropa oder den USA zu kaufen, jedoch ist bei diesen Früchten Vorsicht geboten, da sie oft stark durch Nitrate belastet sind, die als gesundheitsgefährdend gelten und das Aroma verderben. Zusätzlich werden die weit transportierten Früchte oft mit Konservierungmitteln behandelt oder sogar radioaktiv bestrahlt. Am besten kauft man Erdbeeren also nur im Sommer und dann bevorzugt vom nächsten Bauern der Umgebung.

Erdbeeren in der Heilkunde

Obwohl die Erdbeere in erster Linie als schmackhafte Dessertfrucht bekannt ist, hat sie dennoch neben ihrem Vitamingehalt  zahlreiche weitere wenig bekannte Heilwirkungen auf den menschlichen Organismus.

Erdbeeren regen den Appetit an und fördern die Verdauung, indem sie die Schleimhäute reinigen. Sie wirken außerdem fiebersenkend, wundheilend, stoffwechselanregend, harntreibend und durchfallstopfend. Der Botaniker Carl von Linné soll zudem seine Gichtanfälle erfolgreich mit Walderdbeeren behandelt haben.

Die Erdbeere wirkt adstringierend, also zusammenziehend, was bis heute bei der indischen Medizin bei Wunden angewendet wird. Dort weiß man auch, dass Erdbeerfleisch gegen Karies wirkt und das Zahnfleisch stärkt, und reibt darum Zähne und Zahnfleisch damit ein. Tee aus Erdbeerblättern hilft außerdem bei Magen- und Darmproblemen, reinigt die Haut und unterstützt wie schon oben erwähnt bei der Behandlung von Gicht.

Die Erdbeerkur als Schönheitskur sollte wenigen geläufig sein. Schon die Alchemisten im Mittelalter empfahlen die Erdbeere als Schutz gegen viele Gifte. Die Früchte sollen eine frische Haut erhalten. So kann man ähnlich einer Gurkenmaske zerdrückte reife Erdbeeren auf dem Gesicht verteilen, 20 Minuten einwirken lassen und anschließend mit warmem Wasser abspülen. Auch aus einer Mischung aus Erdbeeren und Milch lässt sich eine Maske herstellen, die auf das Gesicht aufgepinselt und erst nach einigen Stunden abgespült wird.

halbierte Erdbeeren Freisteller


Quellen

  • Das große Buch vom Obst : Warenkunde, Küchenpraxis, Rezepte. München: Teubner Edition, 2002.
  • Das große Lexikon der Früchte und Gemüse : Herkunft, Inhaltsstoffe, Zubereitung, Wirkung. Köln: Anaconda Verlag, 2008.
  • Die kleine Speisekammer : Lebensmittelkunde von A – Z. Bindlach: Gondrom, 1996.
  • Fischer, Manfred [u.a.]: Taschenatlas Obst : 218 Arten und Sorten. Stuttgart: Ulmer Verlag, 2006.

Weiterführende Links


Redaktion: Ilga Becker
Datum: 30.06.2010