Feige (Ficus Carica)

"Wein, Öl und Feigen sind die drei Urgewächse der frühesten höheren Zivilisation."
nach Genaust, S. 249.

Feige

Die Spuren des Feigenbaumes reichen bis in die Kreidezeit zurück. Der Feigenbaum ist eine der ältesten Nahrungs- und Nutzpflanzen der Menschen. Seine Erwähnung zieht sich durch die gesamte antike Mythologie.

Die Feige und die Antiken Griechen

Die Entdeckung des Feigenbaumes wird dem Gott Dionysos zugeschrieben. Vor allem für die Athener des antiken Griechenlands war die Feige eine wichtige Frucht: vor der Einführung des Getreides soll sie ein Hauptnahrungsmittel gewesen sein, daher führte die Stadt Athen auch eine Feige in ihrem Schilde.

Die Feige und das antike Rom

Berühmtheit unter dem Namen "Ruminalis" erlangte auch jener Feigenbaum bei Rom unter welchem die Wölfin der Legende nach den Romulus und Remus gesäugt hatte. Eine andere Legende erzählt von einem Riesen - Sicaueus genannt - der von Jupiter verfolgt wurde, den die Göttin Rhea dann aber in einen Feigenbaum verwandelte, daher soll eine Stadt in Sizilien Sicaea heißen. (Flora Mythologica)

Die Feige in der Bibel

Als eines von drei Urgewächsen der höheren Zivilisation hielt die Feige auch Einzug in die Bibel: sie ist sogar die erste derart namentlich erwähnte Pflanze und wird ungefähr 60zig Mal in Form von Gleichnissen oder als Medizin erwähnt. (bible)

Die Feige und die Vernichtung Karthagos

Sogar bei der Auslösung eines der Großen Kriege soll die Feige eine Rolle gespielt haben, davon berichtet der Philosoph Plutarch. Cato der Ältere propagierte im Römischen Senat den Krieg gegen das nach dem Zweiten Punischen Krieg wiedererstarkte Karthago. Um die gefährliche Nähe des Feindes zu demonstrieren, zog er während seiner Brandrede eine taufrische Feige aus seiner Toga und erklärte, diese wäre vorgestern in Afrika gepflückt worden. Die Frische überzeugte die die Senatoren von der drohenden Gefahr und sie beschlossen den Dritten Punischen Krieg. Wie die Geschichte lehrt, wurde Karthago dem Erdboden gleichgemacht.

Die Feige - Süßes aus Kleinasien

Die Heimat des Gemeinen Feigenbaumes ist Kleinasien - die Gegend um Karien - heute in der Türkei als das Gebiet um die Stadt Attika zu lokalisieren. Feigen sollen dort schon vor 5000 Jahren von den Assyrern kultiviert worden sein. Von Kleinasien aus wurde der Feigenbaum bereits im Altertum im gesamten Mittelmeergebiet verbreitet. Auch heute noch stammen rund 90 Prozent der Weltproduktion von insgesamt 2 Millionen Tonnen Feigen aus diesem Gebiet. Aber auch in Kalifornien, Südafrika und einigen Ländern Südostasien werden heute Feigen angebaut.

Eine deutsche Feigenallee

Im Prinzip gedeihen die Feigen überall dort, wo auch Weinanbau betrieben wird, folglich auch in Deutschland. Überzeugen kann man sich davon in Deidesheim, wo entlang der "Deutschen Weinstraße" eine großartige, ungefähr 150 m lange Feigenallee zu bewundern ist, welche im Jahre 1907 durch den damaligen Bürgermeister der Stadt, Friedrich von Bassermann, angelegt wurde.

Feigen - Scheinfrüchte mit Vorliebe für heiße Sommer und kühle Winter

Die Feigen sind die Scheinfrüchte des bis zu 10 m hoch wachsenden, Milchsaft führenden und laubabwerfenden Feigenbaumes, der in die Familie der Maulbeergewächse (Maraceae) gehört. Dieser Baum mag heiße und trockene Sommer sowie kühle, feuchte Winter. Ertragreiche Feigenernten sind erst nach 7 bis 10 Jahren Wachstum möglich, aber dann kann auch gleich bis zu 50 Jahre lang geerntet werden.

Die Feigenfrüchte haben ausgesprochen dekorative, tropfen- bis birnenförmige Umrisse. Unter der dünnen blassolivengrünen oder purpurfarbenen oberen Hautschicht verbirgt sich ein weiches Fruchtfleisch, welches bei hellen Sorten weißlich rote, bei dunkelblauen Sorten dunkelrote essbare Samenkerne umschließt. Qualitativ hochwertige Feigen sind daran zu erkennen, dass die Haut an keiner Stelle aufgeplatzt ist und sich leicht abziehen lässt.

Feigensorten

Weltweit soll es 700 Sorten Essfeigen geben, die nach verschiedensten Kriterien klassifiziert werden.

Feigensorten nach Reifedatum

Interessant ist, dass die meisten Feigen bis zu dreimal im Jahr blühen, daher lassen sich Feigenarten nach Jahreszeiten unterscheiden:

  • Frühfeigen: werden geerntet von April bis Juni; auch "Flori die fico" genannt und sind die wohlschmeckendsten Feigen
  • Sommerfeigen: werden von Juni-September geerntet; auch "Pedagnuoli" genannt und erbringen die größten Erträge
  • Spätfeigen: werden von September bis Januar geerntet; auch "Cimaruoli" genannt und sind die qualitativ minderwertigsten.

Feigensorten nach Art der Fruchtbildung

Eine weitere Gliederung unterscheidet Feigen hinsichtlich der Fruchtbildung:

  • "Gewöhnliche Feige" oder auch "Adria-Feige": die Früchte dieser Sorte entwickeln sich ohne Bestäubung und enthalten daher auch keine Kerne, manchmal werden diese Sorten jedoch zur Erzielung größerer Erträge künstlich befruchtet, durch ein spezielles Verfahren, welches "Kaprifikation" genannt wird. Einige wichtige Sorten sind die "Dottato" aus Italien, die "Brown Turkey" oder auch die "Marseilles".
  • die "Smyrna-Feige": diese Sorte bildet nur Früchte nach Bestäubung mit den Pollen der - selbst keine Früchte tragenden - Holzfeige (wird auch Bocksfeige oder Geißfeige genannt). Die Bestäubung erfolgt durch Gallwespen. Die wichtigsten Sorten ist die "Sari Lob" auch "Sarilop".
  • "San Pedro Feige": bei dieser Sorte handelt es sich um einen Zwischentyp. Die Früchte der ersten Haupternte wachsen komplett ohne Bestäubung, bei der zweiten Ernte erfolgt hingegen eine Bestäubung wie bei der "Smyrna-Feige". Sorten sind außer "San Pedro" noch "King-Feige" oder die "Gentile-Feige".

Trockenfeigen

Auch bei den Trockenfeigen ist Feige nicht gleich Feige, hier wird wieder nach Art der Zubereitung und sogar nach Anordnung und Form der getrockneten Früchte unterschieden.

  • "Garlandsfeige" oder auch "Kranzfeige": hierbei handelt es sich um griechische oder türkische Trockenfeigen, die grundsätzlich kranzförmig gepresst in den Handel kommen.
  • "Layer-Feigen" sind flach in Lagen gepresste Trockenfeigen.
  • "Locoum-Feigen" sind in Würfel oder Täfelchen gepresste Feigen.
  • "Mehlfeigen": sind Trockenfeigen, die aus Haltbarkeitsgründen mit Mehl bestäubt wurden.
  • "Smyrna-Feige" oder auch "Sultansfeige": ist die wohl beste Trockenfeige der Welt. Sie kommt grundsätzlich nach Größe sortiert in den Handel

Nachgefragt: Wie kommen die Trockenfeigen in Form?

Trockenfeigen - der Name verrät es schon - werden aus getrockneten frischen Feigen hergestellt. Dabei werden die getrockneten Frischfeigen noch einmal gewaschen, danach für ein bis drei Minuten in kochendes, leicht gesalzenes Wasser geworfen oder einer längeren Dampfbehandlung ausgesetzt, bevor sie aufgeweicht in die jeweils gewünschte Form gepresst, wieder getrocknet, begast und verpackt werden. Das geschieht heute durch 28stündige Behandlung in gasdichten Räumen unter Sauerstoff Entzug und Zugabe von Kohlendioxid. Diese Früchte weisen später eine weißglänzende Haut auf, die durch den auskristallisierten Zucker hervorgerufen wird.

Feigen verspeisen

Feigen werden in vielfältigster Art verspeist, vor allem in ihren Erzeugerländern, wo sie ein wichtiges Nahrungsmittel sind. Feigen werden zu Kompott, Konfitüre, Vorspeisen, zur Eis- und Quarkspeisezubereitung genutzt. In Griechenland und der Türkei wird sogar ein Kaffeeersatz - der sogenannte "Feigenkaffee" - aus den Feigen hergestellt. Man kennt im Mittelmeergebiet auch Feigenbrot sowie kandierte und gebackene Feigen. Jedoch lassen sich die Feigen auch zu allerlei Flüssigem verarbeiten: Essig, Sirup, Wein, Likör und andere alkoholische Köstlichkeiten werden auf Feigenbasis produziert. Von der Brauchbarkeit der süßen Frucht zu hochgeistigen Getränken zeugen sowohl der portugiesische Tresterbranntwein "Aquardente de figo"  als auch der tunesische Feigenschnaps "Boukha".

Frische Feigen

Frische Feigen guter Qualität schmecken aromatisch, honigsüß und gallertartig. Sie werden meist im ganzen Stück genossen. Dabei wird die Schale - obwohl essbar - nicht mitgegessen. Man kann die frischen Früchte auch schälen, durchschneiden oder auslöffeln. Am besten viertelt man sie jedoch, trennt das Fleisch mit einem Messer von der Haut und reicht die Viertel zu Herzhaftem wie Käse und Schinken. Dabei isst das Auge mit, denn das Fruchtfleisch der verschiedenen Sorten besticht durch Farbenspiel, welches von gelb und grün über rosa und violett bis hin zu schwarz und braun reicht. Sie feinsüße Säuerlichkeit ergänzt auch Schwein und  Hasengerichte, passt jedoch ganz besonders gut zu in Wein gekochtem Fasan.

Getrocknete Feigen

Getrocknete Feigen sind genauso vielfältig einsetzbar, wie die frischen Feigen, jedoch sollten sie nie zur Gänze, sondern möglichst nur weit aufgeschnitten verarbeitet werden, weil man nur so feststellen kann - zum Beispiel durch schwärzliche Verfärbungen - ob sie von den gefürchteten Aflatoxinen befallen sind, das sind natürliche Giftstoffe, die sich durch Hitze und Feuchtigkeit bilden. In Milch eingeweichte Trockenfeigen sollen eine probate Süßigkeit gegen Kehlkopf- und Rachkatarrh sein.

Lagerung von Feigen

Geerntete Feigen reifen nicht mehr nach und sind nur ganz kurze Zeit, am besten Kühlschrank, aufzubewahren. Getrocknete Feigen halten mehrere Monate, vorausgesetzt sie lagern kühl und trocken. Mehlige Schalenbeläge und säuerliche Gerüche lassen auf Überlagerung schließen.

Und zum Schluss - Geheimnisvolle Feigentinte

Der im Feigenbaum reichlich vorhandende milchige Pflanzensaft hat geheimnisvolle Eigenschaften. Zum einen soll er so aggressiv sein, dass er sogar Warzen wegätzen kann. Zum anderen kann man ihn auch als Geheimtinte benutzen, denn wenn man auf ein Papier mit Feigensaft schreit, ist das Geschriebene erst unsichtbar, hält man das Papier dann über Feuer, werden die Buchstaben schwarz und sichtbar. (Krünitz)

halbierte Feige

  • Rezept – Feigenmakronen
    Leckere, aromatische Plätzchen, ein Feigenmakronen Rezept für die Adventszeit. Gelingt schnell und einfach.

Quellen und Literaturverzeichnis

  • Bendel, Lothar. Das große Lexikon der Früchte und Gemüse. Köln: Lizenzausgabe Anaconda Verlag GmbH, 2008.
  • Genaust, von Helmut. Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. Nikol Verlagsgesellschaft, 2005.
  • Krünitz, Dr. Johann Georg. Krünitz online - Oeconomischen Encyclopädie 1773 bis 1858. Zur Quelle.
  • Liebster, Günther. Obst Warenkunde. Weil der Stadt: Walter Hädecke Verlag, 2002.
  • Pini, Udo. Das Gourmet Handbuch. Tandem Verlag GmbH, 2005/2007.
  • Johann Heinrich Dierbach. Flora Mythologica oder Pfanzenkunde in Bezug auf Mythologie und Symbolik der Griechen und Römer, J.D. Sauerländer, 1833
  • (bible) Across The Bible, Across Europe - Quer durch die Bibel, quer durch Europa. Zur Quelle.