Kaktusfeige

Kaktusfeigen (lateinischer Name Opuntia ficus-indica) sind die Früchte des Feigenkaktus oder Opuntienkaktus. Sie werden nach dem lateinischen Namen manchmal auch Opuntien genannt.

Im Volksmund heißen die exotischen Früchte auch Barbareifeige, Brot der trockenen Gegenden, Distelfeige, Feigendistel, Feigenkaktus, Feigen-Opuntie, Kaktusbirne, Kaktusfrucht, Stachelbirne oder Stachelfeige. Getrocknete Kaktusfeigen nennt man auch Indische Feigen.

Kaktusfeige

Geschichte und Herkunft

Der Feigenkaktus (Familie der Kakteen (Cactaceae)) stammt aus dem tropischen Südamerika und wurde schon vor Jahrtausenden in Mexiko angebaut. Er wuchs vor allem in den mexikanischen Wüstengebieten, weshalb die Früchte auch als 'Brot der trockenen Gegenden' bezeichnet werden.

Im 16. Jahrhundert gelangten die Kaktusfeigen erstmals durch spanische Seefahrer nach Europa. Heute wird er auch im Mittelmeerraum, in Asien und Australien angebaut. Heute wachsen die Feigenkakteen in vielen Ländern wie Ägypten, Israel, Sizilien, Spanien und Tunesien noch wild.

Aussehen und Geschmack

Der Feigenkaktus ist eine Pflanze mit großen, ohrenförmigen Blättern, die in vielen Gegenden hohe undurchdringliche Hecken bilden. Er trägt ovale, bis zu 10cm lange Früchte. Ihre ledrige Schale ist mit warzenartigen Erhebungen besetzt, die meist mit kleinen, in Büscheln angeordneten Dornen besetzt sind. Die Schale ist rotviolett, gelb oder orange. Das gelb, rosa oder rot gefärbte Fruchtfleisch ist mit zahlreichen schwarzen Samen durchsetzt.

Kaktusfeigen zeigen kein intensives Aroma, das Fruchtfleisch schmeckt allerdings gut gekühlt sehr erfrischend, herb-süß und ein wenig nach Birne oder Melone. Die wild wachsenden kleinen, dunkelroten Früchte sind besonders köstlich. Sie färben übrigens stark, darum ist beim Verzehr Vorsicht geboten. Unreife Kaktusfeigen sind ungenießbar und sollten nicht verzehrt werden.

Inhaltsstoffe

Das Fruchtfleisch der Kaktusfeigen ist reich an den Mineralien Kalium, Magnesium und besonders Calcium (12mg auf 100g Fruchtfleisch) sowie vielen Vitaminen des B-Komplexes und Vitamin C (20mg in 100g Fruchtfleisch) und enthält außerdem Eiweiß, Fruchtzucker, Oxalate.

Anbau und Ernte

Kaktusfeigen lassen sich mit ausreichend Geduld und einem 'grünen Daumen' aus Samen ziehen oder vegetativ vermehren. Weniger aufwändig ist allerdings eine kleine Pflanze im Gartencenter zu kaufen.

Der Feigenkaktus wächst besonders gut auf magerem Boden mit Sand und Steinen. Im Sommer braucht er viel Licht und gedeiht am besten im Freien und bei trockener Luft. Im Winter muss die Pflanze im Zimmer oder Gewächshaus bei Temperaturen um die 6° C überwintert werden.

Der Kaktus braucht genügend Wasser, darf aber nur in größen Abständen gegossen werden, um Staunässe vorzubeugen. Im Winter wird der Feigenkaktus sogar ganz ohne Wasser gehalten. Dünger braucht er nur im Sommer ein- bis zweimal während der Vegetationsperiode.

Die Früchte werden im Herbst geerntet, nachdem sie die Sommermonate über ausreifen konnten. Die Feigen sind reif, wenn sie kräftig rot oder gelb gefärbt und weich sind. Bei der Ernte sollte man unbedingt Handschuhe tragen, um sich nicht an den spitzen Stacheln zu verletzen.

Kaktusfeigen in der Küche

Das Fruchtfleisch der Kaktusfeigen wird roh mitsamt der Samen verzehrt. Um die Früchte weiter zu verarbeiten, sollte man vorher die kleinen (oft mit Widerhaken versehenen) Stacheln entfernen, indem man die Früchte einige Minuten in kaltes Wasser legt und sie anschließend mit einer nicht zu harten Bürste abbürstet. Danach kann man die Haut der Früchte vorsichtig abziehen oder sie aufschneiden und das Fruchtfleisch auslöffeln.

Kaktusfeigen werden frisch gegessen, zu kalten Vorspeisen, Süßspeisen, Konfitüren, Mixgetränken, Obstsalaten und Saft verarbeitet. Das leicht gekühlte Fruchtfleisch kann man mit Cognac, Eierlikör, Grand Marnier, Zitronensaft, Zucker oder heißer Schokoladensauce beträufeln. Weniger verbreitet, aber dennoch üblich ist die Verwendung von Kaktusfeigen zu Fleisch, Fisch oder Meeresfrüchten als Vorspeise.

Die gedörrten Früchte werden als Trockenfrucht oder zur  Schnapsverarbeitung verwendet. In Mexiko wird aus dem getrockneten Fruchtfleisch außerdem  ein berauschendes Getränk gewonnen.

Die Früchte eignen sich gut als Dessert. Zum Beispiel kann man mit ihnen eine leckere Kaktusfeigensauce herstellen, indem man die Feigen wie oben beschrieben von ihren Stacheln befreit und sie schält. Das Fruchtfleisch wird durch ein Sieb gedrückt, um die Kerne zu entfernen, und anschließend mit Zucker und Zitronensaft sowie einem Schuss Weinbrand oder Likör vermischt. Diese Sauce schmeckt kalt oder warm zu Pudding, exotischem Fruchtsalat oder Eis.

Als Sauce eignet sich auch gut die Kaktusfeigenbutter, für die die Früchte geschält und in Scheiben geschnitten in karamellisiertem Zucker, Whiskey und Blutorangensaft mit einer halben Vanilleschote köcheln und anschließend püriert werden. Nachdem die Sauce durch ein Sieb gestrichen wurde, wird sie nochmals erhitzt, mit Stärke gebunden und mit kalter Butter vermischt.

In Südamerika werden auch die jungen, fleischigen Blätter der Kaktusfeige verarbeitet. Man bereitet daraus Gemüsegerichte und Salate. Die Samen der Kaktusfeige schmecken pur, mit Zitronensaft und Mayonnaise beträufelt oder mit Pfeffer abgeschmeckt. Sie können auch gut als Dekoration für Desserts, Obstsalate und Cremes verwendet werden.

In Südamerika wird außerdem eine besondere mexikanische Spezialität an Straßenecken angeboten: Nopalitos, in Scheiben geschnittene Kaktusfeigenblätter, die in feurig-scharfer Sauce oder Salzwasser eingelegt wurden.

Einkauf und Lagerung

Gut sortierte Supermärkte mit großem Fruchtangebot bieten frische Kaktusfeigen an. In Reformhäusern findet man außerdem Kaktusfeigensaft, der aber in erster Linie zu Heilzwecken verwendet wird.

Kaktusfeigen werden meistens unreif geerntet und reifen erst bei Transport und Lagerung nach. Die noch unreifen, grünen Früchte kann man gut bei Raumtemperatur nachreifen lassen. Reife Früchte erkennt man daran, dass sie beim Drücken nachgeben. Sie können etwa eine Woche im Kühlschrank gelagert werden.

Kaktusfeigen in der Heilkunde

Kaktusfeigen wirken abführend, entschlackend, durstlöschend und cholesterinsenkend. Sie werden außerdem zur Leistungssteigerung empfohlen, da sie einige Mineralstoffe wie Kaluim, Calcium und Magnesium enthalten. Besonders für Sportler sind sie aufgrund ihrer freien essenziellen Aminosäuren ein schneller Energiespender und können als gesunder Energydrink getrunken werden.

Das Fruchtfleisch der Kaktusfeige enthält außerdem viele natürliche Farbstoffe, die antioxidativ wirken und als sogenannte Radikalfänger Zellen und Organe schützen.

Nach einer israelischen Studie zeigten 80% der Patienten mit Blasenschwäche und Prostataleiden nach einer 6-wöchigen Behandlung mit einem Extrakt aus den Blüten und Früchten der Kaktusfeige eine Besserung.

halbierte Kaktusfeige

Quellen

  • Bendel, Lothar: Das große Früchte- und Gemüselexikon. Düsseldorf: Albatros Verlag, 2002.
  • Das große Buch vom Obst : Warenkunde, Küchenpraxis, Rezepte. München: Teubner Edition, 2002.
  • Das große Lexikon der Früchte und Gemüse : Herkunft, Inhaltsstoffe, Zubereitung, Wirkung. Köln: Anaconda Verlag, 2008.
  • Lehari, Gabriele: Exotisches Obst und Gemüse für die Küche. Stuttgart: Ulmer, 2006.

Weiterführende Links


Redaktion: Ilga Becker
Datum: 21.03.2010