Litschi (Litchi chinensis)

"Wer einmal eine Litschi kostet, wird erst wieder bei der nächsten glücklich werden" heißt es in China, der Heimat der Litschi. (Pini) Die Herkunft der "Chinesischen Haselnuss" lässt sich sogar noch genauer lokalisieren: es handelt sich um Südchina, ganz konkret um das Gebiet der heutigen Provinzen Guangdong und Fujian.

Litschies

Weniger eindeutig ist hingegen der Ursprung des Namens der Litschi-Frucht. Die einen behaupten, der Name "Litschi" leitet sich vom chinesischen Wort "Lee Chee" ab. Übersetzt man dieses, dann wäre die Litschi in ihrer Eigenschaft als "Liebesfrucht" oder als "Spenderin von Lebensfreude" zu ihrem Namen gekommen. (Liebster). Andere argumentieren, das chinesische Zeichen "lizhi" hätte Taufpate für den Namen gestanden, übersetzt wäre die Litschi dann eine Frucht "vom Zweig der dreiblütigen Pflaume" (Genaust) Sicher schmückt jede Frucht sich gern mit dem Namen "Liebesfrucht": jedoch ist anzunehmen, dass der ursprüngliche Name wohl "vom Zweig der dreiblütigen Pflaume" lautete, bedenkt man die pflaumenartige Konsistenz des Fruchtfleisches. Zum anderen sind auch kaum Überlieferungen bekannt, die auf eine besonders enge Verbindung zwischen der Litschi und der Liebe schließen lassen.

Was ist eine Litschi?

Schon im dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wurde die hocharomatische Frucht von chinesischen Schriftstellern erwähnt. In der "Geschichte des großen Reichs Chinas" von Gonzales de Mendoza aus dem 16. Jahrhundert heißt es, dass die Litschi "eine Art äußerst wohlschmeckender Pflaume sei, die den Magen nicht beschwert, soviel man auch davon essen mag…". Die Frucht, deren Aroma weniger an Pflaumen als eher an Muskateller-Trauben erinnert, erfreute sich derart großer Beliebtheit, dass sich manche chinesischen Provinzherrscher ihre Steuer in Litschis zahlen ließen. (Liebster)Eine andere Geschichte erzählt von einer chinesischen Kaiserin die sich des öfteren Litschis aus der Provinzhauptstadt Kanton mitbringen ließ. War ein Bote unpünktlich, ließ die ihn die Kaiserin sofort köpfen - scheinbar war Geduld nicht die Stärke dieser Dame.

Beschreibung - Ein rauhes Früchtchen aus der Familie der Seifengewächse

Litschis sind Früchte des bis zu 12 Meter hoch wachsenden, immergrünen Litchi-Baumes, der in die Familie der Seifengewächse gehört. Ursprünglich aus den chinesischen Südprovinzen stammend, wird der Baum heute weltweit in den Subtropen angebaut, die sein natürlicher Lebensraum sind.

Ein einziger Litschi-Baum kann bis zu 300 kg Früchte tragen, die dann in Rispen bis zu 30 Stück zusammenhängen. Die 2,5 bis 4 cm großen Litschi-Früchte sind oval bis rund oder auch herzförmig und besitzen eine dünne, ledrige Schale. Wenn die Frucht voll ausgereift ist, bekommt die Schale eine verführerisch rosarote, dunkelrote oder auch purpurrote Farbe. Leider verwandelt sich die Litschi-Schale kurz nach der Ernte in eine stumpfbraune, wenig attraktive Hülle, woher die gern verwandte Bezeichnung "Chinesische Haselnuss" herrührt. Die Schale selbst ist aus lauter kleinen fünf- oder sechseckigen Segmenten zusammengesetzt, deren Form von pyramidal bis glatt ausfallen kann. Auf diesen Segmenten sitzen nochmals Ausstülpungen, die ebenfalls unterschiedlicher Beschaffenheit sind: das Spektrum reicht von dornenähnlich über haarähnlich scharf bis hin zu glatt. Die Schalenbeschaffenheit bildet ein wesentliches Merkmal, um Litschi-Sorten voneinander abzugrenzen. Mehr Informationen zu dazu finden sich unter dem Punkt "Die Litschisorten".

Unter der recht rauen Schale befindet sich das das weißliche, wie Perlmutt schimmernde, saftige, verführerisch nach Rosen duftende Litschi-Fruchtfleisch, welches köstlich süßsäuerlich schmeckt, dabei je nach Reifegrad entweder ein "Himbeer-Sauerkirsch Aroma", ein "Weintrauben mit Muskat gewürzt Aroma", ein "Rosenduft mit Ingwer-Aroma" oder - in konservierten Zustand - auch ein "Rosinen-Aroma" aufweist.

Dabei ist das Fruchtfleisch botanisch korrekt nur der Mantel (Arillus) der den Litschi-Samen umhüllt. Dieser Litschi-Kern ist ungenießbar, dabei glänzend braun mit sortenabhängig unterschiedlicher Größe. Zunehmend werden Litschi-Sorten mit Schrumpfkernen oder ganz fehlenden Kernen gezüchtet - so hat man mehr vom köstlichen Fruchtfleisch.

Geschlossene Litschies

Die Litschi-Sorten

Die meisten der weltweit angebauten Litschi-Sorten stammen ursprünglich aus China, dort sind über 100 Litschi-Sorten bekannt. Einige wenige Sorten werden unter anderem Namen in anderen Ländern angebaut. Große Litschi-Anbauflächen befinden sich heute in Thailand, Südafrika, Amerika sowie auf den Kanarischen Inseln.

Die weltweit wichtigsten Sorten sind die "Purple"-Litschi", die "Brewster"-Litschi" (auf Chinesisch = "Chen Zi" genannt) sowie die "Mauritius HLH-Litschi" (auf Chinesisch "Tai So" genannt), wobei letztere hauptsächlich aus Südafrika kommt. Die Sorte "Quenepa-Litschi" hingegen wird überwiegend aus dem tropischen Amerika und von den Kanarischen Inseln importiert.

Bedeutende Litschi-Sorten in China sind die Sorten "Tai So", "Haak Yip", "Souey Tung" und die Sorte "Kwai Mai".

Die bei uns sehr bekannte Dosen-Litschi stammt übrigens zumeist aus Thailand und wird aus der auch in China angebauten "Haak Yip"-Litschi gewonnen. (Liebster)

Was in der Litschi steckt - Köstliche Süße

Zwar werden Litschi in China gern zur Linderung von Magenschmerzen eingesetzt und bekannt ist auch, dass frische Litschischeiben auf Geschwüre gelegt, diese aufplatzen lassen, jedoch werden Litschis wohl zuerst ihres köstlichen Süße wegen verzehrt, denn immerhin bestehen 17 g von 100 g der Frucht aus leckeren Kohlenhydraten. Hohe Werte erreicht die Frucht auch hinsichtlich des Kaliumgehaltes (182 mg auf 100 g). Der Vitamin-C -Gehalt ist mit 39 mg auf 100 g im Vergleich zu anderem Obst ebenfalls recht hoch. Ansonsten besteht die Frucht abgesehen von einem kleinen Anteil an Rohfasern (1,6 g auf 100g) zu fast 80 Prozent aus Wasser und hat daher auch trotz des hohen Kohlenhydratanteils recht wenig Kalorien. Wer 100 g Litschi verzehrt, nimmt nur 74 Kalorien zu sich - die Litschi ist also eine Schleckerei ohne Nebenwirkungen für die Figur.

Litschis genießen

In unseren Breiten erfreut sich die Dosenlitschi recht großer Beliebtheit, jedoch werden - weltweit gesehen - Litschis überwiegend roh verzehrt. Besonders attraktiv für den Frischverzehr sind Früchte bei denen sich jemand die Mühe gemacht hat, den festsitzenden Kern zu entfernen und diesen durch ein Stück einer anderen Obstart ersetzt hat. Unbedingt einmal probieren! Auch sonst sind die Früchte vielfältig verwendbar: sie passen zu Cocktails, mannigfaltigen Desserts, in exotische Salate und lassen sich zu Eis, Kaltschalen, Kompott und Sirup verarbeiten.

Nachgefragt: Wie verzehrt man korrekt eine frische Litschi?

Um an das köstliche Fruchtfleisch zu kommen, muss dieses von der spröden Schale befreit werden. Dafür gibt es zwei Varianten: Entweder wird die Schale abgepellt, in der Art wie man es von gekochten Eiern kennt oder die etwas frugalere, aber auch effizientere Methode: Man öffnet die Schale am Ende der Frucht und drückt sich das Fruchtfleisch - zusammen mit dem Kern - in den Mund. Bei beiden Varianten ist das Problem mit dem Kern noch nicht gelöst, der sich bei einigen Sorten nicht gerade leicht vom Fruchtfleisch löst. Hinsichtlich dieses Problems schafft nur der Trend zu den kernlosen Litschi-Sorten wirklich Abhilfe.

Litschi kochen

Die Litschis passen nicht nur zur Süßem, die warme chinesische Küche nutzt die Früchte auch an Reis-, Fleisch- und Fischgerichten. Über einen längeren Zeitraum sollte man Litschi jedoch nicht erhitzen, da sie sonst zäh werden und außerdem ihre Vitamine verlieren.

Litschi trinken

Die süßsaure chinesische Pflaume hat den Getränke-Markt erobert. Nicht nur als Beigabe zum Cocktail, sondern auch den Markt für Erfrischungsgetränke, Wein und Schaumwein. Sogar Litschi-Bier gibt es schon. Litschi flüssig-sprudelnd schmeckt köstlich - davon kann sich jeder überzeugen, der einen kräftigen Schluck Litschi-Bionade oder Sinalco-Litschi genießt.

Einkauf und Aufbewahrung von Litschi

Litschis sind zumeist das ganze Jahr über erhältlich, schwerpunktmäßig jedoch im Winterhalbjahr. Je nach Jahreszeit stammen die eingeflogenen oder per Schiff nach Europa importierten Früchte aus verschiedensten Gegenden der Welt: von November bis Januar kommen die meisten Früchte aus Madagaskar und Rèunion, von Ende November bis März aus Südafrika und gegen Ende September zumeist aus Israel - also fast nie aus China!

Das beste Aroma haben vollreif geerntete rötliche Früchte. Unreif geerntete Früchte - sehr gut zu erkennen an ihrer gelbgrünen Farbe - sind zwar etwas haltbarer und besser zu transportieren, haben aber kaum Aroma; das ändert sich auch nicht mehr, denn Litschis reifen nicht nach.

Nachgefragt: Warum ist die Litschi im Supermarkt rot?

Normalerweise verlieren Litschis 2 bis 3 Tage nach der Ernte ihre rote Farbe: Wie kommt es also, dass die Supermarkt-Litschi rot ist? Ursache hierfür ist die Nacherntebehandlung mit Schwefeldioxid und eine geschlossene Kühlkette während des gesamten Transportweges. Der Schwefel sorgt dafür, dass die Früchte zwar erst ihre Farbe verlieren, sie dann aber in Normalatmosphäre dauerhaft zurückgewinnen.

Eingedenk der Schwefelbehandlung sollte man beim Litschi-Einkauf beachten, dass die Schale der Frucht keine Löcher und Risse aufweist, durch diese hätte bei der Vorbehandlung Schwefel in das Fruchtfleisch eindringen können - ein wahrhaft wenig schmackhaftes Aroma.

Litschi aufbewahren

Bevorraten lassen sich die empfindlichen frischen Früchte sehr schlecht, da der hohe Zuckeranteil ein schnelles Schimmeln fördert. Im Kühlschrank halten sie maximal eine Woche, bei Zimmertemperatur sind sie schon nach drei Tagen verdorben.

Aber hat man keine frischen Litschi zur Hand, kann man ja immer noch zur fast überall erhältlichen Litschi-Konserve greifen. Neuerdings sind auch schon Litschi-Nüsse auf dem Markt, dabei handelt es sich um getrocknete Litschis, die angenehm nussig-rosinig schmecken.

Und zum Schluss - Interessantes aus dem "Litchi - Web"

  • Der Begriff "Litchi" meint nicht nur die rauhen Früchtchen: www.premiumpresse.de
  • Wissenswertes zum Litschi-Anbau im Gartenblog: www.growguide.net
  • Wissenswertes über die "Allergene" der Litschi - in einer Dissertation: deposit.ddb.de
  • Ganz ausführlich und auf Englisch - Was ist in der Litschi enthalten? pubs.acs.org
  • Alles über die für den Handel angebauten Litschi-Sorten, Anbaubedingungen und Gefährdungen: www.biosecurity.govt.nz

Nach soviel Wissenswerten über die Litschi noch ein Tipp für echte Litschi-Verehrer - das Litschi-Parfüm: zu finden bei Yves Rocher unter dem Namen "Plaisirs Nature Eau de Toilette Litchi".

Litschies geöffnet

Literaturverzeichnis

  • Von Genaust, Helmut. Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. Nikol Verlagsgesellschaft, 2005.
  • Liebster, Günther. Obst Warenkunde. Weil der Stadt: Walter Hädecke Verlag, 2002.
  • Pini, Udo. Das Gourmet Handbuch. Tandem Verlag GmbH, 2005/2007.
  • Datenblatt Litschi - Zur Quelle.