Mandarine "die süßeste aller Zitrusfrüchte"

Ihren Hauptnamen verdankt die Mandarine (Citrus reticulata Rutaceae), "süßeste aller Zitrusfrüchte", gerüchteweise der Tracht von hohen chinesischen Beamten, den sogenannten Mandarins, welche ein Zeitlang dieselbe Farbe gehabt haben sollen, wie die Schale der Früchte des Mandarinenbaumes. Allerdings gedeihen die Mandarinen am besten auf Mauritius, da diese Insel von den Einheimischen "Mandara" genannt wird, erzählt ein weiteres Gerücht, dass der Inselname Taufpate für den Namen "Mandarine" stand. (Pini)

Mandarinen

Woher kommen die Mandarinen?

Mandarinen gedeihen wie Apfelsinen und Zitronen weltweit in den wärmeren Zonen der Erde. Man spricht auch vom "Zitrusgürtel", der etwa zwischen dem 40. Grad nördlicher und dem 35. Grad südlicher Breite rund um den Erdball läuft. Außerhalb dieses Zitrusgürtels gedeihen die Mandarinen - darunter einige der vorzüglichsten Sorten - in einigen Mittelmeeranrainerländern. Die größten Anbaugebiete liegen in Ägypten, Algerien, Australien, China, Israel, Italien, Japan, Libanon, Malta, Marokko, Spanien, Südafrika, Südamerika und in der Türkei. In Deutschland konsumieren wir zumeist Früchte aus Spanien, Marokko, der Türkei und Griechenland. (Rösch)

Der Mandarinenbaum

Mandarinen sind die Früchte des immergrünen, dünnastigen, leicht bedornten, zwischen zwei bis sechs Meter hoch wachsenden Mandarinenbaumes. Die Früchte des Mandarinenbaumes sind den Apfelsinen sehr ähnlich, jedoch kleiner und an beiden Polen leicht abgeplattet. Je nach Sorte können die Mandarinen kernreich, dass meint bis zu 20 Kerne pro Stück, oder kernlos sein. Zumeist sind sie acht- bis zehnfächrig, das heißt es sind also 8 bis 10 einzelne Mandarinenstückchen in der Schale enthalten. Zum Gedeihen brauchen die Früchte starke Sonneneinstrahlung, Wärme, wenig Luftfeuchtigkeit und Trockenperioden. Erst die nächtliche Kälte während der letzten Reifezeit bewirkt die Färbung hin zum orangefarbenen Farbton. (Bendel)

Die Mandarine und ihre Inhaltsstoffe

Mandarinen enthalten reichlich Antioxidantien, Mineralstoffe, Vitamine und ätherische Öle. Daher stärkt der Verzehr der süßen Zitrusfrucht die Blutgefäße und tut dem Herz- und Kreislaufsystem gut. Ein Tee aus Mandarinenschalen soll krampflösende und magenstärkende Eigenschaften haben. Sehr beliebt ist das ätherische Öl der Mandarine in der Aromatherapie: es soll konzentrationsfördernd und ausgleichend wirken. Dabei wirkt es sanft und riecht gleichzeitig so angenehm, dass gerade Kinder es lieben damit beduftet zu werden. Zwar enthalten Mandarinen nicht ganz soviel Vitamin C wie Orangen, jedoch wird von meistens mehr davon gegessen, daher gelten sie als erstrangiger Vitamin C Lieferant.

Mandarine in der Küche

Vielfältig - " Von Mandarinentorte" bis "Fanta-Mandarine"

Die Mandarine wird heute in vielfältigsten Formen verzehrt: frisch, als Konserve oder auch in flüssiger Form. Sogar kandierte Mandarinen sind erhältlich. Am leckersten ist die süß-saftige Frucht sicher als Snack zwischendurch, vielleicht noch zusammen mit anderen Exoten und heimischen Obst in einen Obstsalat gemischt.

Mandarine können auch gut an warme und kalte Süßspeisen gegeben werden: einem simplen Vanillepudding - oder kalorienbewusster: einem Magerquark - geben sie eine pfiffige Note. Bewährte Backrezepte überzeugen davon, dass sich durch Zugabe von Mandarinen leckere Torten und Cremes zaubern lassen.  Wer Mandarinen mag, wird sicher auch Mandarineneis und Mandarinensorbet zu schätzen wissen.

Die Zitrusfrucht findet auch Verwendung bei der Herstellung von Konfitüren und Likören. Die Softdrink-Industrie weiß die süß-saftige Frucht zu schätzen und lockt mit Getränken wie "Fanta-Mandarine" oder mischt den Fruchtsaft diversen Multivitaminsäften bei.

Obwohl Europa erst um 1800 Bekanntschaft mit der Mandarine machte, kann man bei der Mandarine kaum noch von einer "exotischer Frucht" die Rede sein, wenn man den heutigen Bekanntheitsgrad und die Vielfalt der Verwendungsmöglichkeiten zur Grundlage der Begriffsbestimmung des Wortes "exotisch" macht.

Tips zur Mandarine

Lagerung

Mandarinen reifen nicht nach und sollten eigentlich unmittelbar nach der Ernte verzehrt werden. Aber leicht gekühlt können sie bis zu 7 Wochen aufbewahrt werden, ohne wesentlich an Aroma einzubüßen. Bei Zimmertemperatur verkürzt sich die Lagerzeit um die Hälfte. Bald schon hebt sich das Fruchtfleisch stark von der Schale ab, verliert an Süße und Aroma und nimmt den puffigen Geschmack überlagerter Früchte an, daher sollten man die frische Mandarinen, die nicht sogleich verspeist werden, im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Einkauf

Mandarinen sind das ganze Jahr über in fast jedem Lebensmittelgeschäft erhältlich. Man kann sie lose oder abgepackt nach Stück oder Gewicht einkaufen. Der Laie weiß - bevor er gekostet hat - zumeist nichts über Geschmack und Aroma  der Sorte, die er gerade kauft. Dabei sind die Unterschiede zwischen den Sorten bezüglich Aroma und Geschmack zum Teil erheblich, daher findet sich eine kleine Warenkunde als Hilfestellung am Ende dieses Artikels.

Die Mandarine wird nicht nur frisch angeboten, sondern auch in einer Vielzahl von Kompott-Konserven. Beim Einkauf der Konserve sollte man aufmerksam sein, denn das Einfärben der Mandarinenstückchen ist zwar eigentlich verboten, geschieht aber doch immer wieder. Sind die Früchte also extrem orange, sollte man sich beim nächsten Mal vielleicht zum Produkt einer anderen Firma greifen.

Auch die frische Frucht hat ihre Tücken, da Mandarinen zum Zwecke höherer Haltbarkeit mit einer Schutzschicht überzogen sein dürfen, die aus diversen Stoffen bestehen kann. Ist das der Fall, muß diese Behandlung deklariert sein. Mandarinen die glänzen, aber nicht deklariert sind, sollte man besser am Laden belassen.

Kleine Warenkunde der Mandarinen-Arten

Mittlerweile gibt es über unzählige Sorten und Hybridformen von der "kleinen Schwester der Orange", daher ist die Mandarine nicht nur die süßeste Zitrusfrucht, sondern hat auch die umfangreichste Namenstruktur unter allen Zitrusfrüchten. In dieser Warenkunde wird die Vielfalt nur angerissen, wer mag, kann weiterforschen und die oft gar nicht so kleinen Unterschiede zwischen den Sorten kennen und schätzen lernen.

Nach momentanen Stand der Wissenschaft gibt es nur zwei echte Mandarinenunterarten zur eigentlichen "Citrus reticulata rutaceae": die Satsumas sowie die Tangerinen. Alle weiteren Sorten sind Hybridformen, in denen sich der Versuch spiegelt, die sexotische Frucht ständig weiter zu verbessern: süßer, saftiger, größer, kleiner, mit und ohne Kern. Mittlerweile ist die Kultivierung soweit gediehen, dass sich für (fast) jeden Geschmack eine Mandarinensorte finden lässt.

Unterart - Satsumas (Citrus reticulata var. unshiu)

Es wird behauptet, die Satsuma-Mandarine verdankt ihren Namen der einstigen Provinz Satsuma in Japan. Die neuere Abstammungsforschung lässt jedoch vermuten, dass diese Mandarinenart aus einer spanischen Zitrusfruchtforschung hervorgegangen ist.

Die Früchte sind mittelgroß, abgeplattet und gelb bis gelborange in der Schale. Die Schale ist dünn, glatt oder leicht rau und etwas ledrig. Die 9-12 Segmente enthalten zartes, sehr saftiges, wenig saures und gut schmeckendes, orangefarbenes Fruchtfleisch. Die Früchte sind meist kernlos, können aber auch bis zu 4 Kerne enthalten.

Unterart - Tangerinen (Citrus reticulata var. Tangerina)

Die Tangerine, die wohl kleinste Mandarinensorte, verdankt ihren Namen der englischen Bezeichnung für Mandarine, der "tangerine" lautet. Diese Mandarinenunterart hat eine abgeflachte Form mit stark eingedelltem Kelch, ist kernarm und besitzt eine orangerote Schale. Das Fruchtfleisch ist saftig und säurearm, hat ein jedoch ein recht schwaches Aroma. Die Tangerinen werden häufig zur Konservenherstellung verwandt. Der berühmte Orangenlikör "Curaçao" benötigt Tangerinen-Schalen als Grundstoff. (Bendel)

Hybridform -  Tangelos (Citrus reticulata var. paradise)

Tangelo ist der Überbegriff für eine Gruppe von Zitrusfrüchten, die erstmals 1890 in Florida aus der Kreuzung von Mandarine und Grapefruit entstanden ist. Die Fruchtgröße liegt je nach Sorte bei der einer Orange oder der einer Grapefruit. Tangelos schmecken bitter-säuerlich und weisen eine dünne, grüngelb-orangefarbene Schale auf. Die wichtigsten Tangelo-Sorten sind: Minneola, Orlando, Mapo, Ugli. Werden diese Tangelo-Sorten wieder mit Mandarinen-Sorten gekreuzt, spricht man von Tangelo-Hybriden, von denen die wichtigsten folgende Sorten sind: Fairchild, Lee, Nova, Page, Sunburst, Winnola. (Rösch)

Hybridform - Clementinen

Die Clementinen sind eine frühreifende Zufallskreuzung aus Mandarine und Pomeranze, die angelblich 1912 zufällig im Garten eines Trappistenmönches bei Oran in Algerien entdeckt wurde. Die dickschaligen, tieforangefarbenen Clementinen enthalten deutlich mehr Zucker und weniger Säure als Mandarinen und sind daher bei Kindern besonders beliebt. Clemenulles heißt die bei uns am häufigsten anzutreffende spanische Clementinen-Sorte. (Bendel)

Hybridform - Tangors

Tangor ist der Überbegriff für eine Gruppe von Zitrusfrüchten, die aus der Kreuzung von Mandarine und Orange entstanden ist. Die Sorten unterscheiden sich in Fruchtgröße, Fruchtform, Schalenbeschaffenheit, Fruchtfleisch usw. Die meisten Tangor-Sorten ähneln in ihren Fruchtmerkmalen eher den Mandarinen als den Orangen. Die wichtigsten Tangors sind:Ellandale, Murcott, Ortanique, Temple und Afourer. (Rösch)

Die Beste zum Schluss - die "Il Tardivo-Mandarine"

Unter Kennern gilt die aus Sizilien stammende Mandarinensorte «Il Tardivo" als eine der Besten. Sie überzeugt durch natürlichen Ursprung, späte Reife, zuckerhaltigen Inhalt, feine Schale und ein außergewöhnlich starkes Aroma. Gepflückt wird per Hand. Als echte Mandarine bringt die "Il Tardivo" auch einige Kerne mit. Am besten genießt man sie frisch oder als frisches Obstdessert. (tardivo)

Mandarinen


Quellen und Verweise

  • Bendel, Lothar. Das große Lexikon der Früchte und Gemüse. Köln: Lizenzausgabe Anaconda Verlag GmbH, 2008.
  • Pini, Udo. Das Gourmet Handbuch. Tandem Verlag GmbH, 2005/2007.
  • Rösch, Ruth. "Steckbrief Exoten und Zitrusfrüchte." Bonn: AID Infodienst Verbraucherschutz, 2002.
  • tardivo. Mandarine "Il Tardivo" aus Palermo (Sizilien). Zur Quelle.