Pflaume

Die Pflaume (lateinischer Name Prunus domestica) ist ein Steinobst, das sich weltweit großer Beliebtheit erfreut. Zu ihrer Familie gehören die Mirabellen, Renekloden und Zwetschgen.

Der Name 'Pflaume' entstand durch Lautverschiebungen aus den Bezeichnungen andere Länder, z.B. englisch 'plum', italienisch 'prugna', französisch 'prune' und niederländisch 'pruim'.

Pflaume

Geschichte und Herkunft

Pflaumen gehören mit zu den ältesten Kulturobstsorten. Sie sollen schon in der Jungsteinzeit gegessen worden sein, wie Funde bei Pfahlbauten zeigen. Damals handelte es sich allerdings um eingebürgerte oder heimische Wildpflanzen, nicht um die saftigen Sorten unserer Zeit.

Über die Herkunft der Pflaume gibt es unterschiedliche Auffassungen. Sie stammt wahrscheinlich aus dem nördlichen Kaukasus oder dem Altaigebiet in Sibirien, wo es noch heute zahlreiche Wildpflanzen gibt. Man vermutet, dass unsere Hauspflaume eine natürliche Kreuzung zwischen der Schlehe und der Kirschpflaume ist. Sie wird seit über 2500 Jahren in Griechenland kultiviert, man vermutet aber, dass sie bereits vor etwa 5000 Jahren in primitiver Form angebaut wurde.

Kreuzfahrer brachten die Pflaume von Damaskus nach Italien und Griechenland. Durch die Römer gelangten die Kulturpflaumen dann nach Deutschland und Frankreich, wo sich im 18. und 19. Jahrhundert die typischen Anbaugebiete entwickelten.

Aktuell werden Pflaumen in vielen Ländern angebaut und gezüchtet. Sie werden dabei häufig mit fremden Früchten und denen aus der eigenen Familie gekreuzt. Die bei uns im Handel erhältlichen Früchte werden  meist aus Afrika, Frankreich, Italien, Kroatien und Rumänien importiert. Zwischen Juli und Oktober werden auch heimische Früchte zum Kauf angeboten.

Aussehen und Geschmack

Pflaumen sind kugelige, glatte, bläulich-violette oder gelbschalige Steinfrüchte mit rundlichen Enden und einer markanten Bauchnaht. Ihr Fruchtfleisch ist je nach Sorte grüngelb bis leicht rötlich. Sie wachsen auf bis zu 4m hohen Pflaumenbäumen, die man nicht zuletzt in vielen Klein- und Hausgärten sehen kann. In Europa findet man vereinzelt auch noch Wildsorten.

Die reifen Pflaumen schmecken süß und saftig, gegarte Früchte sind jedoch relativ sauer.

Anbau und Ernte

Pflaumen benötigen einen humusreichen, feuchten Boden und eine sonnige und geschützte Lage. Der Boden darf nicht austrocknen, da für die Ausbildung der die wasserreichen Früchte genug Wasserzufuhr nötig ist. Die meisten Pfaumensorten können sich gut an Boden und Klima anpassen, einige Sorten gedeihen jedoch nur in wärmeren Gebieten.

Inhaltsstoffe

Pflaumen enthalten viele wichtige Mineralien und Spurenelemente wie zum Beispiel Calcium, Eisen, Kalium, Zink und Phosphor. Sie gehören zwar nicht zu den wichtigsten Vitaminlieferanten, doch weisen sie neben Provitamin A die Vitamine B1, B2, C und E auf. Außerdem enthalten die Früchte Flavonoide, Fruchtsäure und Pektin.

Pflaumen in der Küche

Pflaumen enthalten viel Wasser und sind deshalb hervorragene Durstlöscher. Außerdem enthalten sie trotz ihrer Süße wenig Zucker. Trennt man die Früchte entlang der Bauchnaht auf, lassen sich die beiden Hälften sauber trennen. Je nach Sorte und Reifegrad lässt sich das Fruchtfleisch leicht oder etwas schwieriger vom Kern lösen.

Die bekannteste Verwendung von Pflaumen ist sicher das Pflaumenmus, das aus reifen Pflaumen oder Zwetschgen, Zucker und Gewürzen hergestellt wird. Außerdem werden sie gern frisch verzehrt, zu Zwetschgenkompott oder Konfitüre verarbeitet. Als Kuchenbelag werden vorrangig Zwetschgen verwendet, die beim Backen ihre Konsistenz und Form behalten: der traditionelle Zwetschgenkuchen war schon unseren Großmüttern gut bekannt.

Für Konfitüre, Kompott und Mus sollten Zwetschgen vorher mit Zucker vermischt werden (50-100g Zucker auf 500g Früchte), damit sie genügen Eigensaft ziehen können.

Als Nachspeise lassen sich Pflaumen gut zu Rum-Zwetschgen, Fruchtsaucen oder Kaltschalen verarbeiten. In Österreich sind außerdem die Zwetschenknödel beliebt. Pflaumen passen allerdings auch zu herzhaften Gerichten, besonders Backpflaumen passen zum Beispiel zu Kassler.

Direkt nach dem Verzehr frischer Pflaumen sollte darauf geachtet werden, nichts zu trinken, da anderenfalls die Verdauung in starkem Maße angeregt wird. Schließlich ist die Pflaume allgemein als Abführmittel bekannt.

Einkauf und Lagerung

Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass die Früchte sich noch fest anfühlen, dabei aber nicht zu hart sind und einen angenehmen Geruch zeigen. Sie sollten außerdem eine frische Farbe aufweisen (je nach Sorte blauviolett oder gelb). Sind die Früchte zu hart, deutet dies darauf hin, dass sie unreif sind.

Frische und ungewaschene Pflaumen lassen sich im Kühlschrank 3-4 Tage aufbewahren. Kauft man grünschalige Früchte, reifen diese problemlos nach, wenn man sie für 2-3 Tage bei Zimmertemperatur auf der Fensterbank in die Sonne legt. Um dafür zu sorgen, dass die lagernden Früchte kein Wasser verlieren, ist es ratsam, sie in ein feuchtes Tuch einzupacken.

Langfristige Lagerung ist durch Trocknen oder Dörren möglich, idealerweise bei 40°C bis 50°C.

Pflaumensorten und ihre Verwendung

Die Pflaume wird als Oberbegriff für echte Pflaumen, Zwetschgen, Mirabellen und Renekloden benutzt.

Die Hauszwetsche oder Hauspflaume gehört zu den bekanntesten Tafelsorten und wird für Konserven, in der Bäckerei und Brennerei genutzt.

Die Zwetschge (norddeutsch auch 'Zwetsche') ist eine Unterart der Pflaume. Die Früchte sind etwas kleiner, länglich bis oval mit  spitzen Enden. Sie weisen keine Fruchtnaht auf. Im Handel und Anbau werden sie bevorzugt, da sie beim Backen Form und Biss behalten und besser zu transportieren sind. Durch den geringen Wassergehalt und  hohen Gehalt an Fruchtzucker werden sie meist für die Trockenpflaumen benutzt. Sie lassen sich gut einfrieren und zu Kuchen verarbeiten. Eine weitere bekannte Verwendung ist das Zwetschgenwasser.

Mirabellen sind kugelrunde, gelbe Früchte, die oft eine rötliche Sonnenseite aufweisen. Sie sind etwa kirschgroß und besitzen ein sehr süßes Fruchtfleisch. Bevorzugt werden sie roh verzehrt, eingemacht oder zu Kompott verarbeitet.

Renekloden sind kugelrund mit hellem Fruchtfleisch und einer gelbgrünen bis violetten Haut. Ihr Name soll von der französischen Königin Claudia stammen, die diese Früchte gern aß. Sie spielen im Handel kaum eine Rolle, da ihre Haut sehr empfindlich sind und schnell verderben und werden daher hauptsächlich von Liebhabern roh oder als Kompott verzehrt.

Als Trockenpflaume, Backpflaume oder Dörrpflaume bezeichnet man entkernte und gedörrte Zwetschgen, die meist aus Frankreich oder Kalifornien stammen. Sie werden vorrangig als Abführmittel benutzt und sollten und vor dem Verzehr eingeweicht werden.

Echte Pflaumen, Rund- oder Eierpflaumen sind im Erwerbsobstanbau wenig von Bedeutung, werden jedoch sie in Kleingärten und Hausgärten noch oft angebaut. Die sehr saftigen Früchte schmecken am besten als Kompott oder frisch.

Die Kirschpflaume wird oft als starkwüchsige Unterlage für Pflaumen und Zwetschgen genutzt. In Mittelasien und im Kaukasus werden auch die Früchte verarbeitet. Sie ist außerdem eine gute Brennfrucht für alkoholische Getränke wie Likör.

Die Schlehe vom Schwarzdorn wird vorrangig für Likör oder andere Verarbeitungsprodukte genutzt und dient außerdem im Garten als Heckengehölz.

Die Tübinger Zwetschge findet man heute relativ selten. Diese uralte Zwetschgensorte aus Ungarn oder der Türkei sieht man meist auf Streuobstwiesen.

Die Susine,  blaue Pflaume oder japanische Pflaume entstand durch Kreuzungen der Pflaume mit verschiedenen amerikanischen Wildsorten und gehört botanisch eigentlich zu einer anderen Art. Die Früchte sind gelb oder blaurot und kugelrund. Sie werden meist frisch verwendet.

Pflaumen in der Heilkunde

Pflaumen unterstützen Leber und Nieren, wirken mild abführend und nervenstärkend. Sie wirken  fiebersenkend und beugen Arterienverkalkung vor. Bei Patienten, denen eine kalorien- und kochsalzarme Diät verschrieben wurde, gelten sie als stoffwechselanregend.

Gegen Verstopfung werden abends 5 getrocknete Pflaumen in lauwarmem Wasser eingeweicht und zugedeckt. Am nächsten Morgen wird die Flüssigkeit auf nüchternen Magen getrunken und die Pflaumen gut zerkaut und gegessen. Alternativ kann man gegen Verstopfung auch Bitterpflaumenmus essen: dafür werden etwa 15 bis 20 Pflaumen gekocht und durch ein Haarsieb gestrichen. Dem Mus gibt man 10g Bittersalz aus der Apotheke hinzu und isst davon alle halbe Stunde einen Teelöffel.

Gegen nervöse Unruhe und depressive Verstimmungen hilft eine einwöchige Pflaumenkur, bei der täglich mindestens 200g Zwetschgen verzehrt werden.

Menschen mit empfindlichem Magen und ältere Menschen sollten die Zwetschgen den Pflaumen vorziehen, da die Haut der Pflaume schwer verdaulich ist, wenn sie nicht ausreichend zerkaut wurde.

Pflaume geviertelt


Quellen

  • Das große Buch vom Obst : Warenkunde, Küchenpraxis, Rezepte. München: Teubner Edition, 2002.
  • Das große Lexikon der Früchte und Gemüse : Herkunft, Inhaltsstoffe, Zubereitung, Wirkung. Köln: Anaconda Verlag, 2008.
  • Fischer, Manfred [u.a.]: Taschenatlas Obst : 218 Arten und Sorten. Stuttgart: Ulmer Verlag, 2006.
  • Kiesewetter, Marion: Obst aus norddeutschen Gärten : Rezepte, Gesundheit, Wellness. Heide: Boyens, 2007.

Weiterführende Links


Redaktion: Ilga Becker
Datum: 11.03.2010