Physalis, Kapstachelbeere (Physalis peruviana)

In den letzten Jahren ist die von einer pergamentfarbenen, lampionartigen Hülle eingefasste Beere in fast jedem gut sortierten Lebensmittelgeschäft erhältlich. Ein wenig Verwirrung herrscht bei der Namensgebung für die Frucht: zumeist wird die Bezeichnung "Physalis" verwendet, man findet die Frucht aber auch unter den Namen "Andenbeere" oder "Kapstachelbeere".

Physalis

Weniger geläufig sind die Synonyme wie zum Beispiel "Blasenkirsche", "Judenkirsche", "Goldblume", "Ananaskirsche" oder auch Lampionblume. Der Name "Physalis" leitet sich vom altgriechischen "physallis" ab, dieses Wort hatte die Bedeutung von "Blase". Schon im Wiener Dioskurides - der um 359 v. Chr. entstanden sein soll - ist eine sehr ähnliche Frucht unter dem Namen "Physalis alkekengi" beschrieben und abgebildet. Interessanterweise wird in der Wiener Dioskurides Ausgabe auch das griechische Synonym "halikàkkabon" angeben, welches annähernd mit "Kieselsteinchen" zu übersetzen ist: eine ebenfalls sehr hübsche Beschreibung für die Frucht. (Genaust). Die französische Sprache hat sich bei der Bezeichnung der "Physalis" am zweiten Teil des altgriechischen Namens bedient: dort heißt die Frucht "alkèhenge".

Was ist die Physalis?

Zunächst eine (botanische) Klarstellung: mit unserer recht säuerlichen Gartenstachelbeere (bot. Ribes uva-crispa) hat die Kapstachelbeere nichts zu tun, sie ist auch nicht verwandt mit der Chinesischen Stachelbeere oder Kiwi (bot. Actinidia chinensis), vielmehr gehört sie - wie die Tomate und die Tamarillo - zur Familie der Nachtschattengewächse. Die "Physalis peruviana" weist in Aussehen und Pflanzenaufbau weitgehende Übereinstimmung mit der einheimischen, aber nicht essbaren "Physalis alkekengi" auf, die mit ihren leuchtendroten Kelchen in unseren Gärten und Blumenvasen eine Dauerzierde darstellt. Dieser "Zier-Physalis" stand auch Pate bei der Namensgebung für die essbare Physalis.

Wie die "Andenbeere" zur "Kapstachelbeere" wurde und nach Europa kam

Die ursprüngliche Heimat der Physalis ist die Andenregion zwischen Venezuela und Chile. Daher rührt der Name "Andenbeere". Portugiesische Seefahrer fanden Gefallen an der Frucht und brachten sie nach Südafrika, genauer gesagt in die Gegend um das "Kap der Guten Hoffnung". Dort gedieh die Pflanze prächtig, wird seitdem großflächig angebaut und kam so zu dem Namen "Kapstachelbeere". Mittlerweile wird die Physalis auch in Asien, Australien, den USA, der Karibik und Mittelamerika angebaut. In Europa existiert ein vergleichsweise geringer Anbau in Südfrankreich. Da es bei der exotischen Frucht jedoch um ein mit der Tomate verwandtes Nachtschattengewächs handelt, das sich auch genauso leicht wie die Tomate kultivieren lässt, probieren immer mehr Hobbygärtner in Europa den Anbau dieser nicht ganz preiswerten Beerenfrüchte, die sich übrigens gerade im eher kühlen Großbritannien großer Beliebtheit erfreuen.

Aussehen - Beere in Naturtüte

Die Physalis ist eine 1-2 m hohe, bei uns einjährige, in den Tropen mehrjährige, krautige Pflanze. Nach der Blütezeit - mit dem Wachstum des Fruchtansatzes - vergrößert sich der Blütenkelch und bildet eine papierdünne, zunächst grüne, später gelblich, pergamentartige, eingetrocknete Hülle. In dieser schützenden Naturtüte aus Pergament, ruht die 1,5 bis 4 cm große und 4 bis 15 g schwere, fast kugelige, ein wenig klebrige, goldgelbe bis orange Beerenfrucht, in deren weichem, süß-saurem Fruchtfleisch kleine, weißliche essbare Samen eingebettet sind. Das Fruchtfleisch besteht zu rund 15 Prozent aus löslicher Trockensubstanz - hauptsächlich Zucker - und ist reich an organischen Säuren, Pektin, Phosphor, Eisen, Provitamin A, Vitaminen der B-Gruppe und Vitamin C. Vernascht man all diese Inhaltstoffe in Form der Beerenfrucht ist der Geschmack erfrischend, fein süß und dabei kräftig säuerlich mit Beigeschmack aus einem Mix von Ananas, Kokosnuss, Kiwi, Maracuja, Rosine und Stachelbeere.

Die "essbaren" Verwandten der "Physalis Peruviana"

Die Physalis-Frucht wird nicht nach Sorten gehandelt, gleichwohl existieren einige. So wurden in den USA die Sorten "Giant Poha Berry" und "Golden Berry" beschrieben, welche sicher in Zukunft auch Eingang in den Handel verwinden. Jedoch hat die Physalis Peruviana einige enge Verwandte, die ebenfalls gerne verspeist werden. Dazu gehört zum Beispiel die winzige Physalis-Sorte "Kosak pineapple" (bot. Physalis c. f. pubescens) die durch ein intensives Ananasaroma besticht ebenso wie die "Grüne Mexikanische Tomate" (bot. Physalis ixocarpa), auch "Tomatillo" genannt, bei der es sich um eine walnussgroße, tomatenartige Frucht mit süßlichem Aroma handelt, deren Heimat Mexiko ist; wo sie hauptsächlich gekocht verwendet wird.

Tipp - die "giftigen" Verwandten der Physalis Peruviana

An dieser Stelle sei nochmals darauf verwiesen, dass die einheimische Sorte "Physalis alkekengi" zwar eine sehr hübsche Zierpflanze ist, die kräftigen orangefarbenen Früchte jedoch nicht zum Verzehr geeignet sind, da sie giftig sind. Genauso verhält sich mit der ebenfalls zunehmend als Zierpflanze angebotenen Sorte "Physalis pruinosa" - besser als Erdkirsche bekannt - die aus Nordamerika stammt, deren Früchte leuchtendrot locken, dabei jedoch ebenfalls giftig sind.

Verwendung von Physalis - Obst und Praline

Physalisfrüchte kommen wie Luxuspralinen daher, jede einzelne im Supermarkt angebotene Frucht steckt in einer winzigen bastfarbenen Tüte, in der man sie bis zum Verbrauch auch belassen sollte. Die aufwendig verpackte und daher auch recht hochpreisige Frucht ist ein ausgezeichnetes Frischobst. Zum Verzehr wird zuerst die Beere aus der Hülle gelöst und dann - da sie meist etwas klebrig ist, etwas abgespült. Will man die Kapstachelbeere an einem Obstsalat verwenden, sollte diese zuvor durchgestochen oder durchgeschnitten werden, damit der zugegebene Zucker bzw. die Süße anderer Früchte eindringen kann. Sehr beliebt ist die Weiterverarbeitung der exotisch süß-säuerlichen Früchte zu Saft, Konfitüren, Gelees, Kompotten und Speiseeis. Exzellent macht sich die Physalis in Rumtopf, zu Cocktails oder auch als Belag für Torten und Torteletts - am besten farbenfreudig gemischt mit Erdbeeren, Kiwis und Bananen. Sehr häufig lernt man die hübsche Frucht als Dekoration für vielfältigste Gerichte kennen - und weiß nun auch, dass bei dieser Deko verspeisen erwünscht ist.

Recht einfach lässt sich das Frischobst in eine Praline verwandeln. Dazu werden die Physalen zunächst in wohltemperierte Kuvertüre eingetaucht und gleich darauf - solange die Kuvertüre noch warm ist - in gehackten Mandeln oder Pistazien gewälzt. Nachdem die "Physalis -Praline" erkaltet ist, serviert sie am stilsichersten mit geschlagener Vanillesahne und Pistazieneis: ein traumhaftes Frucht-Pralinen-Dessert.

Angebot, Einkauf und Aufbewahrung

In ihren Anbauländern reift die Physalis fast das ganze Jahr über heran, daher ist sie bei uns auch ganzjährig im Angebot, Schwerpunkt des Angebots ist allerdings die Zeit von Dezember bis Juli. Ein geringer Teil der Ernte wird in den Erzeugerländern eingemacht - gezuckert und als ganze Frucht - und kommt in kleinen Mengen als Konserve auf den europäischen Markt. Die Frischfrüchte werden auf dem Luftwege transportiert, meist in mit Folie abgedeckten, an den Seiten offenen Kunststoffschalen. Hauptexporteur ist Kolumbien. Im Supermarkt werden die Physalen einzeln verpackt nach Gewicht verkauft.

Die besten Physalen

Die besten Geschmackseigenschaften haben reife Physalis, sie sind an ihrer orangefarbenen Schale zu erkennen. Zu früh geerntete Früchte sind zu sauer und wenig aromatisch, ihre Farbe ist eher gelblich als orange. Überreifen Früchten fehlt der für einen harmonischen Geschmack wichtige Gehalt an Säure. Leider erkennt man den Reifegrad der Frucht erst, wenn sie man zu Hause von ihren Hüllen befreit, insofern ist Physalis-Kauf immer ein wenig Glückspiel, ähnlich wie beim Kinderüberraschungsei, weiß man nicht genau, was unter sich unter der Hülle versteckt.

Physalis aufbewahren

Einmal einkauft, lassen sich die Früchte in der Hülle relativ gut aufbewahren: bei 10-15 Grad und einer recht hohen Luftfeuchtigkeit können sie 1 bis 2 Monate gelagert werden. Fangen einzelne Fruchthüllen an zu schimmeln, sollte diese gleich von den anderen entfernt werden, damit der Schimmel nicht übergreift. Einfacher lassen sich die Beeren aufbewahren, wenn man sie von ihrer Hülle befreit und einfriert, dafür sind sie nämlich ebenso gut geeignet wie auch für das Trocknen.

Und zum Schluß - Frittierte Physalen

Als Köstlichkeit gelten bei Feinschmeckern frittierte Physalen in Pfannkuchenteig, sicher eine leckere Alternative zur Physali-Praline.

Übrigens - in Afrika verzehrt man nicht nur die Früchte des Kapstadtbeeren-Strauches, sondern bereitet aus seinen Blättern auch ein schmackhaftes Gemüse.

Physalis


Literaturverzeichnis

  • Bendel, Lothar. Das große Lexikon der Früchte und Gemüse. Köln: Lizenzausgabe Anaconda Verlag GmbH, 2008.
  • Genaust, Von Helmut. Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. Nikol Verlagsgesellschaft, 2005.
  • Liebster, Günther. Obst Warenkunde. Weil der Stadt: Walter Hädecke Verlag, 2002.