Weintrauben (Vitis Vinifera)

Die Weintraube

Wer mehr den Wein als die Trauben liebt,
Der ißt vielleicht die Traube
Dem Wein zu Ehren, den sie gibt,
Was ich ihm denn erlaube;
Ich aber liebe mehr als Wein,
Die Traube, mögt ihr mir verzeihn:
Ich trinke gern
Den Wein in Rosenlauben
Nur insofern
Er ist gepreßt aus Trauben,
Und wundere mich, wie herb und scharf
So süß und mildes werden darf.

Quelle: Friedrich Rückert

Weintrauben - Weiss

Diese köstliche - für so manch berauschendes Erlebnis verantwortliche Frucht - ist überraschenderweise in Lexika nicht einheitlich aufzufinden: fündig wird man auch unter Begriffen wie "Tafeltraube", "Traube" oder auch "Weinbeere". Einigkeit besteht jedoch darüber, dass Weintrauben schon seit ungefähr 5.400 v. Chr. - zu dieser Zeit steckte die Landwirtschaft noch in den Kinderschuhen - kultiviert wurden. Darauf verweist ein im Jahr 1968 gemachter Fund eines Kruges im Iran, in dem sich Weinstein am Bodensatz nachweisen ließ. Folglich waren die Sumerer die ersten, die Wein kelterten. Ihnen folgten die Phönizier, die dann die Kultur des Weinanbaus nach Griechenland, Rom und Spanien brachten. Den alten Römern gebührt der Verdienst die den Weinrebengewächsen zuzuordnende Traube im 1. Jahrhundert bis nach Deutschland - zunächst in das Bodenseegebiet - gebracht zu haben. Interessanterweise ist ausgerechnet in Deutschland das älteste noch bewirtschaftete Weingut der Welt zu finden: Es ist das traditionsreiche, seit dem Jahre 1211 existente "Schloss Vollrads", zu finden in der Nähe des idyllisch Weinörtchens Östrich-Winkel.

Weintrauben - natürliche Beerenhäufungen an mehr als 8000 Rebsorten

Die Urheimat der wilden Weintraube und das Entwicklungsgebiet für die heutige Kulturrebe sind wohl Transkaukasien und Mittelasien gewesen. Heute werden Reben in allen Erdteilen angebaut. Es soll mehr als 8000 verschiedene Sorten geben, von denen aber nur einige 100 angebaut werden und nur die wenigsten wirklich große Weine hervorbringen. Die Weltproduktion an Trauben - sowohl Wein- als auch Tafeltrauben - betrug 1996 circa 57 Millionen Tonnen und liegt damit an zweiter Stelle der bedeutendsten Obstarten, direkt hinter den Orangen und kurz vor Obstbanane und Apfel. Von der Gesamtproduktion werden nur 15 Prozent frisch verputzt, ganze 5 Prozent werden zu Rosinen getrocknet, der Rest, das sind 80 Prozent der Gesamtproduktion, wird zu Wein verarbeitet. Dabei ist immer noch Europa der größte Weingarten der Welt - hier wird die Hälfte der gesamten Traubenproduktion geerntet.

Weintrauben - Der Gesundheit zuliebe

Alle Vitis-Arten sind ausnahmslos Klettersträucher, die in Rispen angeordnete Beeren als Früchte tragen. Die Beeren treten in vielfältigen Formen und Farben auf: sie sind rund, rundoval oder länglich und können eine grünliche, gelbe, bernsteinfarbene, rote, blaue oder blauschwarze Farbe haben. Im allgemeinen enthalten die "Blauen Traubensorten" in ihrer Schale den Farbstoff Anthocyan und im Fruchtfleisch deutlich mehr Gerbsäure als die "Weißen Traubensorten". Zu ihrem natürlich Schutz verfügen die einzelnen Beeren über eine natürliche Wachsschicht, den sogenannten "Duftfilm". Das Fruchtfleisch schließt bis zu 5 harte, essbare, bittere Fruchtkerne ein. Jedoch werden im Handel zunehmend die kernlosen Traubensorten angeboten. Das ist eigentlich schade, denn der essbare Traubenkern ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Lebensmittel mit dem höchsten antioxidativen - also zellschützenden - Werten. So besitzt ein Traubenkernbrot mit 6 Prozent Trauben ein 7000-fach höheres zellschützendes Potential als ein Brot ohne die Kerne.

Auch ansonsten besitzen die Weinbeeren Nährwerte und Heilkräfte wie sonst kaum eine andere Frucht. Die Trauben enthalten sofort assimilierbare Kohlenhydrate wie Traubenzucker, die rasch in das Blut gehen und Energie liefern. Dazu kommen wichtige Mineralien wie Calcium, Kalium, Phosphor und Eisen, die unentbehrliche Nerven- Hirn, Zahn und Knochennahrung sind. Trauben entgiften, vernichten Viren, entwässern, stabilisieren die Zellwände, schützen vor Arteriosklerose und Karies, sind wirksam gegen Pickel und Herpes. Sie regen die Darm- und Nierentätigkeit an, sind wirksam gegen Harnsäureablagerungen und Gicht. Zusätzlich zu all dem Guten versorgen Weintrauben das Immunsystem mit dem bedeutenden Krebsschutzstoff Reservatol. Traubenkuren sind nicht nur gesund, sondern auch gut für die Figur - wer sein Körpergewicht senken möchte, sollte weiße Trauben essen, da sie eine besonders entschlackende Wirkung haben. Rote Weintrauben hingegen sollte derjenige verspeisen, der seinen Cholesterinspiegel möchte.

Nicht nur die frischer Trauben sind ein wahrer Jungbrunnen, auch der Traubenwein trägt zum Jungbleiben einiges bei: zum einen kann er als Trägerstoff für eine Vielzahl von Heilkräutern dienen und zum anderen senkt - wiederum medizinisch nachgewiesen - ein Glas Rotwein täglich, dank der in den roten Trauben enthaltenden Flavonoide, das Herzinfarktrisiko.

Nur eine Personengruppe, die Diabetiker, müssen sorgsam bei Traubenverzehr sein, und diese nur in Portionen von höchsten 80 g konsumieren. Dann steigt der Blutzucker kaum stärker als bei mittleren Portionen von anderem Obst.

Die Trauben- und Weinsorten

Entsprechend der weltweiten Verbreitung der Traubenkultur ist die Sortenvielfalt kaum überschaubar. Erschwerend hinzu kommen die unzähligen Synonyme in den verschiedenen Anbauländern für ein und dieselbe Traubensorte.

Tafel- und Keltertrauben

Grundlegend unterschieden werden jedoch die Tafeltrauben und die Wein- oder Keltertrauben.

Tafeltrauben werden eigens mit dicker Schale gezüchtet, damit sich der Saft länger in der Frucht halten kann. Schmackhaft sind nur die reif geernteten. Unreif geerntete Trauben - das betrifft oft Import-Trauben - konnten ihr Aroma nicht entfalten und die Vitamine sind ohnehin dahin.

Wein- oder Keltertrauben nennt man die dünnschaligen Sorten, die ausschließlich der Weinbereitung dienen.

Weiße, rote und blaue Trauben

Weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Traubenfarbe, die abhängig von Farbstoff Anthocyan ist. Bisher dominierte für den Frischverzehr die "Weißen Sorte", zunehmend werden auch immer neue rote Sorten angeboten.

"Datteltrauben" und "Muskattrauben"

Die "Datteltrauben" sind nach der Form ihrer Beeren benannt. Sie unterscheiden sich von anderen Sorten durch einen lockeren Traubenaufbau und besonders große, festschalige, weniger empfindliche Beeren. Die weißen oder dunklen Muskattrauben sind empfindlicher, bestechen aber durch einen muskatähnlichen Duft und charakteristischen Geschmack. Aus ihnen wird der griechische Samoswein, der spanische Malaga-Wein, der sizilianische "Marsala" als auch der portugiesische "Porto" sowie der französische "Frontignan" gekeltert.

Die EU-Klassifikation für Weintrauben

In Europa entscheidet jedoch nicht der Winzer, welche Sorte er anbaut, sondern zunächst einmal die EU anhand einer Klassifizierung nach "empfohlenen", "zugelassenen", und "vorübergehend empfohlenen Rebsorten" und danach dann noch einmal das jeweilige Weinbauland mit seinem Rebsortenverzeichnis. Qualitätsweine entstehen immer aus empfohlenen und zugelassenen Sorten, vorübergehende Sorten dürfen nur die Bezeichnung Tafelwein tragen. (Liebster)

Tafeltrauben und Wein genießen

Reife Weintrauben schmecken süßlich, würzig und sind dabei ausgesprochen knackig-erfrischend - also einfach nur roh genossen ein exquisiter Genuss. Zumindest genauso köstlich schmecken die Tafeltrauben zu Käse oder in herzhaften grünen Salaten, dazu sind sie auch Dekoration für jede Art von kalter Aufschnittplatte zu empfehlen. Gerne werden die Trauben auch für als Kuchen- und Tortenbelag verwandt. Unbedingt probieren sollte der experimentierfreudige Koch die knackige Beere einmal zusammen mit Sauerkraut anzurichten oder als angewärmte Beilage zu Wild oder Wildgeflügel zu reichen- ein überraschend, herausragendes, Geschmackserlebnis.

Einkauf und Lagerung von Tafeltrauben

Da weltweit angebaut, werden die Trauben das ganze Jahr über vom Handel angeboten. Hauptlieferant für Deutschland ist Italien. Die Saison für die rund um das Mittelmeer liegenden Weinanbauländer beginnt bereits im Juni mit den ersten Frühsorten und dauert bis Ende Dezember für die späten Sorten. Tafeltrauben reifen nach der Ernte nicht nach, sollten also für besten Geschmack zum optimalen Reifezeitpunkt geerntet werden, was aber nicht immer der Fall ist, da gerade die reifen Trauben während des Transportes schnell verderben. Man sollte also vor dem Einkauf ruhig einmal kosten. Ansonsten sollte man die empfindsamen Beeren bis zum Verzehr möglichst in Ruhe lassen, denn ist erst einmal ihr zarter "Duftfilm" zerstört, dringen Fäulniserreger ein - da reichen selbst schon feinsten Haarrisse. Das bedeutet jedoch, dass Trauben wirklich erst kurz vor dem Verzehr gewaschen sollten, dass ist dann aber auch nötig, um Spritzmittelrückstände zu entfernen. Hat man es geschafft, völlig einwandfreie, unversehrte Trauben nach Hause zu tragen, belohnen diese die Sorgfalt beim Einkauf mit einer recht langen Lagerdauer von bis zu vier Wochen, die am besten im Kühlschrank zugebracht werden sollte.

Rosinen, Traubenkernöl, Traubenzucker und "Agresto"

Die Trauben werden natürlich nicht nur frisch verzehrt, wie schon zu erfahren war, wird der größte Teil der Ernte zu Wein verarbeitet, jedoch das Thema "Wein" zu behandeln, sprengt deutlich den hier vorgebenden Rahmen. Auch die Rosinen sind nichts weiter als getrocknete Weintrauben, jedoch auch schon wieder so speziell, dass sie ein eigenes Kapitel benötigen. Ein weiteres - schon seit der Antike bekanntes Traubenprodukt - ist das Traubenkernöl, welches aus auf 42 Grad erhitzten Traubenkernen gewonnen wird und als hochwertige Speisewürze, sowie als Heil- und Schönheitsmittel zu verwenden ist. Das Traubenkernöl ist tiefgrün und riecht ausgesprochen appetitlich nach einer Nuss-Wein-Bananen Mixtur. Kaum bekannt in Deutschland ist der grüne Saft unreifer Weintrauben, den man in Italien "Agresto" und in Frankreich "Verjus" nennt, und zum Würzen kalter und warmer Speisen verwenden kann.

Und zum Schluss - Die Zukunft? - Traubenexperimente

Mit den Reben, welche die köstlichen Beeren tragen, wird ständig experimentiert: Am 20. Juli 1999 wurden in Deutschland die ersten gentechnisch veränderten Reben gepflanzt. Dornfelder, Riesling und andere Sorten werden geimpft gegen Mehltau, Pilze und etliches mehr. Genießer kümmert letztlich weniger die Rebe als der Wein, welcher daraus gewonnen wird. Einen wirklich Großen zu erzeugen, haben bisher nicht mal die traditionell gezüchteten Neukreuzungen vermocht. Die besten Weine stammen von klassischen, zum Teil seit Jahrhunderten angebauten Sorten. Zu oft wird das Bukett der Neuzüchtungen penetrant parfümiert, der Wein dadurch hohl und plump. Was die neuen gentechnisch veränderten Laborreben angeht, bleibt das Ergebnis abzuwarten- Wein darf aus ihnen - dank der EU-Richtlinien - bisher nicht gewonnen werden. (Pini)



Quellen

  • Bendel, Lothar. Das große Lexikon der Früchte und Gemüse. Köln: Lizenzausgabe Anaconda Verlag GmbH, 2008.
  • Liebster, Günther. Obst Warenkunde. Weil der Stadt: Walter Hädecke Verlag, 2002.
  • Pini, Udo. Das Gourmet Handbuch. Tandem Verlag GmbH, 2005/2007.
  • Rückert, Friedrich. Gesammelte Gedichte, Edition: 5. Veröffentlicht von C. Heyder, 1838.