Systematik der Nutzpflanzen

Die vom Menschen angebauten und genutzten Pflanzen haben nicht nur einen lateinischen Namen im "klassischen botanischen System" erhalten, sie sind noch mehrfach nach anderen Kriterien sortiert worden, so zum Beispiel danach, welcher Teil der Pflanze eigentlich vom Menschen überhaupt genutzt wird. Die "Systematik der Nutzpflanzen" ist eine recht sinnige Gliederung und für den Nicht-Botaniker recht leicht verständlich.

In der "Systematik der Nutzpflanzen" werden Gruppen danach gebildet, welcher Pflanzenteil vom Menschen tatsächlich genutzt wird.  So findet sich die Gruppe der Hackfrüchte, dazu gehören beispielsweise Kartoffeln und Futterüben, es gibt Getreide (Roggen, Mais, Gerste), Obst (Apfel, Erdbeere), Heilpflanzen (Salbei, Kamille) und eben auch die Kräuter und Gewürze. Natürlich wird auch die Gruppe der Kräuter und Gewürze noch einmal untergliedert, denn Pfeffer und Petersilie mögen zwar beide als Gewürz dienen, haben aber nicht nur botanisch, sondern auch als Nutzpflanze - einiges an Unterschieden aufzuweisen.  (Autoren)

Die Nutzpflanzensystematik der Kräuter und Gewürze

Auch im Unterpunkt Kräuter und Gewürze bleibt die "Nutzpflanzensystematik" konsequent. Es wird weiterhin recht konkret nach genutzten Pflanzenbestandteilen untergliedert. Den Anfang bildet die Wurzel, dann folgen Blatt, Stängel und Stamm als genutzte Pflanzenteile und den Abschluss wird dann nach Nutzung von  Früchte, Blüten und Samen sortiert. Die Antwort auf die Frage, wieso sich die botanische Familienbezeichnung Doldenblütengewächse in dieser Systematik wiederfindet, gibt der Punkt "Umbelliferengewürze".
gesamte Systematik nach  (Mahn, S. 10)

Wurzelgewürze oder Rhizomgewürze

Es gibt Wurzeln, die werden als Gewürz genutzt. Die Pflanzen zu denen diese Wurzeln gehören, fallen in die Gruppe der Wurzelgewürze, eher lateinisch geprägt auch als Rhizomgewürze bezeichnet. Hat man eine Speise mit Ingwer, Kurkuma und Galgant gewürzt, wurde mit Wurzeln gewürzt. Zugleich enthält die Speise genau die drei Gewürze, aus denen die Gruppe der Wurzelgemüse besteht.

Rindengewürz - Zimt

Aus der Wurzel wächst der Stamm, welcher zumeist auch eine Rinde hat, würzt man mit dieser, muss es logischerweise auch Rindengewürze geben. Es gibt jedoch nur ein Gewürz in dieser Gruppe, die wohl extra dafür geschaffen wurde, nämlich  den Zimt, welcher noch einmal in Ceylon-Zimt, oft einfach Zimt oder Kanel genannt und China-Zimt auch Kassia genannt unterschieden wird.

Blattgewürze  und Krautgewürze

Bei vielen Würzpflanzen wächst aus der Wurzel kein Stamm, sonder eher Stängel und Blätter. Die Pflanzen von denen hauptsächlich die Blätter, in kleinem Umfang vielleicht die Stängel genutzt werden, bilden die Gruppe der Blatt- und Krautgewürze. Diese Gruppe ist ausgesprochen groß. Dorthin gehört vieles von dem, was man sich gemeinhin unter Kräutern vorzustellen hat. Sowohl Thymian, Majoran und Oregano, aber auch Basilikum, Rosmarin, Bohnenkraut, Dill, Salbei und Kerbel gehören dazu. Auch von Petersilie, Liebstöckel, Estragon, Beifuß, Lorbeerblatt und Zitronengras werden hauptsächlich Blatt und Stängel genutzt, daher finden sich auch diese Kräuter in der Gruppe der Blatt- und Krautgewächse.

Zwiebelgewürze

Nun gibt es in der Vielfalt des Pflanzenreiches auch einige Gewächse, die nicht nur aus Wurzel, Stängel oder Stamm und Blättern bestehen. Es sind diejenigen, die eine Zwiebel ausbilden, welche  der Pflanze zumeist als Nahrungsspeicher dient. Zugleich sind diese Zwiebeln auch ein Grundgewürz in den Küchen der Welt. Die wichtigsten Vertreter dieser Gruppe sind die Küchenzwiebel und der Knoblauch, aber alle engen Verwandten der Küchenzwiebel, wie zum Beispiel die Schalotte, gehören ebenfalls in die Gruppe der Zwiebelgewürze.

Blütengewürze

Ist eine Pflanze ausgetrieben, blüht sie zunächst und so manches Mal wird aus dieser Blüte ein Gewürz. Sowohl die Kapern, die Gewürznelke als auch der Safran sind Gewürze, die aus Blüten gewonnen werden. Bevor sie im Gewürzregal landen, haben diese drei Gewürze zumeist einen aufwendigen Verarbeitungsprozess zu durchlaufen, denn frische Blüten finden sich bisher nicht in der Gruppe der Blütengewürze.

Fruchtgewürze

Aus Blüten bilden sich, wenn klimatisch und botanisch alles stimmt, die Früchte einer Pflanze. Fruchtgewürze sind oft beerenförmig, wie zum Beispiel Pfeffer, Piment, Lorbeerfrüchte und Wacholderbeeren. Sie können auch sternförmig aussehen, wie es beim Sternanis sehr offensichtlich der Fall ist. Zu den Fruchtgewürzen gehören auch die Chilis und die Paprikaschoten und sind, obwohl sie nicht so aussehen, botanisch betrachtet Beeren. Das aromatischste Fruchtgewürz, welches wir kennen, ist sicher die Vanilleschote, die unbestrittene "Königin der Gewürze".

Samengewürze

Die Kräuter und Gewürze von denen hier die Rede ist, gehören allesamt zu den Samenpflanzen, so ist es wenig verwunderlich, dass es Samengewürze gibt. Zwar wird von einer Muskatnuss geredet, doch handelt es sich bei besagter Nuss genau genommen um den Samen des Muskatbaumes. Macis, fälschlicherweise oft als Blüte des Muskatbaumes bezeichnet, ist ein  getrockneter Teil des Samenmantels, welcher den eigentlichen Muskatsamen, die Muskatnuss, umschließt. Neben diesen beiden aus dem Muskatsamen gewonnen Gewürzen, gehört noch der Kardamon in die Gruppe der Samengewürze.

Umbelliferengewürze – Doldenblütengewürze

Fast könnte man meinen, alles was nicht passt, wird passend gemacht. Denn was tun mit Gewürzen, von Samen, Kraut und Blüte genutzt werden. Glücklicherweise bietet hier das im vorherigen Kapitel beschriebene "botanische System" einen Ausweg aus dem Dilemma. Anis, Kümmel, Koriander, Kreuzkümmel, Fenchel, Dill und Sellerie sind allesamt Pflanzen, von denen zumeist Blatt, Samen, Stängel oder gar die Knolle genutzt werden. Alle zusammen sind als Kräuter und Gewürze und wohlbekannt, fehlen jedoch bisher noch in dieser Systematik.  All diese oben genannten Kräuter und Gewürze lassen sich zwar nicht nach genutzten Pflanzenteil katalogisieren, gehören jedoch - welch ein botanischer Glücksfall - in eine Pflanzenfamilie, nämlich in die Familie der "Umbelliferen", das sind die Doldenblütengewächse. Ihrer Zugehörigkeit zu dieser botanischen Familie verdanken sie die Mitgliedschaft in der letzten Kategorie der Nutzpflanzensystematik für Kräuter und Gewürze.